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Samstag, Februar 01, 2020

Those will be the times?

 
Die postapokalyptische Welt im Jahr 9177 in Tiempo después fühlt sich an, als ob Regisseur José Luis Cuerda die Peasent Scene (Text) aus Monty Python and the Holy Grail auf spanische Verhältnisse umgemünzt und zu einen abendfüllenden Spielfilm ausgebaut hätte. Der Film, der seine Deutschland-Premiere beim Fantasy Film Festival hatte und nun bei den Filmtagen des Mittelmeeres zu sehen war, besticht mit Kulisse und Ausstattung, für die auch Terry Gilliam Pate gestanden haben könnte, und rasanter hochtrabender Dialoge und Diskurse. Die Informations- und Anspielungsdichte ist hoch, der Grad an absurder gesellschaftspolitischer Satire auch. Ein mehrmaliges Anschauen lohnt sich für alle, die einen Zugang zu einem solchen Film finden ... Kikeriki!

Mittwoch, Oktober 03, 2018

Verspult: Die vergeigte Chance

Eigentlich wollte er einen Science-Fiction-Film drehen, bekannte Regisseur Johannes Sievert, aber die Eigentümlichkeiten der deutschen Filmförderung boten nur die Möglichkeit, mit Rewind: Die zweite Chance einen Zeitreise-Krimi zu drehen. Der Film beeindruckt durch einen markanten Ermittler und die stylische Inszenierung der Stadt Köln. Der Krimi-Plot und das Polizei-Milieu sind kompentent inszeniert, doch im Physik-Labor wirkt dann alles, also ob Geld und Ideen ausgegangen wären. Zudem kommt die PhysikerDoktorandin blaß und blutleer rüber. Kein Wunder, dass der Komissar bei ihren physikalischen Ausführungen erst einmal auf den Absatz kehrt macht. Gewiss, Zeitreisen sind immer unrealistisch und unlogisch, aber wenn an altmodischen Oszilloskopen herumgefuddelt wird und die Zeitmaschine nicht mehr als ein leerer Raum ist, nützen auch alle quantenphysikalischen Erklärungen und Lichteffekte nichts, die inszenatorische Leerstelle des Films zu füllen. Doch Rewind kann für sich verbuchen, dass er fast die vollständige Besatzung des SfSFF erstmals zum Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gebracht hat.

Sonntag, September 24, 2017

Ich kaufe ein R

Das Fantasy Filmfest widmet sich der düsteren Seite des Genre-Films ohne sich dogmatisch irgendeiner Stilrichtung zu verpflichten. Daher finden sich im ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm auch immer wieder Filme mit mehr oder weniger science-Fiction-Bezug. Erstaunlicherweise haben in diesem Jahr drei davon einen Ein-Wort-Titel mit R:
Radius, Replace und Reset.

Aufgrund der minder günstigen Terminierung gelang es nur den chinesischen Beitrag 逆时营救 zu begutachten, der den kämpferischen Mutterinstinkt der weiblichen Hauptfigur in einem explosiven Zeitreiseplot so rasant in Szene setzt, dass man gnädig über die Logiklöcher hinwegsieht. Das Ergebnis ist ein Actionfilm mit Science-Fiction-Elementen, der nicht mehr sein möchte, aber dann doch mindestens zwei Botschaften parat hat:
1. Wenn man sich nicht selbst hilft, hilft einem keiner.
2. Leg Dich nicht mit einer allstehenden Mutter an ... erst recht nicht, wenn sie zu dritt ist.

Sonntag, Dezember 04, 2016

Autor von Kosmos

Guckst Du!? Auf Planet Erde, genau in Darmstadt ist Festival für Autor nicht von Kosmische Enzyklopädie, aber fast: Stanislaw Lem!  Manche meinen, er gewesen nur ein Landegerät auf Mond, aber so sind Menschen. Glauben lieber größtes Blödsinn, als wahre Tatsache.

