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Montag, Dezember 30, 2019

2020 im Vorhinein

Das Jahr 2019 war in jeder Hinsicht durchwachsen, auch im Bereich des Science-Fictions-Films. Immerhin haben wir den Monat des Blade Runner erreicht.

Doppelpunkte künden von einer schleichenden Versequelisierung des Kinoangebots. Es gab drei zweite Folgen, eine vierte, einen zwei-plus-x-ten Terminator-Film und einen Film mit sicherer Sequelerwartung, es gab gescheiterten Anspruch auf hohem Niveau („Ad Astra“), aber auch eine Perle wie „I am Mother“. Die Crew des SfSFF ist gespannt, ob 2020 die zu erwartende Klarsicht bringen wird, freut sich aber schon mit Macht auf die nächsten Sichttermine.

WIR (Theater)

Sonntag, September 08, 2019

Die Liebe zu einer Orange

Ein Jahr nach dem Jungen Theater im Zwinger in Heidelberg bringt das Nationaltheater Mannheim seine eigene Version von Jewgenij Samjatins Dystopie WIR von 1920 auf seine Werkbühne. Die Besetzung ist auf zwei reduziert, dafür ist das Bühnenbild noch wandlungsfähiger als in der Heidelberger Inszenierung. In Mannheim zieht Rocco Brück als D-503 die meiste Aufmerksamkeit auf sich, während Sarah Zastrau neben ihrer Rolle als I-330 weitere Nebengestalten verkörpert. Der eigenwilligste Einfall ist sicher, dass eine Orange die Rolle der O-90 übernimmt. Eine Anspielung auf Prokofjew?

Die Mannheimer Inszenierung ist beim Bühnenbild und den Kostümen deutlich weniger stilisiert als die des Heidelberger Jugendtheaters und wirkt beispielsweise durch das projizierte Laptop-Tagebuch aktueller. Aber beide Inszenierungen belegen, dass die Zeit von Samjatins visionären Text mittlerweile gekommen ist. Das ist nicht zwingend begrüßenswert, aber die Gegenwart ist halt manchmal doch die Zukunft der Vergangenheit

Montag, Mai 14, 2018

Memories are made of X

Der junge britische Dramatiker Alistair McDowall wagt sich mit seinem Stück X (2016) hinaus in die Außenregion unseres Sonnensystem. X erlebte jetzt am Nationaltheater in Mannheim seine deutschsprachige Uraufführung. Die Crew einer Forschungsstation auf Pluto hat die Verbindung zur Erde verloren und klammert sich an Routinen, Erinnerungen und die Uhrzeit, bis auch die ihren Geist aufgibt. Ohne ein Koordinatensystem aus festen Zeiten und einem verlässlichen Informationsausstausch mit der Außenwelt gerät nicht nur das Leben auf der Station aus den Fugen, sondern auch die Szenenfolge in der Dalli-Dalli-Kulisse. Der normale Zeitverlauf ist ausgehebelt, Erinnerungen wandern von Person zu Person, Sprache reduziert sich bis zum zischend ausgesprochenen Platzhalter X. Das ist bis auf einige repetitive Längen spannend inszeniert, intellektuell anregend und durchaus Science Fiction. Eine distanzierende Äußerung des Autors wie "X ist nicht wirklich Science fiction, das ist nur eine Maske" kaschiert nur, dass sich für das eine oder andere Versatzstück von X gut erkennbare Vorbilder in Werken wie Stanislaw Lems Solaris, Kurt Vonneguts Slaughterhouse Five und John Carpenters Dark Star finden lassen. Aber vielleicht täuscht da auch nur meine Erinnerung. Fang nochmal an...

Samstag, April 14, 2018

WIR heute

Jewgeni Samjatins schrieb seine Dystopie WIR 1920, in der Sowjetunion durfte das Buch nicht erscheinen, erstmals wurde es 1924 auf Englisch veröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung erschien erst 1958 und ließ Huxleys Brave New World (1932) und Orwells Nineteen Eighty-four (1949) in neuem Licht erscheinen. Verfilmt wurde der Roman 1982, produziert vom ZDF und hier anzuschauen.

Das Junge Theater im Zwinger hat sich unter der Regie von Natalie Kalmbach an eine Bühnenfassung gewagt - mit Erfolg: Das Emsemble überzeugt ebenso wie die reduzierte, aber wirkungsvolle Kulisse, die Choreographie und Kostüme. Erfahrbar wird, wie die aufkeimende Individualität (Seele und Fantasie) von D-503 den uhrwerksgleich reglementierten Alltag durchbricht und das kleine Rädchen mit der Maschine des Staates in Konflikt gerät.
Die Dramatisierung belegt, dass es sich lohnt, Samjatins WIR nicht nur als Inspiration von Huxley und Orwell, sondern als erstaunlich frisch geliebene Warnung wiederzuentdecken:
Worum haben die Menschen von Kindesbeinen an gebetet, wovon haben sie geträumt, womit haben sie sich gequält? Daß irgendeiner ihnen ein für allemal sage, was das Glück ist, und sie mit einer Kette an dieses Glück schmiede. Und ist dies nicht gerade das, was wir tun?
Eine berechtigte Frage, leider auch heute noch.

Montag, Dezember 04, 2017

2017-33=?

