Mitteilungen des interdisziplinären, transregionalen und extrauniversitären Seminars für Science Fiction Film und Anverwandtes mit Zweigstellen in Marburg, Heidelberg, Stuttgart, Darmstadt und ehemaligen Zweigstellen in Singapur und Korbach.
Sonntag, Mai 18, 2014
In Memoriam HR Giger
Das SfSFF trauert um HR Giger (1940-2014), der an den Folgen eines Sturzes verstorben ist. Was die Faszination seiner Bildwelten ausmacht, ist schwer zu sagen, doch seine realistischen Schreckensvisionen offenbaren bei genauerer Betrachtung eine Ästhetik, die dem bedrohlichen ersten Eindruck entgegenwirkt. Mit dem Alien hat Giger kompromisslos die Verkörperung tiefster Urrängste entworfen, dessen Platz im Pantheon der Filmgeschichte gesichert ist. Der Besuch der Giger-Ausstellung im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt war ein Highlight in der Geschichte des SfSFF.
Sonntag, April 27, 2014
World Wide Depp
Er ist überall! Der Geist von Dr. Will Caster (Johnny Depp), die Hollywood-Variante von Ray Kurzweil, wird auf Initiative seiner Mitstreiterin und Frau erst auf einen Superduperrechner geladen und gelangt schließlich ins Internet. Damit beginnt das Unheil, bzw. - und das ist der besondere Dreh des Films - das Heil. Denn der nun digitalisierte KI-Forscher formt (to cast) nun alles nach seinem Willen (will) und meint es garnicht mal böse wie z. B. Skynet. Das ist alles ganz schrecklich unrealistisch, aber weder langweilig inszeniert noch schlecht gefilmt.
Nicht nur aufgrund der zeitlichen Nähe ist man versucht, Parallelen zu Spike Jonzes Her zu ziehen: Auch hier ist die Prämisse eines perfekt funktionierenden "KI-Betriebssystems" höchst unrealistisch, doch während Jonze damit einfühlsam zwischenmenschliche Probleme im digitalen Zeitalter verhandelt, präsentiert Wally Pfister in Transcendence eine geradezu biblische Version des Themas Künstliche Intelligenz, deren Botschaft sich mir noch nicht ganz klar erschlossen hat.
"Time has come for us to pause
And think of living as it was
Into the future we must cross, must cross
I'd like to go with you..."
Jorma Kaukonen: Genesis (1974)
Nicht nur aufgrund der zeitlichen Nähe ist man versucht, Parallelen zu Spike Jonzes Her zu ziehen: Auch hier ist die Prämisse eines perfekt funktionierenden "KI-Betriebssystems" höchst unrealistisch, doch während Jonze damit einfühlsam zwischenmenschliche Probleme im digitalen Zeitalter verhandelt, präsentiert Wally Pfister in Transcendence eine geradezu biblische Version des Themas Künstliche Intelligenz, deren Botschaft sich mir noch nicht ganz klar erschlossen hat.
"Time has come for us to pause
And think of living as it was
Into the future we must cross, must cross
I'd like to go with you..."
Jorma Kaukonen: Genesis (1974)
Labels:
Depp,
Kino,
Kritik,
Künstliche Intelligenz
Samstag, April 26, 2014
Die dunkle Seite des Kaleidoskops
Was hat Pink Floyds Dark Side of the Moon (1973) mit der Kurzgeschichte Kaleidoscope (1949) von Ray Bradbury zu tun? Erstaunlich viel, wie die musikalisch-visuell inszenierte Lesung To the Dark Side of the Moon des Schauspielers Daniel Rohr und des Komponisten Daniel Fueter eindrucksvoll zeigt. Kurzgeschichte und alle (!) Songs der legendären Pink Floyd-LP werden dabei so geschickt ineinander verwoben, dass man meinen könnte, sie hätten schon immer eine Einheit gebildet.
Daniel Rohr singt auch die Texte der Pink Floyd-Songs, begleitet von der Pianistin Eriko Kagawa und dem Galatea-Quartett, das auch perkussiv tätig wird. Kurzum: Ein bewegendes Bühnenerlebnis, das große existenzielle Fragen stellt: Welche Ängste quälen uns? Was ist der Unterschied von Leben und Tod? Wie sieht ein gelungenes Leben aus? Was unterschiedet Träume von Erinnerungen?
Daniel Rohr singt auch die Texte der Pink Floyd-Songs, begleitet von der Pianistin Eriko Kagawa und dem Galatea-Quartett, das auch perkussiv tätig wird. Kurzum: Ein bewegendes Bühnenerlebnis, das große existenzielle Fragen stellt: Welche Ängste quälen uns? Was ist der Unterschied von Leben und Tod? Wie sieht ein gelungenes Leben aus? Was unterschiedet Träume von Erinnerungen?
