Ist es ein Remake, ist es ein Update oder ein hochpolierter Abklatsch? Die Neuauflage von Paul Verhoevens Verfilmung von Philip K Dicks Kurzgeschichte We Can Remember It For You Wholesale besticht mit Schauwerten, insbsondere dem zukünftigen London, die Themse-Metropole wirkt wie mit einer Blade Runner-Architektur überwuchert. Der Mars ist in Len Wisemans Neuauflage nur ein toter, unbewohnter Planet. Stattdessen saust ein riesiger Aufzug durch die Erde hindurch bis nach Australien, das wie Großbritannien den Dritten Weltkrieg überstanden hat. Doch die Schauwerte trösten nicht darüber hinweg, dass die Geschichte an Komplexität verloren hat. Die verwirrten Wirklichkeiten von Quaid/Hauser verkommen gänzlich geerdet zu einer Realitäts-Matrjoschka.
Ohne die Mars-Exotik ergeht sich die Geschichte allzu sehr in Balkon-Springereien, futuristischen, aber nicht minder banalen "Auto"-Verfolgunsgjagden und einem ausgedehnten Zickenkrieg, ausgelöst durch die wild um sich herumballernde Lori Quaid (Kate Beckinsale). Hier vermisst man die von Sharon Stone so sexy zur Schau gestellte Durchtriebenheit und die von Michael Ironside so überzeugend verkörperte rücksichtslose Bösartigkeit. Farrell macht seine Sache ganz ordentlich, spielt den Kontrast zwischen Quaid und Hauser aber nie so gut aus wie Arnold Schwarzenegger. Die neu konzipierte Cohaagen-Verschwörung bleibt lahm. Trotz diverser Geschmacklosigkeiten ziehe ich Verhoevens Verfilmung, die noch ohne jedwede Computeranimation auskommt, dem Remake vor.
Mitteilungen des interdisziplinären, transregionalen und extrauniversitären Seminars für Science Fiction Film und Anverwandtes mit Zweigstellen in Marburg, Heidelberg, Stuttgart, Darmstadt und ehemaligen Zweigstellen in Singapur und Korbach.
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Dienstag, September 25, 2012
Montag, August 27, 2012
Source Recall
Heute werden die Mitglieder des SfSFF das Remake der ersten Verfilmung der Kurzgeschichte We Can Remember It For You Wholesale (1966) von Philip K. Dick begutachten. Das Plakat lässt zumindest den Hauch eines Zweifels daran aufkommen, ob nicht vielleicht ein anderer Film neu verfilmt wurde.
Sonntag, März 20, 2011
Spin-Doctors der Schöpfung
[Enthält Spoiler!] Ja ja, der freie Wille. Wie oft fühlen wir uns ganz und gar nicht frei, sondern eher als Marionetten von sozialen Zwängen oder Mächten, die, wenn man einmal an den Arbeitgeber oder die Familie denkt, gar nichts Übernatürliches haben müssen. Auch der aufstrebende Jungpolitiker David Norris (Matt Damon) kann sich in Der Plan nur nach einer Wahlschlappe endlich einmal von seinen Beratern frei machen, inspiriert von der Begegnung mit der bezaubernden Elise (Emily Blunt). Doch dann macht ein Blick hinter die Kulissen der Realität der aufkeimenden Liebe einen Strich durch die Rechnung. David erhält Einsicht in "Den Plan", dessen Urheber im Nebulösen bleibt, und dessen Handlanger, graue Männer mit Hut, eher bürokratisch und resigniert als auftrumpfend mächtig daher kommen. Momo lässt grüßen, und neben Brazil kommt einem auch Dark City in den Sinn.
Philip K. Dicks Kurzgeschichte The Adjustment Team bietet einen beeindruckenden Blick auf eine zerbröselnde Wirklichkeit, von dem man sich wünscht, dieser wäre einem auch in der Verfilmung vergönnt gewesen. Stattdessen bleiben David und Elise ungewöhnlich unbeeindruckt von ihrem neuen Wissen über die Welt. Selbst wenn einem nicht sofort einleuchtet, warum die beiden füreinander bestimmt sein sollen, reißt einen der romantische Schwung mit, getragen nicht zuletzt von der hinreißenden Emily Blunt. Man muss dabei allerdings leider an die Love conquers all-Version von Brazil denken, die ein Meisterwerk zerstört hätte.
