Sonntag, März 20, 2011

Spin-Doctors der Schöpfung

[Enthält Spoiler!] Ja ja, der freie Wille. Wie oft fühlen wir uns ganz und gar nicht frei, sondern eher als Marionetten von sozialen Zwängen oder Mächten, die, wenn man einmal an den Arbeitgeber oder die Familie denkt, gar nichts Übernatürliches haben müssen. Auch der aufstrebende Jungpolitiker David Norris (Matt Damon) kann sich in Der Plan nur nach einer Wahlschlappe endlich einmal von seinen Beratern frei machen, inspiriert von der Begegnung mit der bezaubernden Elise (Emily Blunt). Doch dann macht ein Blick hinter die Kulissen der Realität der aufkeimenden Liebe einen Strich durch die Rechnung. David erhält Einsicht in "Den Plan", dessen Urheber im Nebulösen bleibt, und dessen Handlanger, graue Männer mit Hut, eher bürokratisch und resigniert als auftrumpfend mächtig daher kommen. Momo lässt grüßen, und neben Brazil kommt einem auch Dark City in den Sinn.

Philip K. Dicks Kurzgeschichte The Adjustment Team bietet einen beeindruckenden Blick auf eine zerbröselnde Wirklichkeit, von dem man sich wünscht, dieser wäre einem auch in der Verfilmung vergönnt gewesen. Stattdessen bleiben David und Elise ungewöhnlich unbeeindruckt von ihrem neuen Wissen über die Welt. Selbst wenn einem nicht sofort einleuchtet, warum die beiden füreinander bestimmt sein sollen, reißt einen der romantische Schwung mit, getragen nicht zuletzt von der hinreißenden Emily Blunt. Man muss dabei allerdings leider an die Love conquers all-Version von Brazil denken, die ein Meisterwerk zerstört hätte.

Der Plan ist unterhaltsam und auch ohne große Knalleffekte spannend, aber man wird den Wunsch nicht los, dass sich George Nolfi getraut hätte, mehr verstörende und aufrüttelnde Elemente einzubauen, um den Blick in unsere "subjektiven Realitäten" zu schärfen. So wandelt sich der Film von einer Parabel über freien Willen und Fremdbestimmung zu einer Art "David Almighty" in der Nachfolge von Bruce und Evan. Doch immerhin versöhnt das Ende alle Romantiker im Publikum: Liebe ist einfach Plan los.

Montag, März 07, 2011

Love will keep us apart

The Adjustment Bureau ist der Erstlingsfilm von George Nolfi, der sich bislang mit Drehbüchern für Filme wie Timeline oder The Bourne Ultimatum weniger oder mehr einen Namen gemacht hat, und kommt nun endlich am 10. März 2011 in die deutschen Kinos, nachdem er schon einmal für den 7. Oktober 2010 angekündigt war. Weder das Filmplakat noch der flache deutsche Titel Der Plan lassen die literarische Vorlage erahnen, bei der es sich immerhin um Philip K. Dicks Kurzgeschichte Adjustment Team aus dem Jahr 1954 handelt (Faksimile der Erstveröffentlichung), ein wahrhaft welterschütterndes Verwirrspiel um freien Willen und Vorsehung. Wie sich Dicks Fantasie in das Korsett eines hollywoodtauglichen Plots pressen lässt, davon möchte sich das Kollegium des SfSFF selbstverständlich in einem Sichttermin überzeugen.

Mittwoch, Februar 23, 2011

Blue Grid oder Sam im Gitterland

Tron Legacy ist der Update des kommerziell nur mäßig erfolgreichen Kultfilms für Nerds: Tron. Die Fortsetzung beerbt das Original auf angemessene Weise: Die Schauwerte sind beeindruckend und Handlung wie Plausibilität sind ein Gebilde, dass es an Glaubwürdigkeit und Kohärenz mit den Statements von Karl Theodor zu Guttenberg aufnehmen kann. Allerdings ist Tron Legacy viel unterhaltsamer und kurzweiliger. Die Erlebnisse von Kevin und Sam Flynn im ominösen Cyperspace The Grid (‚Kevin: „The Grid. A digital frontier. I tried to picture clusters of information as they moved through the computer.”) haben kaum genug wissenschaftlichen Gehalt, um als Science Fiction durchzugehen. Vielmehr ähnelt der Plot Werken wie den Alice-Geschichten von Lewis Caroll oder Der Zauberer von Oz von Frank L. Baum. Wir wissen nicht, wo sich Kevin und Sam Flynn befinden, wir wissen nur: Es ist nicht Kansas und jede Logik ist ausgehebelt. Und man lernt noch mehr: Für das Grid muss man sich umziehen (lassen), und Isomorphe Algorithmen sind viel attraktiver als es der Name erwarten lässt. Also Augen auf, Großhirn runterfahren und rauf aufs Lichtrad!

Donnerstag, Januar 06, 2011

Nature abhors a vacuum cleaner

Skyline ist ein Film, der das Prädikat hirnlos wirklich verdient. Trotz der teilweise beeindruckenden Tricktechnik hat er einen ausführlichen Verriss nicht verdient. Immerhin nimmt das Publikum nützliche Tipps mit nach Hause: Bei einer außerirdischen Invasion bitte Türen und Jalousien geschlossen halten! Und nicht ins blaue Licht starren.