Dienstag, April 01, 2014
Her sehen!
Das simple Programm ELIZA sollte 1966 einen Psychotherapeuten simulieren und wurde von vielen Benutzern auf eine Weise für voll genommen, dass sich sein Programmierer Joseph Weizenbaum entsetzt zum engagierten Computerkritiker wandelte. Doch was ist das schon gegen das Operating System Samantha, in das sich der um seine gescheiterte Ehe trauernde Berufsbriefeschreiber Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) verliebt?
Wer die Prämisse schluckt, dass es in nicht allzu ferner Zukunft fehlerfreie Spracherkennung und ein quasimenschliches Betriebssystem gibt, der wird mit Her von Spike Jonze einen Film sehen, der weniger eine Auseinandersetzung mit der Frage nach Künstlicher Intelligenz ist, sondern wie ein Kaleidoskop die Irrungen und Wirrungen menschlicher Beziehungen im 21. Jahrhundert reflektiert. Jonze erzählt die Geschichte ebenso warmherzig wie humorvoll und gibt die Figuren nie der Lächerlichkeit preis. Verliebtsein, als gesellschaftlich sanktionierte Form des Wahnsinns, gewinnt in diesem Social Fiction-Film eine Qualität, die uns in Zeiten sozialer Netzwerke, Online-Datings etc. pp. nicht völlig fremd sein dürfte.
Die filmische KI hat sich gewissermaßen vom Heuristically programmed ALgorithmic computer (HAL, 1968) zum Heuristical Emotional opeRating system (HER, 2013) entwickelt. Mehr sei nicht verraten und der Film allen menschlichen Wesen - nicht nur solchen mit einer Schwäche für Betriebssysteme - sehr ans Herz gelegt.
Wer die Prämisse schluckt, dass es in nicht allzu ferner Zukunft fehlerfreie Spracherkennung und ein quasimenschliches Betriebssystem gibt, der wird mit Her von Spike Jonze einen Film sehen, der weniger eine Auseinandersetzung mit der Frage nach Künstlicher Intelligenz ist, sondern wie ein Kaleidoskop die Irrungen und Wirrungen menschlicher Beziehungen im 21. Jahrhundert reflektiert. Jonze erzählt die Geschichte ebenso warmherzig wie humorvoll und gibt die Figuren nie der Lächerlichkeit preis. Verliebtsein, als gesellschaftlich sanktionierte Form des Wahnsinns, gewinnt in diesem Social Fiction-Film eine Qualität, die uns in Zeiten sozialer Netzwerke, Online-Datings etc. pp. nicht völlig fremd sein dürfte.
Die filmische KI hat sich gewissermaßen vom Heuristically programmed ALgorithmic computer (HAL, 1968) zum Heuristical Emotional opeRating system (HER, 2013) entwickelt. Mehr sei nicht verraten und der Film allen menschlichen Wesen - nicht nur solchen mit einer Schwäche für Betriebssysteme - sehr ans Herz gelegt.
Labels:
Kino,
Kritik,
Künstliche Intelligenz,
Spike Jonze
Montag, März 03, 2014
Algol - Eine Tragödie der Macht
Das diesjährige Stummfilmfestival Karlsruhe wartet mit der Vorführung
eines lange Zeit als verschollen geglaubten Science Fiction-Stummfilm
auf: Algol - Eine Tragödie der Macht aus dem Jahr 1920 mit Emil Jannings
in der Hauptrolle. Dieser Film ist im Rahmen eines Filmkonzerts am 8. März 2014 um 20:30 Uhr im ZKM zu sehen. Der Film wird demnächst auf DVD
in der Edition Filmmuseum erscheinen und steht auch online zur Verfügung, allerdings ohne jedwede Musik:
Labels:
Ankündigung,
Festival,
Karlsruhe,
Kino,
Stummfilm
Samstag, Februar 22, 2014
Robocop NSA
Nach Total Recall erhält ein weiterer Science Fiction-Film von Paul Verhoeven ein Remake: Robocop. Die Neuverfilmung des brasilianischen Regisseurs José Padilha ist der unterhaltsame, aber nicht restlos überzeugende Versuch, die Geschichte des Cyborg-Polizisten mit einer Kritik an der NSA-Überwachung zu verkoppeln. Langweile kommt nicht auf und auch die satirischen Spitzen gegen Steve Jobs durch den brillant von Michael Keaton verkörperten Hightech-Tycoon Raymond Sellars amüsieren. Doch Robocop 2014 ist allzu sehr Hochglanzprodukt, dem es an der ätzenden Bösartigkeit von Verhoevens Original mangelt, die sich nicht zuletzt in den Nebenfiguren entfaltet: den rücksichtslos-karrieregeilen Yuppies, dem wahnsinnig-sadistischen Bösewicht Clarence J. Boddicker, aber auch den hartgesottenen Cops und Officer Anne Lewis (Nancy Allen), der starken Frau an Murphys Seite. Angesichts des heutigen Zustands von Detroit überzeugt das Zukunftsbild der Stadt im Jahr 2028, das sind nur noch 14 Jahre, überhaupt nicht. I won't buy that for a Dollar!