Der Plan ist unterhaltsam und auch ohne große Knalleffekte spannend, aber man wird den Wunsch nicht los, dass sich George Nolfi getraut hätte, mehr verstörende und aufrüttelnde Elemente einzubauen, um den Blick in unsere "subjektiven Realitäten" zu schärfen. So wandelt sich der Film von einer Parabel über freien Willen und Fremdbestimmung zu einer Art "David Almighty" in der Nachfolge von Bruce und Evan. Doch immerhin versöhnt das Ende alle Romantiker im Publikum: Liebe ist einfach Plan los.
Philip K. Dicks Kurzgeschichte The Adjustment Team bietet einen beeindruckenden Blick auf eine zerbröselnde Wirklichkeit, von dem man sich wünscht, dieser wäre einem auch in der Verfilmung vergönnt gewesen. Stattdessen bleiben David und Elise ungewöhnlich unbeeindruckt von ihrem neuen Wissen über die Welt. Selbst wenn einem nicht sofort einleuchtet, warum die beiden füreinander bestimmt sein sollen, reißt einen der romantische Schwung mit, getragen nicht zuletzt von der hinreißenden Emily Blunt. Man muss dabei allerdings leider an die Love conquers all-Version von Brazil denken, die ein Meisterwerk zerstört hätte.
Der Plan ist unterhaltsam und auch ohne große Knalleffekte spannend, aber man wird den Wunsch nicht los, dass sich George Nolfi getraut hätte, mehr verstörende und aufrüttelnde Elemente einzubauen, um den Blick in unsere "subjektiven Realitäten" zu schärfen. So wandelt sich der Film von einer Parabel über freien Willen und Fremdbestimmung zu einer Art "David Almighty" in der Nachfolge von Bruce und Evan. Doch immerhin versöhnt das Ende alle Romantiker im Publikum: Liebe ist einfach Plan los.
Montag, März 07, 2011
Love will keep us apart
The Adjustment Bureau ist der Erstlingsfilm von George Nolfi, der sich bislang mit Drehbüchern für Filme wie Timeline oder The Bourne Ultimatum weniger oder mehr einen Namen gemacht hat, und kommt nun endlich am 10. März 2011 in die deutschen Kinos, nachdem er schon einmal für den 7. Oktober 2010 angekündigt war. Weder das Filmplakat noch der flache deutsche Titel Der Plan lassen die literarische Vorlage erahnen, bei der es sich immerhin um Philip K. Dicks Kurzgeschichte Adjustment Team aus dem Jahr 1954 handelt (Faksimile der Erstveröffentlichung), ein wahrhaft welterschütterndes Verwirrspiel um freien Willen und Vorsehung. Wie sich Dicks Fantasie in das Korsett eines hollywoodtauglichen Plots pressen lässt, davon möchte sich das Kollegium des SfSFF selbstverständlich in einem Sichttermin überzeugen.
Mittwoch, Februar 06, 2008
Auf den Schirm!
Mit besonderer Freude möchte ich den lang ersehnten Sichttermin für A Scanner Darkly ankündigen, der am 17. Februar 2008 um 21 Uhr im Kino des Cafe Trauma in Marburg stattfinden wird.Zur inhaltlichen Vorbereitung empfehle ich die Lektüre des Romans (#eBooks and Audio Books/Philip.K.Dick.A.Scanner.Darkly.pdf) und möchte auf folgende Materialien hinweisen:
1. Erstfassung des Filmskripts von Charlie Kaufman
2. Homepage des Films bei Warner Brothers
3. Wikipedia-Artikel zum Film,
4. Artikel, der ein Interview mit dem Regisseur Richard Linklater enthält.
5. Infos zum Roman auf der offiziellen Philip K. Dick-Website
6. Eine DVD-Kritik
Donnerstag, November 29, 2007
A Scanner Blue Yonder After Tomorrow...
ueber morgen ist ein Wander-Filmfestival (von Die Gesellschafter, einer Initiative der Aktion Mensch), das von November 2007 bis Sommer 2008 in hundert deutschen Städten zu Gast sein wird. Unter den 13 Filmen sind auch zwei höchst ungewöhnliche Filme, die im weiteren Sinne dem Science fiction-Genre zuzurechnen sind: Die visuell eigenwillige Verfilmung von Philip K. Dicks Roman A Scanner Darkly (Regie: Richard Linklater) und Werner Herzogs "science fantasy" The Wild Blue Yonder. Dank des Filmfestivals bietet sich somit die seltene Gelegenheit, diese Filme, die ansonsten nur auf DVD zur Verfügung stehen, auch einmal auf der Kinoleinwand zu bewundern.
