Montag, Dezember 04, 2017

2017-33=?

Das SfSFF ist trotz seines Namens nicht auf die Leinwand beschränkt, sondern lenkt seine Augen auch immer wieder auf die Bretter, welche die Welt bedeuten. Einer Bühnen-Inszenierung von George Orwells 1984, das im Zuge der Diskussion um "Alternative Fakten" wieder zum Bestseller wurde, können wir uns natürlich nicht entziehen, zumal es bereits mehrere Verfilmungen (1954, 1984 und durchaus auch 1985) sowie bereits 1955 eine Radio-Parodie gab.

Dienstag, Oktober 31, 2017

Immer wieder Montag

What happened to Monday? ist ein dystopischer Actionfilm, der seiner Hauptdarstellerin Noomi Rapace viel Raum bietet, um in gleich sieben Rollen zu brillieren und ihre Wandlungsfähigkeit wie schmerzensreiche Leinwandpräsenz unter Beweis zu stellen. Regisseur Tommy Wirkola ist bislang nicht durch besonders tiefschürfende Filme aufgefallen und hat Freude an reichlich harter Gewalt, die er aber weder wie Quentin Tarantino ästhetisieren noch wie Paul Verhoeven mit ätzender Satire würzen kann. Spannend ist Wirkolas Film schon, aber der hochkonstruierte Filmplot und seine Hauptfigur verlaufen sich allzu oft in fragwürdige Gewaltausbrüche. Das ist schade, denn es wäre sicher möglich gewesen, weniger in Blut als in Tiefgang zu waten.

Windows of the Soul

Blade Runner 2049 ist das unerwartete Sequel zu Blade Runner, dem Kultfilm wider Erwarten. Denis Villeneuve ist eine Hommage mit zeitgemäßen Update gelungen, die man schon im Kino sehen muss, um all die visuellen Reize auskosten zu können. Die Geschichte hat nun nicht mehr viel mit Philip K. Dicks ursprünglichen Roman zu tun, die Grauzone zwischen Mensch und Android ist breiter, verwirrender und zudem digital geworden, die überlange Geschichte ist um einige Verwicklungen und Vertiefungen (oder Untiefen?) reicher und der trostlose neue Blade Runner ist nicht mehr so hard-boiled wie sein Vorgänger. Der Film ist da am schwächsten, wenn er wie ein Hollywood-Aufguss von Real Humans daher kommt und wenn der ominöse Niander Wallace als unheilschwanger raunender Industrie-Teiresias daherkommt. Ob man das Ergebnis als gelungenen überambitionierten Arthouse-Blockbuster oder verwirrendes Kultfilm-Remake ansehen möchte, liegt - wie die Menschlichkeit seiner Protagonisten - im Auge des Betrachters. Cheers!

Donnerstag, Oktober 05, 2017

Alles, was wir lesen mussten

Das SfSFF gratuliert Kazuo Ishiguro zum diesjährigen Nobelpreis für Literatur! Sein beklemmender Science-Fiction-Roman Never Let Me Go (Alles, was wir geben mussten) wurde 2011 adäquat verfilmt.

Sonntag, September 24, 2017

Ich kaufe ein R

Das Fantasy Filmfest widmet sich der düsteren Seite des Genre-Films ohne sich dogmatisch irgendeiner Stilrichtung zu verpflichten. Daher finden sich im ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm auch immer wieder Filme mit mehr oder weniger science-Fiction-Bezug. Erstaunlicherweise haben in diesem Jahr drei davon einen Ein-Wort-Titel mit R:
Radius, Replace und Reset.

Aufgrund der minder günstigen Terminierung gelang es nur den chinesischen Beitrag 逆时营救 zu begutachten, der den kämpferischen Mutterinstinkt der weiblichen Hauptfigur in einem explosiven Zeitreiseplot so rasant in Szene setzt, dass man gnädig über die Logiklöcher hinwegsieht. Das Ergebnis ist ein Actionfilm mit Science-Fiction-Elementen, der nicht mehr sein möchte, aber dann doch mindestens zwei Botschaften parat hat:
1. Wenn man sich nicht selbst hilft, hilft einem keiner.
2. Leg Dich nicht mit einer allstehenden Mutter an ... erst recht nicht, wenn sie zu dritt ist.

