Mitteilungen des interdisziplinären, transregionalen und extrauniversitären Seminars für Science Fiction Film und Anverwandtes mit Zweigstellen in Marburg, Heidelberg, Stuttgart, Darmstadt und ehemaligen Zweigstellen in Singapur und Korbach.
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Dienstag, Oktober 31, 2017
Windows of the Soul
Blade Runner 2049 ist das unerwartete Sequel zu Blade Runner, dem Kultfilm wider Erwarten. Denis Villeneuve ist eine Hommage mit zeitgemäßen Update gelungen, die man schon im Kino sehen muss, um all die visuellen Reize auskosten zu können. Die Geschichte hat nun nicht mehr viel mit Philip K. Dicks ursprünglichen Roman zu tun, die Grauzone zwischen Mensch und Android ist breiter, verwirrender und zudem digital geworden, die überlange Geschichte ist um einige Verwicklungen und Vertiefungen (oder Untiefen?) reicher und der trostlose neue Blade Runner ist nicht mehr so hard-boiled wie sein Vorgänger. Der Film ist da am schwächsten, wenn er wie ein Hollywood-Aufguss von Real Humans daher kommt und wenn der ominöse Niander Wallace als unheilschwanger raunender Industrie-Teiresias daherkommt. Ob man das Ergebnis als gelungenen überambitionierten Arthouse-Blockbuster oder verwirrendes Kultfilm-Remake ansehen möchte, liegt - wie die Menschlichkeit seiner Protagonisten - im Auge des Betrachters. Cheers!
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Ridley Scott
Donnerstag, Juni 15, 2017
David or The Postmodern Prometheus
Dunkle Wälder, verschlungene Täler, Ruinen, Doppelgänger
und die Erschaffung eines unheimlichen Wesens … die Alien-Saga ist mit dem
neuesten Prequel-Sequel Alien: Covenant endgültig in der Welt der Gothic Novel angekommen. Das Schöpfer-Karussell dreht sich munter weiter: Die Engineers aus
Prometheus haben den Menschen erschaffen (und wollen ihn wieder vernichten),
der wiederum erschafft Androiden wie David, der die Aliens erschaffen hat,
welche wiederum die hilflosen Menschlein erbarmungslos dezimieren. David wird mit seinem
„Bruder“ Walter (eine Anspielung auf Sir Walter Scott?) gewissermaßen zu Dr.
Frankenstein & Mr. Hyde des Alien-Universums.
Ridley Scott verläuft sich bei seiner Erkundung
der Ursprünge der Aliens geradezu in einem Motiv-Labyrinth: Böcklins Toteninsel als
Hommage an H.R. Gigers Hommage an Böcklin und damit Hommage an H. R. Giger, dem wahren Schöpfer des Alien, Mary Shelleys Frankenstein über Bande von Shelleys Ozymandias, selbst das Motiv des letzten Abendmahls findet seine
Entsprechung im Film etc. Und last but not least sind der effiziente Dreh und die visuelle Brillanz
des fertigen Films als Hommage von Ridley Scott an sich selbst zu verstehen.
Das dabei immer Reminiszenzen an den allerersten Alien-Film zu bestaunen sind,
versteht sich von selbst.
Alien: Covenant lässt befürchten, dass Ridley Scott mit der neuen Alien-Trilogie Fragen beantwortet, die niemand gestellt hat - man denke nur erschaudernd an die Fortsetzungen von Matrix. Das ursprüngliche Alien verkörperte unsere Urängste, das neue Alien unsere Angst vor einem schlechten Sequel. Und ein solches hat schon Victor Frankenstein Höllenqualen bereitet:
Alien: Covenant lässt befürchten, dass Ridley Scott mit der neuen Alien-Trilogie Fragen beantwortet, die niemand gestellt hat - man denke nur erschaudernd an die Fortsetzungen von Matrix. Das ursprüngliche Alien verkörperte unsere Urängste, das neue Alien unsere Angst vor einem schlechten Sequel. Und ein solches hat schon Victor Frankenstein Höllenqualen bereitet:
I now also
began to collect the materials necessary for my new creation, and this
was to me like the torture of single drops of water continually falling
on the head.