Sonntag, Januar 26, 2014
200
Die Entdeckung einer fast vollständigen Fassung von Fritz Langs legendärem Film Metropolis im Jahr 2008 in Buenos Aires war eine Sensation, die schließlich zu einer Rekonstruktion des originalen Film führte. SfSFF-Mitglied Edgar Lösel hat einen Aufenthalt in Buenos Aires dazu genutzt, an den Ort dieses Fundes zu pilgern. In der Straße José Aaron Salmún Feijóo 555 im Stadtteil Barracas lagerten damals die Filmbestände des Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken, in dessen ständiger Ausstellung eine der Filmdosen zu bewundern ist. Mit Fotos dieser filmhistorischen Exkursion auf der Südhalbkugel feiert das SfSFF seinen 200. Blog-Post.
Labels:
Buenos Aires,
Exkursion,
Fritz Lang,
Kino,
Metropolis
Dienstag, Januar 14, 2014
And the winner is...
Labels:
Alfonso Cuarón,
Golden Globe,
Kino,
Preis
Donnerstag, Dezember 05, 2013
Das Ende naht!
Aber kein Grund zur Sorge, ich rede schließlich nicht von einer Apokalypse, sondern nur vom nahenden Jahresende. In weiser Voraussicht gibt es daher wieder die Film-Liste der SfSFF-Sichttermine des Jahres 2013, das eher durchwachsen war, aber mit Gravity und The Congress zwei außergewöhnliche Meisterwerke zu bieten hatte.
Dienstag, November 05, 2013
Die unerträgliche Leichtigkeit im All
Gravity von Alfonso Cuarón ist eigentlich ein Film über die Schwerelosigkeit. Doch bei näherer Betrachtung wirbelt er die Konventionen der Science Fiction gründlich durcheinander und stellt sie dann vom Kopf auf die Füße. Ist das überhaupt ein Science Fiction-Film? Ja, die chinesische Raumstation ist schließlich Zukunftsmusik. Nein, denn die Ära des Space Shuttle ist Vergangenheit. Ein Space Shuttle mit Namen Explorer gibt es zwar, aber kein flugfähiges.
Spielt das eine Rolle angesichts dieses vom Plot her einfachen, aber visuell überwältigenden Films? Eigentlich nicht. Was eher zählt, ist dass dieses vermeintlich "ultrarealistische und metaphysikfreie" Weltraumabenteuer eines mit so vielen Science Fiction-Filmen teilt: die letzlich unrealistische Physik, die konsequent beachtet niemals eine solch spannende Geschichte zugelassen hätte. Und selbst mit seiner "realistischen" Inszenierung wird Gravity zu einer Meditation über unseren Platz im Weltraum. In einer der atemberaubendsten Einstellungen schwebt Astronautin Ryan Stone (Sandra Bullock) vor dem Band der Milchstraße. Eins wird klar: So faszinierend dieser Anblick auch sein mag, Heimatgefühle kommen dabei nicht auf. Dass die Anziehungskraft der Erde auf uns mehr bedeutet als nur bloße Schwerkraftwirkung, macht uns Cuarón dann am Filmende nachfühlbar klar. Ein Meisterwerk.
Spielt das eine Rolle angesichts dieses vom Plot her einfachen, aber visuell überwältigenden Films? Eigentlich nicht. Was eher zählt, ist dass dieses vermeintlich "ultrarealistische und metaphysikfreie" Weltraumabenteuer eines mit so vielen Science Fiction-Filmen teilt: die letzlich unrealistische Physik, die konsequent beachtet niemals eine solch spannende Geschichte zugelassen hätte. Und selbst mit seiner "realistischen" Inszenierung wird Gravity zu einer Meditation über unseren Platz im Weltraum. In einer der atemberaubendsten Einstellungen schwebt Astronautin Ryan Stone (Sandra Bullock) vor dem Band der Milchstraße. Eins wird klar: So faszinierend dieser Anblick auch sein mag, Heimatgefühle kommen dabei nicht auf. Dass die Anziehungskraft der Erde auf uns mehr bedeutet als nur bloße Schwerkraftwirkung, macht uns Cuarón dann am Filmende nachfühlbar klar. Ein Meisterwerk.
Labels:
Alfonso Cuarón,
Kino,
Kritik,
Sandra Bullock
Abonnieren
Posts (Atom)







