Donnerstag, Oktober 05, 2017

Alles, was wir lesen mussten

Das SfSFF gratuliert Kazuo Ishiguro zum diesjährigen Nobelpreis für Literatur! Sein beklemmender Science-Fiction-Roman Never Let Me Go (Alles, was wir geben mussten) wurde 2011 adäquat verfilmt.

Sonntag, September 24, 2017

Ich kaufe ein R

Das Fantasy Filmfest widmet sich der düsteren Seite des Genre-Films ohne sich dogmatisch irgendeiner Stilrichtung zu verpflichten. Daher finden sich im ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm auch immer wieder Filme mit mehr oder weniger science-Fiction-Bezug. Erstaunlicherweise haben in diesem Jahr drei davon einen Ein-Wort-Titel mit R:
Radius, Replace und Reset.

Aufgrund der minder günstigen Terminierung gelang es nur den chinesischen Beitrag 逆时营救 zu begutachten, der den kämpferischen Mutterinstinkt der weiblichen Hauptfigur in einem explosiven Zeitreiseplot so rasant in Szene setzt, dass man gnädig über die Logiklöcher hinwegsieht. Das Ergebnis ist ein Actionfilm mit Science-Fiction-Elementen, der nicht mehr sein möchte, aber dann doch mindestens zwei Botschaften parat hat:
1. Wenn man sich nicht selbst hilft, hilft einem keiner.
2. Leg Dich nicht mit einer allstehenden Mutter an ... erst recht nicht, wenn sie zu dritt ist.

Sonntag, September 03, 2017

Geschichten aus tausendundeinem Planeten

Luc Bessons Das fünfte Element war 1997 der bis dahin teuerste europäische Film. In diese großen Fußstapfen tritt nun sein neuer Film Valerian - Die Stadt der tausend Planeten. Die überbordenden Welten von Valerian et Laureline von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières bringt Besson kongenial auf die Leinwand. Die comichafte Handlungslogik und der Humor bleiben erhalten, das Verhältnis zwischen Valerian und Laureline um ein fünftes Element angereichert. Dabei gelingen beispielsweise eine umwerfende Sequenzen: der "Zeitraffer" von Apollo-Sojus zu Alpha, der Stadt der tausend Planeten, oder der Große Markt. Mit dem vertuschten Völkermord am Volk der Pearls hat die Geschichte auch einen ernsten Aspek zu bieten.

Allerdings lässt sich nicht leugnen, das die Geschichte nicht so zündet wie Das fünfte Element. Es fehlt einfach ein Gespann wie Milla Jovovich und Bruce Willis oder ein schillernder Bösewicht wie Zorg. Und ein halbes Jahrhundert nach der ersten Folge von Valerian et Laureline, kann Besson einfach nicht mehr damit punkten, wie visionär die Ästhetik von Christin und Mézières war und wie viel Star Wars ihr verdankt. Heute erscheint es fast umgekehrt. Aber das sollte niemanden davon abhalten, jede Minute von Valerian zu genießen. Luc Besson ist seinem Anspruch, den er treffend im SZ-Interview auf den Punkt gebracht hat, sicher gerecht geworden:
Wenn jemand zwei Stunden Spaß haben will und es ordentlich knallen soll, dafür bin ich zuständig. Mehr ist es auch nicht.
Doch, ist es schon!

Dienstag, August 29, 2017

Back again

In three years, Cyberdyne will become the largest supplier of military computer systems. All stealth bombers are upgraded with Cyberdyne computers, becoming fully unmanned. Afterwards, they fly with a perfect operational record. The Skynet Funding Bill is passed. The system goes online August 4th, 1997. Human decisions are removed from strategic defense. Skynet begins to learn at a geometric rate. It becomes self-aware at 2:14 a.m. Eastern time, August 29th. In a panic, they try to pull the plug. (Terminator 2 - 3D)

Freitag, August 25, 2017

Aldiss' Last Summer

Das SfSFF trauert um Brian Aldiss, eine der großen Persönlichkeiten der englischen Literatur wie Science Fiction, der einen Tag nach seinem 92. Geburtstag verstorben ist. Aldiss, dessen literarische Bezugspunkte Mary Shelley, H. G. Wells wie James Joyce und die New Wave umfassten, hat nicht zuletzt mit seiner maßgeblichen Geschichte der Science-Fiction-Literatur nachhaltige Wirkung entfaltet. Nur zwei seiner Werke wurden verfilmt: Frankenstein Unbound (1990) von Roger Corman nach dem gleichnamigen Roman und A.I. von Stephen Spielberg (ursprünglich von Stanley Kubrick angedacht) nach der Kurzgeschichte Super-Toye Last All Summer Long, beides mit eher gemischtem Erfolg.

Donnerstag, August 10, 2017

20 Jahre mächtiges Badabumm!

Eine Delegation des SfSFF ließ es sich nicht nehmen, die Rückkehr des Fünften Elements auf die große Leinwand zu erleben. Das Wiedersehen beweist aufs Neue: perfekt!

Sonntag, August 06, 2017

Ape-ocalypse Now

Die Planet der Affen-Prequel-Trilogy (Prequilogy?) startete als virale Neudeutung der alten Vorgeschichte, die mit einem Zeitreiseschlenker versehen war und die Entwicklung der Affen von Haustieren zu Hausdienern in der Nachfolge der verschwundenen Hunde und Katzen erzählte. Waren die ersten beiden Prequels kompetente Filme, bei denen besonders das schauspielerische Können von Andy Serkis via Motion Capture in Erinnerung blieb, erreicht der dritte Teil eine neuer Qualität und kann für sich stehen.