(Mary Shelley, Frankenstein, Chapter 19)
(Mary Shelley, Frankenstein, Chapter 19)
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Ridley Scott
Donnerstag, November 05, 2015
Arm dran am Mars
Mark (Matt) war am Mars arm dran. Mannschaft nahm glatt an, dass Mark starb. Das
war falsch! Bald sah man, Mark war da, sprach gar! Als das klar war, war Mark
an Saat dran, pflanzt Labsal an, nahm am Anfang glatt Mannschafts-Kack! Da kracht's, Karamba, Plan platzt, Saat ward kalt. Mark war am Anfang. Klappt’s danach? Na klar, Mark war ja
NASA-Mann!
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Ridley Scott
Montag, August 13, 2012
Entdecke die Möglichkeiten!
Meine geschätzte Kollegin Kati Taramtam liefert mit dem Titel dieses Posts eine mehr als treffende Einschätzung des neuen Films von Ridley Scott. Es ist ein bisschen so, als ob man ein Buch über Siebzigerjahre-Designermöbel erwartet und merken muss, dass man stattdessen einen IKEA-Katalog bekommen hat. Zunächst enthält Prometheus die "Geschüttelt, nicht gerührt"-Elemente der Alien-Saga: ein Android, dem der Kopf abgerissen wird, Gender- und Eltern/Kind-Problematik (mit religösen Implikationen zum Verhältnis Schöpfer und Geschöpf), die tragende Rolle des industriell-militärischen Komplexes (in origineller Ausprägung) und Ansichten eines altbekannten Raumschiffs etc. Statt eines Handlungsstranges werden Plot-Elemente geliefert, die man als Zuschauer selbst zusammenbauen darf. Die Schwierigkeit dabei: Der Bausatz ist nicht komplett, es fehlen tragende Elemente und durch das eine oder andere Logikloch gehen einige der Holzdübel und Schrauben, welche die Geschichte zusammenhalten könnten, verloren.
Gewiss, der Film bietet eine teilweise überwältigende Optik, eine Menge Denkanstöße, aber leider eine zumeist "unterwältigende" Protagonistenschar, die sich verhält als hätte man es hier mit "Fünf Freunde und die Dunklen Zeichen" zu tun. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der ganzen Handlung. Auch Alien hat Handlungslöcher, durch die der Wind pfeift, aber Setting und handelnde Personen sind so stimmig, der Spannungsaufbau so folgerichtig, dass dies nicht stört. Bei Prometheus wird man dagegen mit einer Entdecker-Naivität konfrontiert, die bei Jules Verne altmodischen Charme entfaltet, bei Ridley Scott jedoch einfach nur unnötig doof wirkt.
P.S. Wer wissen möchte, warum Peter O'Toole seine Schauspielerkarriere beendet hat, erhält in Prometheus eine Antwort.
Gewiss, der Film bietet eine teilweise überwältigende Optik, eine Menge Denkanstöße, aber leider eine zumeist "unterwältigende" Protagonistenschar, die sich verhält als hätte man es hier mit "Fünf Freunde und die Dunklen Zeichen" zu tun. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der ganzen Handlung. Auch Alien hat Handlungslöcher, durch die der Wind pfeift, aber Setting und handelnde Personen sind so stimmig, der Spannungsaufbau so folgerichtig, dass dies nicht stört. Bei Prometheus wird man dagegen mit einer Entdecker-Naivität konfrontiert, die bei Jules Verne altmodischen Charme entfaltet, bei Ridley Scott jedoch einfach nur unnötig doof wirkt.
P.S. Wer wissen möchte, warum Peter O'Toole seine Schauspielerkarriere beendet hat, erhält in Prometheus eine Antwort.
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