Das SfSFF ist trotz seines Namens nicht auf die Leinwand beschränkt, sondern lenkt seine Augen auch immer wieder auf die Bretter, welche die Welt bedeuten. Einer Bühnen-Inszenierung von George Orwells 1984, das im Zuge der Diskussion um "Alternative Fakten" wieder zum Bestseller wurde, können wir uns natürlich nicht entziehen, zumal es bereits mehrere Verfilmungen (1954, 1984 und durchaus auch 1985) sowie bereits 1955 eine Radio-Parodie gab.

Sonntag, Januar 01, 2017

250



 * 
Dieser tabellarische Jahresrückblick auf die Sichttermine und Aktivitäten des SfSFF ist der 250. Post dieses Blogs. 2016 war ein durchwachsenes Jahr, auch in Bezug auf das Science-Fiction-Genre. Doch gerade dann ist es angebracht, sich am ungebremsten Enthusiasmus der furchtlosen Besatzung des SfSFF zu erfreuen. So war die Expedition nach Berlin sicherlich einer der diesjährigen Höhepunkte und gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir auch weiterhin trotz der Unbilden der Gegenwart die Hoffnungen der Zukunft nicht aus den Augen verlieren! 
To boldly go ... auch 2017!
Dafür wünsche ich den Mitgliedern und allen Freundinen und Freunden des SfSFF sowie allen uns wohlgesonnenen außerirdischen Zivilisationen alles kosmisch Gute!

Samstag, Dezember 03, 2016

Spacepeares abgehobene Werke

Ein Teil der Besatzung des SfSFF ließ sich in das DAI Heidelberg herunterbeamen, um ein verschollenes Stück von William Shatner Shakespeare zu erleben, dass auf verschlungenen Raumzeitpfaden auf unseren Planeten gelangte und von der Dramatischen Bühne in Frankfurt auf die dramatische Bühne gebracht wurde. Das Urteil des größten Teils des Außenteams war: äußerst amüsant ... mit einer Gegenstimme.

"Let all the number of the stars give light
To thy fair way!"
(William Shakespeare, Antony and Cleopatra, Act III, Sce 13)

Samstag, Januar 17, 2015

Ein Rückblick aus dem Jahre 2015 auf 2014

Auch wenn es technische Kalamitäten derzeit nicht zulassen, den gewohnten Jahresrückblick der Aktivitäten des SfSFF in einer Amazon-Liste abzubilden, möchte ich auf diese Rückschau unseres umtriebigen Seminars nicht verzichten. Als Sichttermine sind (mit verstärktem Kollegium, herzlich willkommen an Bord Lt. Esmeralda Beate Skiwskibowski!) zu verbuchen:

Zero Theorem
Outer Space (Ausstellung)
I Origin
Eine äußerst abwechslungsreiche Mischung, die von Remakes, auf die keiner gewartet hat, über kompetentes Popcorn-Kino bis hin zu cineastischen Meisterstücken reicht. Und sogar zwei beeindruckende Trips ins Weltall sind im Programm enthalten, einmal theatralisch und einmal museal. Die allgegenwärtigen Mühen und Lasten des Alltags haben zum Ende des Jahres 2014 hin einige Lücken bei der Aufarbeitung der Sichttermine gelassen, die in nächster Zeit gestopft werden sollen. Möge 2015 trotz des traurigen Beginns ein zukunftsträchtiges werden!

Samstag, April 26, 2014

Die dunkle Seite des Kaleidoskops

Was hat Pink Floyds Dark Side of the Moon (1973) mit der Kurzgeschichte Kaleidoscope (1949) von Ray Bradbury zu tun? Erstaunlich viel, wie die musikalisch-visuell inszenierte Lesung To the Dark Side of the Moon des Schauspielers Daniel Rohr und des Komponisten Daniel Fueter eindrucksvoll zeigt. Kurzgeschichte und alle (!) Songs der legendären Pink Floyd-LP werden dabei so geschickt ineinander verwoben, dass man meinen könnte, sie hätten schon immer eine Einheit gebildet.

Daniel Rohr singt auch die Texte der Pink Floyd-Songs, begleitet von der Pianistin Eriko Kagawa und dem Galatea-Quartett, das auch perkussiv tätig wird. Kurzum: Ein bewegendes Bühnenerlebnis, das große existenzielle Fragen stellt: Welche Ängste quälen uns? Was ist der Unterschied von Leben und Tod? Wie sieht ein gelungenes Leben aus? Was unterschiedet Träume von Erinnerungen?

Montag, Februar 09, 2009

Zone 21 in Stuttgart?

Die Aufdietheaterbühnebringung von erfolgreichen Filmen gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der Spielpläne deutscher Schauspielhäuser. Der Regisseur Hasko Weber wagt es nun, Andreij Tarkowskis Film Stalker (1979, recht frei nach einem Drehbuch der Gebrüder Strugatzki, das auf deren Picknick am Wegesrand beruht) am Stuttgarter Staatstheater zu inszenieren. Kann das funktionieren? Fehlen da nicht die hypnotischen Bilder, die meditativen, fast schon quälend langen Bildeinstellungen Tarkowskis? Verwandelt eine Dramatisierung den faszinierenden Stoff am Ende nur in ebenso hochphilosophisches wie anstrengendes Diskurstheater? Und wird diese Inszenierung Schule machen? Die Vorstellung, dass Filme wie Tage der Finsternis oder gar 2001 - Odyssee im Weltraum ihrer hypnotischen Bilder beraubt auf deutschen Bühnen landen, empfinde ich als äußerst gruselig.