Die überdeutlichen Anspielungen auf Apocalypse Now haben durchaus ihre Berechtigung, denn die zusammengewürfelte Affen-Gruppe reist tatsächlich ins Herz der Finsternis, allerdings ohne sich in einem moralischen Dschungel von psychedelischer Dimension zu verlieren. War of the Planet of the Apes ist ein Film mit einer großen Palette an nachvollziehbaren Gefühle, der sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere nimmt, Grauzonen zwischen Menschen und Affen auslotet und dabei humorvolle wie rührende Momente zulässt.

Auch wenn der Film kürzer ausfallen könnte und am Schluss fast schon biblische Züge trägt, ist War of the Planet of the Apes viel mehr als nur ein weiterer Franchise-Film, sondern eher der menschlichste Blockbuster des Jahres.

Freitag, Juli 14, 2017

Chauvis auf dem Mars

Das Kino des verdienstvollen Deutschen Filmmuseums in Frankfurt brachte im Rahmen der Sonderausstellung Rot im Film ein obskures Werk des Science-Fiction-Films auf die Leinwand: Rakete Mond startet (USA 1950, Rocket-Ship XM), wobei die gezeigte Kopie aus den Beständen des Geheimnisvollen Filmclubs stammt.

Der gezeigte Film war gewissermaßen das billige Pedant zum ambitionierten Destination Moon. Ohne letzteren gesehen zu haben, lässt sich sagen, dass die Rakete Mond erst dann filmisch abhebt, wenn die Portagonisten auf dem Mars fehlgelandet sind. Die rot eingefärbten Sequenzen des Schwarzweißfilms strahlen tatsächliche eine fremdartig-bedrohliche Atmosphäre aus.

Was davor und danach passiert ist eine Lehrstunde in unnachvollziehbaren Treibstoffberechnungen, Triebwerkswartung,  Chauvitum und unötigem Süßholzraspeln im Angesicht des sicheren Todes und - dank des einleitendenden Vortrags des Chemikers Ulrich Rüdel - in Bewahrung und Rekonstruktion von Filmfarben.

Donnerstag, Juni 15, 2017

David or The Postmodern Prometheus


Dunkle Wälder, verschlungene Täler, Ruinen, Doppelgänger und die Erschaffung eines unheimlichen Wesens … die Alien-Saga ist mit dem neuesten Prequel-Sequel Alien: Covenant endgültig in der Welt der Gothic Novel angekommen. Das Schöpfer-Karussell dreht sich munter weiter: Die Engineers aus Prometheus haben den Menschen erschaffen (und wollen ihn wieder vernichten), der wiederum erschafft Androiden wie David, der die Aliens erschaffen hat, welche wiederum die hilflosen Menschlein erbarmungslos dezimieren. David wird mit seinem „Bruder“ Walter (eine Anspielung auf Sir Walter Scott?) gewissermaßen zu Dr. Frankenstein & Mr. Hyde des Alien-Universums.

Ridley Scott verläuft sich bei seiner Erkundung der Ursprünge der Aliens geradezu in einem Motiv-Labyrinth: Böcklins Toteninsel als Hommage an H.R. Gigers Hommage an Böcklin und damit Hommage an H. R. Giger, dem wahren Schöpfer des Alien, Mary Shelleys Frankenstein über Bande von Shelleys Ozymandias, selbst das Motiv des letzten Abendmahls findet seine Entsprechung im Film etc. Und last but not least sind der effiziente Dreh und die visuelle Brillanz des fertigen Films als Hommage von Ridley Scott an sich selbst zu verstehen. Das dabei immer Reminiszenzen an den allerersten Alien-Film zu bestaunen sind, versteht sich von selbst.
 

Alien: Covenant lässt befürchten, dass Ridley Scott mit der neuen Alien-Trilogie Fragen beantwortet, die niemand gestellt hat - man denke nur erschaudernd an die Fortsetzungen von Matrix. Das ursprüngliche Alien verkörperte unsere Urängste, das neue Alien unsere Angst vor einem schlechten Sequel. Und ein solches hat schon Victor Frankenstein Höllenqualen bereitet:
 I now also began to collect the materials necessary for my new creation, and this was to me like the torture of single drops of water continually falling on the head.
(Mary Shelley, Frankenstein, Chapter 19)

Montag, Mai 01, 2017

Hollywood fährt nur mit Shell

Ghost in the Shell hat in 28 Jahren den Weg vom Manga (1989) über Anime (1995) zum Hollywood-Film (2017) zurückgelegt. Für den Anime wurde zwar der grimmige Humor und die weltpolitischen Verwicklungen des Manga geopfert, doch der Film gewann eine exotisch-mysteriöse Aura, die sicherlich auch dazu beigetragen hat, dass er zu einem Meilenstein des Animations- wie Science-Fiction-Films wurde.

Die "Live Action"-Version des Regie-Neulings Rupert Sanders setzt durchaus neue Maßstäbe, wenn es um überwältigende Kulissen geht. Fast möchte man meinen, ein Update von Ridley Scotts Blade Runner vor sich zu haben, bevor das Sequel tatsächlich in die Kinos kommt. Scarlett Johansson verkörpert nach Lucy und Under the Skin einmal mehr ein weibliches Wesen nicht von dieser Welt. Doch das bewahrt nicht vor dem schalen Nachgeschmack, den die neuen Plot-Zutaten hinterlassen. Von der ursprünglichen Geschichte mit ihren vielen Twists und subversiven Dimensionen bleibt nur noch die attraktive Hülle. Hollywood opfert einmal mehr den Ghost für eine schillernde Shell.