Mittwoch, Juni 03, 2020

Die Farbpalette aus dem All


Do not ask me for my opinion. I do not know—that is all.
There was no one but Ammi to question;

for Arkham people will not talk about the strange days,
and all three professors who saw the aërolite and its coloured globule are dead.
H.P. LOVECRAFT, THE COLOUR OUT OF SPACE (1927) 

Der südafrikanische Richard Stanley taucht nach seinem Debakel mit The Island of Doctor Moreau mit einer ambitionierten Lovecraft-Verfilmung aus der Versenkung auf. The Colour Out of Space ist nicht nur eine der besten Geschichten des Einsiedlers von Providence, sondern markiert auch die Hinwendung zu seinem ganz eigenen „kosmischen Horror“.

Stanleys Verfilmung ist kompetent, verneigt sich vor den Genre-Göttern, speziell John Carpenter, muss aber den eher unvorteilhaften Vergleich mit Annihilation von Alex Garland aushalten, der das gleichnamige Buch von Jeff VanderMeer verfilmt hat, das der Lovecraftschen Ästhetik durchaus verpflichtet ist. Und die ist raunend, bestenfalls andeutend und trotz seiner ausschweifenden Art bemüht, das Grauen der Vorstellungskraft der Lesenden zu überlassen. Stanley muss dagegen visuell konkretisieren. Das gelingt ihm bei den atmosphärischen Anfangsbildern sehr gut, doch mit fortlaufender Geschichte entwickelt er keine eigene Ästhetik (so wie Alberto Breccia im Comic), sondern greift allzu oft auf Genre-Klischees zurück, wie Verschmelzungen von Körpern (The Thing), dem übersinnlich begabten Jungen (Shining) und der Familie als eigentlicher Verkörperung des Horrors (Hereditary). Der junge Hydrologe (der Berichterstatter in Lovecrafts Geschichte) bleibt (no pun intended) blaß, ebenso der neue Charakter des Hilfsarbeiters Ezra, der wie ein älterer Hippie à la Michael Caine in Children of Men wirkt, bei dem die eine oder andere Schraube weiter gelockert wurde.

Stanleys Versuch, Lovecraft auf die Leinwand zu bringen ist nichtsdestotrotz anerkennenswert. Vielleicht gelingt ihm mehr bei der angekündigten Verfilmung von The Dunwich Horror.