Donnerstag, September 29, 2011

The Road to Hell

"Sunny, yesterday my life was filled with rain", diese altbekannte Liedzeile gewinnt eine ganz neue Lesart, wenn man Hell gesehen hat, eine wirklich sehenswerte Produktion, weit weg vom Gute-Laune Kino.

Die Welt ist durch die Sonne verbrannt, die überlebenden Menschen irren umher auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Benzin. Das gleißende Endzeit-Szenario hat der junge Regisseur Tim Fehlbaum in seinem ersten Langfilm visuell mehr als überzeugend umgesetzt. Der Film hält konsequent ein hohes Spannungsniveau, die Figuren agieren plausibel, die Trostlosigkeit nimmt einen als Zuschauer durchaus mit.

Doch im Nachhinein überzeugt mehr die formale Leistung, denn überraschend sind die Motive nicht. Zu sehr folgt der Film der Verfilmung des Cormack McCarthy-Romans The Road. Dem deutschen "Remake" fehlt es trotz drastischer Szenen mit einem Bolzenschussgerät an Durchschlagskraft. Die Schwestern Marie und Leonie laden die Handlung emotional nicht so stark auf wie das Vater-Sohn-Gespann in The Road. Hell ist in seinem kompromisslosen Realismus überzeugend, ohne jedoch eine so starke Botschaft wie bei McCarthy zu vermitteln. Die "Hüter der Flamme" werden bei Fehlbaum von der filmischen Sonne überstrahlt.

Freitag, September 02, 2011

Quchjaj qoSlIj, Mülli! Qapla'!

Dem schließt sich das Kollegium des SfSFF nur zu gerne an und gratuliert seinem verdienten Mitarbeiter Mülli Idüllüschön einmal auf Klingonisch zum Geburtstag:
Quchjaj qoSlIj, Mülli! Qapla'!

Can you hear me, Major Tom?

Ausnahmsweise erlaube ich mir den Hinweis zu einem Buch, das immerhin Science Fiction-Bezug hat. Der Illustrator Andrew Kolb hat den Song Space Oddity von David Bowie so hinreißend als Bilderbuch umgesetzt, das einem ein Mangel aufstößt: Das Buch hat noch keinen Verleger und ist darob nicht erhältlich. Der Bitte von Kolb, dieses der Welt kund zu tun, komme ich gerne nach.

Mittwoch, August 31, 2011

Avaschlumpf

Neytiri: Jake, was hat uns Avatar eigentlich gebracht?
Jake: Ich weiß es nicht, aber ich habe so eine Ahnung, dass eine Rasse nach uns kommen wird.
Neytiri: Werden sie auch blaue Hautfarbe haben?
Jack: Ja, und sie werden auch in 3D kommen...

Dienstag, August 23, 2011

Your are, I understand, an astronaut...

Das SfSFF trauert um
Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow a.k.a. Loriot
 (*12.11.1923,  † 22.8.2011)

Die Nachricht tut mir gar nicht wohl,
Doch schön, der Abgang sanft und leise,
Wahre Komik ist ein Pirol,
Comedy nur eine Meise.

Mittwoch, August 17, 2011

5 Freunde e.t. Al.

Verfilmtes Spielzeug à la Transformers hinterlässt das schale Gefühl, dass man schon 12 sein muss, um ohrenbetäubende Roboterprügeleien gut finden zu können. Super 8 von J. J. Abrams gelingt dagegen das Kunsstück, dass man sich aufrichtig wünscht, wieder 12 zu sein. Diese von Steven Spielberg produzierte Hommage an Steven Spielberg beschwört - in weiten Teilen - wieder den unschuldigen Zauber des Filmemachens - und einer ebenso altmodischen wie wirkungsvollen Art, Geschichten zu erzählen.

Wenn fünf Freunde und ein Mädchen im Jahr 1979 versuchen, mit einfachsten Mitteln einen Zombie-Film zu drehen und dabei in eine militärische Verschwörung geraten (über die hier nicht mehr verraten werden soll), dann entgleist die reizvolle Geschichte nur dann, wenn sich moderner "production value" zu sehr in den Vordergrund drängt. Dennoch dürfte dieser Film all diejenigen erfreuen, die wie ich im Jahr 1982 glänzende Augen bekamen, als sie zum ersten Mal E.T. sahen. Wahre Kinoträume sind halt immer noch analog...

P.S. Wer bei Super 8 vor dem Abspann geht, ist doof!

Donnerstag, Juli 28, 2011

Ape and Absence

Es gibt Se- bzw. Prequels, die eigentlich niemand so recht auf dem Schirm hatte. Tron Legacy gehört dazu, aber auch Terminator Salvation, Superman Returns, Star Trek XI oder Titanic II. Nicht immer ist das Unerwartete schlecht, daher dürfen wir gespannt sein, was vom Prequel Planet der Affen: Prevolution (Kinostart 11. August 2011) zu der Neuauflage des ersten Teils der fünfteiligen Film-Saga nach dem Roman von Pierre Boulle (La Planète des Singes, 1963) zu erwarten sein wird. Wer an die beeindruckende Schlusspointe des ersten Planet der Affen-Films mit Charlton Heston denkt (die im Gegensatz zur eher misslungenen Burton-Verfilmung nicht dem Roman-Schluss entspricht), der wird sich allerdings fragen, ob er irgendeine mehr oder weniger plausible Vorgeschichte sehen muss. P.S.