Montag, Dezember 28, 2015

Blick zurück nach vorn

Auch das aufreibende, krisengeschüttelte Jahr 2015 bot einen bunten Reigen an aufregenden, hoffnungsvollen, pessimistischen, erfreulichen, ärgerlichen, dreckigen, hochglanzpolierten, erwartbaren und überraschenden Zukunftsvisionen:
Mensch. Natur. Katastrophe (Ausstellung)
Cyborgs, UFOs, Traummaschinen (Independent Film Days)
Autómata (Fantasy Film Festival)
Sharknado 3 / Kung Fury (SchleFaz) 
Self/Less
Pixels
Infini (Fantasy Film Festival)
Boy 7
Blade Runner (Lesung von Rufus Beck)
Die Macht ist zwar bereits erwacht, diesem Erwachen wird das SfSFF-Kollegium aber erst 2016 seine volle Aufmerksamkeit widmen. Möge das kommende Jahr es wert sein, ihm mit einem zauberhaften Lächeln zu begegnen.

Dienstag, August 18, 2015

I'm the Slime

Infini ist ein typischer Genrefilm eines engagierten Newcomer-Regisseurs: Der Australier Shane Abbess schöpft aus dem Pool mehr oder weniger klassischer Science-Fiction-Horror-Filme, besonders The Thing, Outland, Alien, Event Horizon und Ghost of Mars. Zahlreiche Blop-, pardon Plot-Elemente dieser Filme verrührt Abbess zu einer Horror-SF-Melange, die immer wieder kompetente Bilder und Spannungsmomente bietet, aber nicht mit eigenständigen Ideen punkten kann. Die überraschende Wendung am Schluss einer unübersichtlichen Handlung könnte von Steven Spielberg stammen und wird hier natürlich nicht verraten.

Die größte Schwachstelle des Films ist, dass eine überzeugende "Ökologie des Bösen" fehlt. Ist es Teufelswerk, ist es ein hinterhältiger Virus oder ist es ein perfide-gnadenloser Schleim? Shane Abbess kennt die richtigen Filme, wenn es aber um die Ursache des Übels in seinem Film geht, gelingt ihm nur ein trüber Wackelpudding, bei dem das Gerede von "perfektem Organismus" (man denke an die konzeptionelle Reinheit von Alien) und evolutionäre Schwurbeleien mit einer harmonisierenden Soße übergossen werden. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Regisseur für das Drehbuch einen kompetenten Autor hinzugezogen hätte.

Erfreulich auf jeden Fall, dass es die Veranstalter des diesjährigen Fantasy Filmfests möglich gemacht haben, den Film auf der großen Leinwand erleben zu können.

Mittwoch, März 11, 2015

There's No Budget Like Low Budget!

Müssen es immer Hundertmillionendollar-Budgets sein, um einen Science Fiction-Film zu drehen? Und müssen die immer mindestens zwei Stunden dauern? Nö, meinen die Veranstalter des Independent Days Filmfest in Karlsruhe, das vom 22. bis 26. April im Kino Schauburg stattfindet. Am 23. April kommen Science Fiction-Freundinnen und -Freunde auf Ihre Kosten, denn da läuft der Low-Budget-Wettbewerb 2 unter dem schön zukünftigen Motto Cyborgs, UFOs, Traummaschinen.

