Mitteilungen des interdisziplinären, transregionalen und extrauniversitären Seminars für Science Fiction Film und Anverwandtes mit Zweigstellen in Marburg, Heidelberg, Stuttgart, Darmstadt und ehemaligen Zweigstellen in Singapur und Korbach.
Freitag, August 25, 2017
Aldiss' Last Summer
Das SfSFF trauert um Brian Aldiss, eine der großen Persönlichkeiten der englischen Literatur wie Science Fiction, der einen Tag nach seinem 92. Geburtstag verstorben ist. Aldiss, dessen literarische Bezugspunkte Mary Shelley, H. G. Wells wie James Joyce und die New Wave umfassten, hat nicht zuletzt mit seiner maßgeblichen Geschichte der Science-Fiction-Literatur nachhaltige Wirkung entfaltet. Nur zwei seiner Werke wurden verfilmt: Frankenstein Unbound (1990) von Roger Corman nach dem gleichnamigen Roman und A.I. von Stephen Spielberg (ursprünglich von Stanley Kubrick angedacht) nach der Kurzgeschichte Super-Toye Last All Summer Long, beides mit eher gemischtem Erfolg.
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Donnerstag, August 10, 2017
20 Jahre mächtiges Badabumm!
Eine Delegation des SfSFF ließ es sich nicht nehmen, die Rückkehr des Fünften Elements auf die große Leinwand zu erleben. Das Wiedersehen beweist aufs Neue: perfekt!
Sonntag, August 06, 2017
Ape-ocalypse Now
Die Planet der Affen-Prequel-Trilogy (Prequilogy?) startete als virale Neudeutung der alten Vorgeschichte, die mit einem Zeitreiseschlenker versehen war und die Entwicklung der Affen von Haustieren zu Hausdienern in der Nachfolge der verschwundenen Hunde und Katzen erzählte. Waren die ersten beiden Prequels kompetente Filme, bei denen besonders das schauspielerische Können von Andy Serkis via Motion Capture in Erinnerung blieb, erreicht der dritte Teil eine neuer Qualität und kann für sich stehen.
Die überdeutlichen Anspielungen auf Apocalypse Now haben durchaus ihre Berechtigung, denn die zusammengewürfelte Affen-Gruppe reist tatsächlich ins Herz der Finsternis, allerdings ohne sich in einem moralischen Dschungel von psychedelischer Dimension zu verlieren. War of the Planet of the Apes ist ein Film mit einer großen Palette an nachvollziehbaren Gefühle, der sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere nimmt, Grauzonen zwischen Menschen und Affen auslotet und dabei humorvolle wie rührende Momente zulässt.
Auch wenn der Film kürzer ausfallen könnte und am Schluss fast schon biblische Züge trägt, ist War of the Planet of the Apes viel mehr als nur ein weiterer Franchise-Film, sondern eher der menschlichste Blockbuster des Jahres.
Die überdeutlichen Anspielungen auf Apocalypse Now haben durchaus ihre Berechtigung, denn die zusammengewürfelte Affen-Gruppe reist tatsächlich ins Herz der Finsternis, allerdings ohne sich in einem moralischen Dschungel von psychedelischer Dimension zu verlieren. War of the Planet of the Apes ist ein Film mit einer großen Palette an nachvollziehbaren Gefühle, der sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere nimmt, Grauzonen zwischen Menschen und Affen auslotet und dabei humorvolle wie rührende Momente zulässt.
Auch wenn der Film kürzer ausfallen könnte und am Schluss fast schon biblische Züge trägt, ist War of the Planet of the Apes viel mehr als nur ein weiterer Franchise-Film, sondern eher der menschlichste Blockbuster des Jahres.
Freitag, Juli 14, 2017
Chauvis auf dem Mars
Das Kino des verdienstvollen Deutschen Filmmuseums in Frankfurt brachte im Rahmen der Sonderausstellung Rot im Film ein obskures Werk des Science-Fiction-Films auf die Leinwand: Rakete Mond startet (USA 1950, Rocket-Ship XM), wobei die gezeigte Kopie aus den Beständen des Geheimnisvollen Filmclubs stammt.
Der gezeigte Film war gewissermaßen das billige Pedant zum ambitionierten Destination Moon. Ohne letzteren gesehen zu haben, lässt sich sagen, dass die Rakete Mond erst dann filmisch abhebt, wenn die Portagonisten auf dem Mars fehlgelandet sind. Die rot eingefärbten Sequenzen des Schwarzweißfilms strahlen tatsächliche eine fremdartig-bedrohliche Atmosphäre aus.
Was davor und danach passiert ist eine Lehrstunde in unnachvollziehbaren Treibstoffberechnungen, Triebwerkswartung, Chauvitum und unötigem Süßholzraspeln im Angesicht des sicheren Todes und - dank des einleitendenden Vortrags des Chemikers Ulrich Rüdel - in Bewahrung und Rekonstruktion von Filmfarben.