Das SfSFF wird sich diesen Film jedoch sicher nicht entgehen lassen, wie auch die Folgenden:
Super 8 von J. J. Abrams (Kinostart 4. August 2011)
Cowboys & Aliens von Jon Favreau (Kinostart 25. August 2011)
Apollo 18 von Gonzalo López-Gallego (Kinostart USA 2. September 2011)

Ich danke dem Wildwest-Beauftragten des SfSFF, Mülli Idüllüschön, für den Hinweis auf Cowboys & Aliens und der von mir hochgeschätzten Esmeralda Beate Skiwskibowski für ihren Hinweis auf Planet der Affen: Prevolution.

Donnerstag, Juni 30, 2011

Fahndung im Repeat-Modus

Duncan Jones lieferte mit seinem Erstling Moon ein intelligentes und atmosphärisch dichtes Kammerspiel ab. Mit Source Code gelingt ihm nun kompetente, kommerziell attraktivere und originelle Kinounterhaltung, die auf den zweiten Blick jedoch nicht allzu originell daherkommt. Zu sehr fühlt man sich an Filme wie Butterfly Effect, Deja Vu und durchaus auch Inception, Der Plan oder Minority Report erinnert, die mittlerweile fast schon ein eigenes Genre bilden, welches eine weitere Wirklichkeit hinter der alltäglichen Wirklichkeit erkundet, Schlupflöcher aus dem unbarmherzigen Trott erkundet und Zeitschleifen und Traumebenen in das Raumzeitkontinuum des Alltags einbaut.

In Source Code lässt sich die Zeit durch eine Repeat-Taste aushebeln. Ein durchaus faszinierender Gedanke, der zwar wenig plausibel ist und Logiklöcher provoziert, aber durchaus geeignet ist für einen unterhaltsamen Film. Jones verliert sich dabei nicht im Effekthascherischen, setzt seine beiden Hauptdarsteller sympathisch in Szene, lässt aber den Rest des Ensembles eher als Staffage erscheinen. Die ständige Wiederholbarkeit der entscheidenden acht Minuten nagt an der Spannung, die durch die Frage "Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?" kaum gesteigert wird.

Aber auch wenn der Zweitling nicht völlig befriedigt, hat Duncan Jones durch sein Spiel mit dem Quellcode des Filmemachens gezeigt, dass sicher noch einiges von ihm zu erwarten sein dürfte. Das SfSFF wird seinen weiteren Weg aufmerksam im Auge behalten.

P.S. Dies ist der 150. Post des SfSFF-Blogs! Ein Grund zum Feiern, wie ich meine!

Freitag, Juni 03, 2011

Abenteuer im Quellcode des Seins

Alle Mitglieder des SfSFF warten schon gespannt auf das kommende Wochenende, das nicht etwa nur einen weiteren Sichttermin, sondern einen geradezu multimedialen Mix verspricht:
  • Am Samstagabend befassen wir uns mit einer metaphysischen Frage, die nur jemand wie der der Puppenspieler Rene Marik stellen kann: "Hage? Jemand ze Hage?". Es geht, wie nicht anders zu erwarten, um die Maulgeworfenheit des Seins.
  • Am Sonntag befassen wir uns dann im Rahmen der Ausstellung Serious Games in der Darmstädter Mathildenhöhe mit der "Militarisierung der Imagination". Nicht ganz klar ist, warum die Ausstellungsmacher den Irakkrieg in das Jahr 1992 verlegen. Leben wir in einer Parallelwelt à la Philip K. Dick?
  • Der eigentliche Sichttermin folgt dann im Anschluss an die Ausstellung mit Source Code, dem zweiten Film von Duncan Jones, der mit Moon wohl den besten Science Fiction-Film des Jahres 2010 inszeniert hat. Daher sind wir besonders gespannt auf den Zweitling des vielversprechenden Regie-Talents.

Donnerstag, Mai 19, 2011

Reach out for ... Metropolis

Dem aus Südtirol stammenden Musikproduzenten Giorgio Moroder, bekannt geworden als Filmkomponist, verdanken wir eine höchst ungewöhnliche Fassung von Fritz Langs Metropolis: stark gekürzt und eingefärbt, mit Synthesizerklängen und Popmusik als Soundtrack, mit Unter- statt Zwischentiteln und teilweise sogar mit ergänzten neuen Bildern (z. B. das Denkmal der Hel).
Das alles scheint es einfach zu machen, diese „verstümmelte Version“ von Metropolis als Trash-Verirrung der ästhetisch fehlgeleiteten Achtzigerjahre zu verschmähen. Doch wer dies tut, der verkennt, dass man bei Giorgio Moroders Metropolis-Rekonstruktion von „einer authentischen Fassung sprechen [kann], in der der Handlungsfaden des Originals erkennbar bleibt“ (Lexikon des Science Fiction-Films). Moroder trug dafür Filmmaterial aus den unterschiedlichsten Quellen zusammen und stellte 1984 anhand der Szenenbeschreibungen der Premierenpartitur der Filmmusik die bis dahin kompletteste Fassung seit der Uraufführung zusammen.
Am 15. Mai 2011 zeigte das Filmtheater der Murnau-Stiftung in Wiesbaden diese selten gezeigte Metropolis-Fassung anlässlich des Filmstarts der rekonstruierten Version.Die SfSFF-Mitarbeiter Idüllüschön und Lösel haben sich davon überzeugen können, dass Moroder eine wirklich kurzweilige und inhaltlich stimmige Version gelungen ist, die einen wichtigen Platz in der Rekonstruktions- wie Rezeptionsgeschichte von Metropolis verdient.