Die Trailer oder weitere Infos zu den Filmen:
Der Späte Vogel (Regie: Sascha Vredenburg, D 2014)
Wächter der Spieluhr (Regie: Marco J. Riedl, D 2014)
ASAMI (Regie: Daniel Farkas, D 2014)
Captain Sandy (Regie: Eren Oszan, USA 2014)

Montag, März 03, 2014

Algol - Eine Tragödie der Macht

Das diesjährige Stummfilmfestival Karlsruhe wartet mit der Vorführung eines lange Zeit als verschollen geglaubten Science Fiction-Stummfilm auf: Algol - Eine Tragödie der Macht aus dem Jahr 1920 mit Emil Jannings in der Hauptrolle. Dieser Film ist im Rahmen eines Filmkonzerts am 8. März 2014 um 20:30 Uhr im ZKM zu sehen. Der Film wird demnächst auf DVD in der Edition Filmmuseum erscheinen und steht auch online zur Verfügung, allerdings ohne jedwede Musik:

Montag, August 19, 2013

Das Futurologische Fantasy Filmfest

Das seit 1987 jährlich stattfindende Fantasy Filmfest hat sich im deutschen und internationalen Festivalkalender einen festen Platz erobert und präsentiert vornehmlich Horror, Thriller, aber auch schwarze Komödien, Animationsfilme und Science Fiction. So war das Fantasy Filmfestival 2006 die bis 2008 einzige Gelegenheit die grandiose Dick-Verfilmung A Scanner Darkly in Deutschland auf der großen Leinwand zu sehen.

In diesem Jahr erwartet uns als Eröffnungsfilm Ari Folmans Adaption von Stanislaw Lems Der Futurologische Kongress, mit Robin Wright in der Hauptrolle.Weitere Film, die zum Science Fiction-Genre zu zählen sind bzw. diesem nahe stehen, sind:

Europa Report (USA 2013, R: Sebastián Cordero)
The Last Days (Spanien 2013, R: David Pastor / Àlex Pasto)
The Philosophers (USA 2013, R: John Huddle)
Robin Hood (Deutschland 2013, R: Martin Schreier)

Freitag, November 02, 2012

Robot & Frank & Eva

Roboter und Androiden gehören mittlerweile fast schon zum altmodischen Inventar des Science Fiction-Films. Die beiden Filme Eva und Robot and Frank nehmen sich dabei aus wie die leisen Alternativen zu solch krachigen Blockbustern wie A.I. oder I, Robot. Vermögen die beiden aktuellen Filme - Eva war in Deutschland nur im Rahmen des diesjährigen Fantasy Film Festivals zu sehen - dem Thema Künstliche Intelligenz neue Facetten abzuringen? Das vielleicht nicht unbedingt, aber beiden Filmen gelingt es, die Thematik auf originelle Weise in einen intimen Handlungsrahmen einzuweben.

Robot and Frank spielt in "naher Zukunft", verbindet die Robotik mit der Problematik des Alterns und entfaltet dabei eine angenehm behutsame Komik. Der spanische Film Eva entwirft eine Welt im Jahr 2041, in der die Robotik so weit gediehen ist, dass sich die Androiden kaum noch von Menschen unterscheiden. Hier ist die K.I. Teil einer tragischen Dreiecksgeschichte. Wer Action sucht, den werden diese beiden Filmen enttäuschen. Wer aber bereit ist, sich auf einen ruhigen Erzählfluss einzulassen, dürfte sich über die Abwechslung zum effekthascherischen Hollywood-Kino freuen.

Dienstag, August 31, 2010

Metropia in Stuttgart 21

Ein schwedischer Science Fiction-Film ist durchaus eine Rarität. Daher nimmt das gesamte SfSFF die Gelgenheit war, den Film Metropia von Tarik Saleh im Rahmen des Fantasy Film Festivals zu sehen, das in Stuttgart vom 1. bis zum 9. September 2010 gastiert.

Nach allem, was über diesen Film bislang zu erfahren war, handelt es sich um eine filmische Dystopie in der Tradition von 1984 und Brazil, die durch ihre originelle Animationstechnik besticht. Im Rahmen des Fantasy Film Festival stellt Metropia den einzigen Science Fiction-Beitrag dar. Der Rest des Programms ist fast ausschließlich dem Schocker- und Horror-Genre vorbehalten. Von Fantasy-Filmen im landläufigen Sinne weit und breit keine Spur...