Der gezeigte Film war gewissermaßen das billige Pedant zum ambitionierten Destination Moon. Ohne letzteren gesehen zu haben, lässt sich sagen, dass die Rakete Mond erst dann filmisch abhebt, wenn die Portagonisten auf dem Mars fehlgelandet sind. Die rot eingefärbten Sequenzen des Schwarzweißfilms strahlen tatsächliche eine fremdartig-bedrohliche Atmosphäre aus.
Was davor und danach passiert ist eine Lehrstunde in unnachvollziehbaren Treibstoffberechnungen, Triebwerkswartung, Chauvitum und unötigem Süßholzraspeln im Angesicht des sicheren Todes und - dank des einleitendenden Vortrags des Chemikers Ulrich Rüdel - in Bewahrung und Rekonstruktion von Filmfarben.
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Donnerstag, Juni 15, 2017
David or The Postmodern Prometheus
Dunkle Wälder, verschlungene Täler, Ruinen, Doppelgänger
und die Erschaffung eines unheimlichen Wesens … die Alien-Saga ist mit dem
neuesten Prequel-Sequel Alien: Covenant endgültig in der Welt der Gothic Novel angekommen. Das Schöpfer-Karussell dreht sich munter weiter: Die Engineers aus
Prometheus haben den Menschen erschaffen (und wollen ihn wieder vernichten),
der wiederum erschafft Androiden wie David, der die Aliens erschaffen hat,
welche wiederum die hilflosen Menschlein erbarmungslos dezimieren. David wird mit seinem
„Bruder“ Walter (eine Anspielung auf Sir Walter Scott?) gewissermaßen zu Dr.
Frankenstein & Mr. Hyde des Alien-Universums.
Ridley Scott verläuft sich bei seiner Erkundung
der Ursprünge der Aliens geradezu in einem Motiv-Labyrinth: Böcklins Toteninsel als
Hommage an H.R. Gigers Hommage an Böcklin und damit Hommage an H. R. Giger, dem wahren Schöpfer des Alien, Mary Shelleys Frankenstein über Bande von Shelleys Ozymandias, selbst das Motiv des letzten Abendmahls findet seine
Entsprechung im Film etc. Und last but not least sind der effiziente Dreh und die visuelle Brillanz
des fertigen Films als Hommage von Ridley Scott an sich selbst zu verstehen.
Das dabei immer Reminiszenzen an den allerersten Alien-Film zu bestaunen sind,
versteht sich von selbst.
Alien: Covenant lässt befürchten, dass Ridley Scott mit der neuen Alien-Trilogie Fragen beantwortet, die niemand gestellt hat - man denke nur erschaudernd an die Fortsetzungen von Matrix. Das ursprüngliche Alien verkörperte unsere Urängste, das neue Alien unsere Angst vor einem schlechten Sequel. Und ein solches hat schon Victor Frankenstein Höllenqualen bereitet:
Alien: Covenant lässt befürchten, dass Ridley Scott mit der neuen Alien-Trilogie Fragen beantwortet, die niemand gestellt hat - man denke nur erschaudernd an die Fortsetzungen von Matrix. Das ursprüngliche Alien verkörperte unsere Urängste, das neue Alien unsere Angst vor einem schlechten Sequel. Und ein solches hat schon Victor Frankenstein Höllenqualen bereitet:
I now also
began to collect the materials necessary for my new creation, and this
was to me like the torture of single drops of water continually falling
on the head.
(Mary Shelley, Frankenstein, Chapter 19)
(Mary Shelley, Frankenstein, Chapter 19)
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Montag, Mai 01, 2017
Hollywood fährt nur mit Shell
Ghost in the Shell hat in 28 Jahren den Weg vom Manga (1989) über Anime (1995) zum Hollywood-Film (2017) zurückgelegt. Für den Anime wurde zwar der grimmige Humor und die weltpolitischen Verwicklungen des Manga geopfert, doch der Film gewann eine exotisch-mysteriöse Aura, die sicherlich auch dazu beigetragen hat, dass er zu einem Meilenstein des Animations- wie Science-Fiction-Films wurde.
Die "Live Action"-Version des Regie-Neulings Rupert Sanders setzt durchaus neue Maßstäbe, wenn es um überwältigende Kulissen geht. Fast möchte man meinen, ein Update von Ridley Scotts Blade Runner vor sich zu haben, bevor das Sequel tatsächlich in die Kinos kommt. Scarlett Johansson verkörpert nach Lucy und Under the Skin einmal mehr ein weibliches Wesen nicht von dieser Welt. Doch das bewahrt nicht vor dem schalen Nachgeschmack, den die neuen Plot-Zutaten hinterlassen. Von der ursprünglichen Geschichte mit ihren vielen Twists und subversiven Dimensionen bleibt nur noch die attraktive Hülle. Hollywood opfert einmal mehr den Ghost für eine schillernde Shell.