Freitag, Juli 20, 2007
Next Deja Vu Report
Der Regisseur Lee Tamahori hat mit Next einen Film nach der Kurzgeschichte The Golden Man (1954) von Philip K. Dick gedreht. ein Mutant kann in die Zukunft sehen und gerät in die Fänge des FBI, die seine Fähigkeiten nutzen will, um terroristische Anschläge mit Nuklearwaffen zu verhindern. Das erinnert in der Konstellation an den Film Deja Vu oder auch Minority Report. Man wird das Gefühl nicht los, dass der 11. September dem Science Fiction-Genre nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt hat. Erstaunlich auch, dass Hollywood seit geraumer Zeit immer wieder auf Dicksche Stoffe zurückgreift. Dabei sollte man sich jedoch bemühen, bei allem Hollywoodzauber das literarische Werk nicht aus den Augen zu verlieren.
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Sonntag, Dezember 31, 2006
Bleibt der Schirm dunkel?
Es ist wohl zu befürchten, dass es die Verfilmung des Romans A Scanner Darkly (1977, dt.: Der Dunkle Schirm") von Philip K. Dick wohl nicht mehr in die deutschen Kinos schafft. Der Film A Scanner Darkly von Regisseur Richard Linklater mit Keanu Reeves in der Hauptrolle besticht durch eine überraschende Optik, denn er wurde nachträglich in einen "Zeichentrickfilm" umgewandelt. In Deutschland war der Film nur im Rahmen des Fantasy Film Fests 2006 zu sehen. Die DVD ist bereits bei Amazon erhältlich.
Sonntag, Dezember 10, 2006
Das totale Hörkino für die Augen
Das Livehörspiel zur Kinoversion der Kurzgeschichte von Philip K. Dick, so lässt sich das Kunststück von Bernd Gnann und Thomas Eisen wohl am treffendsten umschreiben, das ihnen unter der Regie von Eike Hannemann im Depot des Stuttgarter Staatstheaters gelingt. Mit Totale Erinnerung schaffen es die beiden Schauspieler den Film Total Recall von Paul Verhoeven ohne ein Millionen-Budget auf die Bühne zu zaubern. Die einfachen Mittel, die sie dabei dem Fundus des Mediums Radio entlehnen, schaffen eine witzig-ironische Distanzierung zum Blockbuster-Kino Hollywoods. So entlockt Bernd Gnann, dessen stimmliche Präsenz beeindruckt, u. a. einem Toaster lustvolle Töne, während es Thomas Eisen beispielsweise gelingt, mit einem Baseballschläger und einem Wirsingkohl auf rein vegetarischem Wege rohe Gewalt zu inszenieren. Wer die Augen schließt, kann sich der mehr oder weniger totalen Erinnerung an den Schwarzenegger-Film hingeben. Wer den Film nicht kennt, genießt ein gelungenes Hörspiel. Der postmoderne Medienmix vermag der zugrundeliegenden Kurzgeschichte zwar keine neuen inhaltlichen Aspekte abgewinnen, bietet aber eine höchst unterhaltsame tour de force sprachwandlerischer Brillanz und gekonnter Geräuschdramaturgie! Das Auge hört mit! Sehr empfehlenswert!
Freitag, Dezember 01, 2006
Die totale Erinnerung als Live-Hörspiel
Das SfSFF ist natürlich primär der filmischen Umsetzung von Science Fiction-Stoffen und -Motiven verpflichtet. Ein realistischer Blick auf das Potenzial des Medium Films im Genre Science Fiction erwächst natürlich oft aus dem Vergleich mit den zugrundeliegenden literarischen Vorlagen oder den Umsetzungen in andere Medien wie z. B. dem Hörspiel. Daher stößt natürlich ein auf der Kurzgeschichte We Can Remember It For You Wholesale (1966) von Philip K. Dick basierendes "Live-Hörspiel" auf unser besonderes Interesse. Mit Totale Erinnerung wendet sich der junge Regisseur Eike Hannemann (geb. 1976) einem Stoff zu, der bereits von Paul Verhoeven als Blockbuster-Film Total Recall (1990) mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle realisiert wurde.Aus diesem Anlass wird das SfSFF vollzählig und gemeinsam mit Gasthörern eine Aufführung von Totale Erinnerung am 9. Dezember 2006 im Stuttgarter Depot besuchen.
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