Sonntag, September 03, 2017

Geschichten aus tausendundeinem Planeten

Luc Bessons Das fünfte Element war 1997 der bis dahin teuerste europäische Film. In diese großen Fußstapfen tritt nun sein neuer Film Valerian - Die Stadt der tausend Planeten. Die überbordenden Welten von Valerian et Laureline von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières bringt Besson kongenial auf die Leinwand. Die comichafte Handlungslogik und der Humor bleiben erhalten, das Verhältnis zwischen Valerian und Laureline um ein fünftes Element angereichert. Dabei gelingen beispielsweise eine umwerfende Sequenzen: der "Zeitraffer" von Apollo-Sojus zu Alpha, der Stadt der tausend Planeten, oder der Große Markt. Mit dem vertuschten Völkermord am Volk der Pearls hat die Geschichte auch einen ernsten Aspek zu bieten.

Allerdings lässt sich nicht leugnen, das die Geschichte nicht so zündet wie Das fünfte Element. Es fehlt einfach ein Gespann wie Milla Jovovich und Bruce Willis oder ein schillernder Bösewicht wie Zorg. Und ein halbes Jahrhundert nach der ersten Folge von Valerian et Laureline, kann Besson einfach nicht mehr damit punkten, wie visionär die Ästhetik von Christin und Mézières war und wie viel Star Wars ihr verdankt. Heute erscheint es fast umgekehrt. Aber das sollte niemanden davon abhalten, jede Minute von Valerian zu genießen. Luc Besson ist seinem Anspruch, den er treffend im SZ-Interview auf den Punkt gebracht hat, sicher gerecht geworden:
Wenn jemand zwei Stunden Spaß haben will und es ordentlich knallen soll, dafür bin ich zuständig. Mehr ist es auch nicht.
Doch, ist es schon!

Dienstag, August 29, 2017

Back again

In three years, Cyberdyne will become the largest supplier of military computer systems. All stealth bombers are upgraded with Cyberdyne computers, becoming fully unmanned. Afterwards, they fly with a perfect operational record. The Skynet Funding Bill is passed. The system goes online August 4th, 1997. Human decisions are removed from strategic defense. Skynet begins to learn at a geometric rate. It becomes self-aware at 2:14 a.m. Eastern time, August 29th. In a panic, they try to pull the plug. (Terminator 2 - 3D)

Freitag, August 25, 2017

Aldiss' Last Summer

Das SfSFF trauert um Brian Aldiss, eine der großen Persönlichkeiten der englischen Literatur wie Science Fiction, der einen Tag nach seinem 92. Geburtstag verstorben ist. Aldiss, dessen literarische Bezugspunkte Mary Shelley, H. G. Wells wie James Joyce und die New Wave umfassten, hat nicht zuletzt mit seiner maßgeblichen Geschichte der Science-Fiction-Literatur nachhaltige Wirkung entfaltet. Nur zwei seiner Werke wurden verfilmt: Frankenstein Unbound (1990) von Roger Corman nach dem gleichnamigen Roman und A.I. von Stephen Spielberg (ursprünglich von Stanley Kubrick angedacht) nach der Kurzgeschichte Super-Toye Last All Summer Long, beides mit eher gemischtem Erfolg.

Donnerstag, August 10, 2017

20 Jahre mächtiges Badabumm!

Eine Delegation des SfSFF ließ es sich nicht nehmen, die Rückkehr des Fünften Elements auf die große Leinwand zu erleben. Das Wiedersehen beweist aufs Neue: perfekt!

Sonntag, August 06, 2017

Ape-ocalypse Now

Die Planet der Affen-Prequel-Trilogy (Prequilogy?) startete als virale Neudeutung der alten Vorgeschichte, die mit einem Zeitreiseschlenker versehen war und die Entwicklung der Affen von Haustieren zu Hausdienern in der Nachfolge der verschwundenen Hunde und Katzen erzählte. Waren die ersten beiden Prequels kompetente Filme, bei denen besonders das schauspielerische Können von Andy Serkis via Motion Capture in Erinnerung blieb, erreicht der dritte Teil eine neuer Qualität und kann für sich stehen.

Die überdeutlichen Anspielungen auf Apocalypse Now haben durchaus ihre Berechtigung, denn die zusammengewürfelte Affen-Gruppe reist tatsächlich ins Herz der Finsternis, allerdings ohne sich in einem moralischen Dschungel von psychedelischer Dimension zu verlieren. War of the Planet of the Apes ist ein Film mit einer großen Palette an nachvollziehbaren Gefühle, der sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere nimmt, Grauzonen zwischen Menschen und Affen auslotet und dabei humorvolle wie rührende Momente zulässt.

Auch wenn der Film kürzer ausfallen könnte und am Schluss fast schon biblische Züge trägt, ist War of the Planet of the Apes viel mehr als nur ein weiterer Franchise-Film, sondern eher der menschlichste Blockbuster des Jahres.