Die "Live Action"-Version des Regie-Neulings Rupert Sanders setzt durchaus neue Maßstäbe, wenn es um überwältigende Kulissen geht. Fast möchte man meinen, ein Update von Ridley Scotts Blade Runner vor sich zu haben, bevor das Sequel tatsächlich in die Kinos kommt. Scarlett Johansson verkörpert nach Lucy und Under the Skin einmal mehr ein weibliches Wesen nicht von dieser Welt. Doch das bewahrt nicht vor dem schalen Nachgeschmack, den die neuen Plot-Zutaten hinterlassen. Von der ursprünglichen Geschichte mit ihren vielen Twists und subversiven Dimensionen bleibt nur noch die attraktive Hülle. Hollywood opfert einmal mehr den Ghost für eine schillernde Shell.
Sonntag, April 23, 2017
Calvin - Alien zu Haus
Der Science-Fiction-Horror-Film Life von Daniel Espinosa
lässt sich kurz und treffend charakterisieren: wie Alien, nur ohne die Kunst. Life
ist zwar visuell kompetent umgesetzt und nicht unspannend, schwächelt aber schon sehr, wenn es darum
geht, lebensechte Protagonisten zu erschaffen. Während bei Alien jede der
Personen innerhalb kurzer Zeit mit all ihren charakterlichen Eigenheiten wie
ein Mensch aus Fleisch und Blut erscheint (vom brillant gespielten
Wissenschaftsoffizier Ash einmal abgesehen), bleiben die Mitglieder der
ISS-Besatzung in Life blutleer (no pun intended) und rein dekorativ.
Noch
ärgerlicher ist die unmotivierte Inkompetenz des wissenschaftlichen Personals (ähnlich wie bei Prometheus): Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare) zeigt eine leichtsinnige Neigung zum
Alien-Streicheln und verliert schließlich beim ersten terrestrisch-extraterrestrischen Händedruck, während die Epidemiologin Miranda North
(Rebecca Ferguson) einen prima Plan B für den Fall hat, dass alles schief läuft, aber keinen
Plan A, damit nicht alles schief läuft. Weitere Ungereimtheiten erspare ich mir hier.
Life ist zusammengeklaut: Der Plot stammt von Alien, die ISS samt ihrer leinwandtauglichen Zerstörung aus Gravity und die Schlusspointe von The Girl with all the Gifts. Eine brauchbare Tagline für Espinosas
Film könnte daher lauten: Lebbe geht weider – fragt sich nur für wen.
Dienstag, März 14, 2017
Der Lemnologische Kongress
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Montag, Februar 20, 2017
Frühausteher im All
Frechigkeit! Panne durch Meteorit, wo Löchrigkeit in Raumschiffhülle? Kenn ich! Guckst Du: siebente Reise! Wo ist Zeitschleife mit viele Helden von Kosmos, in Passengers ist Beziehungskrach nach defekte Duseltron, aber sonst? Laurence Fishburn. Auch keine Hilfe, gleich tot. Ansonsten bei mir: Steuerung kaputt. Bei Pärchen Reaktor von Fusion. Gut, Effektigkeit, bin ich Beeindruckung. Ende, naja. Aber sonst ähnlich, das hat Jon Spaihts nicht aus Kosmisch Enzyklopädie! Das ist meine Erinnerungen! Leute haben erzählt, hätte ich mir Geschichte nur ausgedacht. Haben erzählt, hätte ich Schwäche für Alkohol, die ich auf Erde
heimlich mache, wenn aber auf lange Raumfahrt, dann hemmungslos. Gott
weiß, was gibt für Gerüchte. Aber so sind Menschen. Glauben lieber
größtes Blödsinn, als wahre Tatsache!
Ijon Tichy, Held von Kosmos
Ijon Tichy, Held von Kosmos
Mr. Hollywoodle
Eine überaus lehrreiche und klug konzipierte Ausstellung würdigt den vor 150 Jahren geborenen Gründer der Universal-Studios, den aus dem schwäbischen Laupheim stammenden Carl Laemmle. Ihm gelang es tatsächlich, den amerikanischen Traum zu verwirklichen und es vom Laufburschen zum
international erfolgreichen Filmproduzenten zu bringen. Wer auch nur einen Funken Interesse für die Geschichte des Films oder die legendären Horror- und Monster-Filme der Dreißigerjahre hat, der sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen, die noch bis 30. Juli zu sehen ist.
Eine seiner letzten filmischen Vorhaben war es, den 1937 entstandenen tschechoslowakischen Science-Fiction-Film Bila Nemoc (Die weiße Krankheit), nach dem letzten Theaterstück von Karel Capek, in die amerikanischen Kinos zu bringen:
Eine seiner letzten filmischen Vorhaben war es, den 1937 entstandenen tschechoslowakischen Science-Fiction-Film Bila Nemoc (Die weiße Krankheit), nach dem letzten Theaterstück von Karel Capek, in die amerikanischen Kinos zu bringen:
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