"The dome, the bubbles, the blue light
Light, light, light, light
Blue light blue light
The seepage, the sewage, the rubbers, the napkins
Your ethos, your pathos
Your flag hole, your port-hole
Your language
You're frightened
Your future
You can't even speak your own fucking language
You can't read it anymore
You can't write it anymore
Your language
The future of your language
Your meat loaf
Don't let your meat loaf
Heh, Heh, Heh!"
(Frank Zappa, The Blue Light, 1980)

Danke Frank!

Dienstag, Januar 04, 2011

Blick zurück nach vorn

Das Filmjahr 2011 hat begonnen (davon soll im nächsten Post die Rede sein), eine gute Gelegenheit, um eine Bilanz für 2010 zu ziehen. Das machen wir wie für das Jahr 2009 mit einer Amazon-Liste, welche alle Sichttermine, die durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SfSFF wahrgenommen worden sind, wiederspiegelt, mit all ihren Höhen (z. B.Metropolis, Moon) und Tiefen (z. B. Predators, Die kommenden Tage).

Donnerstag, Dezember 23, 2010

Der Tag, an dem Nacht still ward

Seht doch mal den Weihnachtsmann,
Er kommt mit einem UFO an,
Aus Lebkuchen und Zuckerguss,
Ein herrlich süßer Eßgenuss,
Lichtjahre legt er flugs zurück,
 Und bringt uns Friede, Ruh' und Glück!

Dem Kollegium und allen Freundinnen und Freunden des Seminars für Science Fiction Film wünsche ich frohe und geruhsame Weihnachten und weiterhin eine erquickliche und positive Zukunft!

Dienstag, Dezember 14, 2010

Blaues Wundern

Bei jedem neuen Science Fiction-Film dreht sich das Assoziationskarusell wie mir scheint immer schneller. Bei der Inhaltsangabe zum für den 23. Dezember 2010 angedrohten Film Skyline fühle ich mich aber weniger an bekannte andere SF-Reißer erinnert, sondern mir scheint das Grundmuster der Geschichte ("etwas großes Blaues saugt die Menschheit auf") nicht mehr als eine Übertragung von The Ant and the Aardvark (a.k.a. Die blaue Elise) in das Genre der hirnlosen (no pun intended) Außerirdischeninvasionskrawallfilme.

P.S. Schon mal was von Science Friction gehört?

Donnerstag, Dezember 09, 2010

Illegal Aliens

Monsters, der ersten Kinofilm von Gareth Edwards, wird allenthalben lobend erwähnt. Die mehr als preisgünstige Produktion (IMDB nennt ein Budget von rund 200000 $) scheint durchaus von District 9 inspiriert, der Science Fiction-Film-Überraschung des Jahres 2009. Und wie in Stalker geht es um eine rätselhafte Zone. Diesmal macht sich ein unfreiwillig zusammengekommenes Pärchen auf dem Weg durch extraterrestrisch besetztes (bewohntes?) Gebiet. Das SfSFF wird sich beim kommenden Sichttermin am 11.12. davpn überzeugen, welche Überraschungen dieser Weg bereit hält.

"Consideration for your fellow man
Would not hurt anybody, it sure fits in with my plan
Over the border, there lies the promised land
Where everything comes easy, you just hold out your hand"

(Genesis: Illegal Alien, 1983)

Samstag, November 27, 2010

Wanderer zwischen den Welten

Zu Ehren des Physikers, Philosophen und Pioniers der Computerkunst und elektronischen Ästhetik Herbert W. Franke (geb. 1927 in Wien, lebt und arbeitet bei München), präsentiert das ZKM│Medienmuseum eine umfassende Ausstellung über dessen Leben und Werk. Die Ausstellung Wanderer zwischen den Welten, mit der die ZKM-Reihe Philosophie und Kunst fortgesetzt wird, beleuchtet sein facettenreiches und vielfältiges Wirken zwischen Wissenschaft und Kunst.
Herbert W. Franke wird als Philosoph und Science-Fiction-Autor, als Höhlenforscher, Symmetrie- und Bionik-Forscher, als Physiker und Mathematiker sowie als Kunstwissenschaftler und Vorreiter computer- und maschinengenerierter Kunst vorgestellt.

Sonntag, November 21, 2010

Do Swabians Dream Of Electric Sheep?

Mit Alpha 0.7 ist die Welt von Philip K. Dick in Stuttgart 21 angekommen: Die gläserne Gesellschaft, Gedankenüberwachung zwecks Prä-Verbrechensbekämpfung, mentale Manipulation nichtsahnender Protagonisten - alles vertraute Elemente aus dem Dickschen Universum - haben Eingang gefunden in einen inhaltlich wie formal zukunftsweisenden Mehrteiler: In Fernsehen, Radio und Internet, mit Facebookprofilen und Webseiten - alles untereinander verlinkt, versteht sich - nähert man sich der Geschichte, die aufrütteln will, zeigen, was passiert, wenn die Überwachung der Bürger unter dem Vorwand der Sicherheit ad absurdum geführt wird. Und dabei gleich mal vorführt, wie Fernsehen 2.0 richtig geht.

Die dritte Folge der sechsteiligen Serie zeigt das SWR-Fernsehen am nächsten Sonntag, 28.11.2010 um 22.40 Uhr. Weitere Ausstrahlungen über andere Sender sind angekündigt.

Wir dürfen gespannt sein, ob das neuartige, breit angelegte Multimediaprojekt hält, was es verspricht. Die Geschichte spielt übrigens im Stuttgart des Jahres 2017 - vom neuen Bahnhof keine Spur...