Sonntag, Februar 10, 2013

Haus der Zukunft

Aus allen Winkeln der Galaxis kommen Besucher zur Ausstellung Science Fiction in Deutschland im Bonner Haus der Geschichte. Da durften die Mitglieder des SfSFF natürlich nicht fehlen. Die Ausstellung entpuppte sich als viel reichhaltiger als es der zur Verfügung stehende Raum erwarten ließ. Die Exponate sind nicht zuletzt dank gut bestückter Multimedia-Stationen stets sinnvoll in den jeweiligen Zeitkontext eingebunden und überspannen den weiten Zeitraum von Laßwitz bis zu den Fernsehversionen der Abenteuer Ijon Tichys. Die aussgestellten Dokumente (Drehbücher, Briefe etc.) laden zum Schmökern ein und sind stets klug ausgewählt. Kurzum: eine ebenso kurzweilige wie tiefgründige Geschichte der Zukunft in Deutschland! Also nix wie hin! Die Ausstellung ist glücklicherweise bis zum 1. April 2013 verlängert worden.

Dienstag, Januar 01, 2013

2013 - das Jahr des Briefträgers?

2013, das Jahr in dem der Science Fiction-Film The Postman von Kevin Costner spielt. Ein edler Briefträger durchstreift die zerstörte Landschaft nach einer nuklearen Apokalypse, um weiterhin unbeirrt seinen Dienst zu verrichten. Doch wie sieht die profane Wirklichkeit aus? Wir müssen uns damit abfinden, dass der Standardbrief im Inland 3 Cent teurer wird, während in den USA Präsident Obama nicht gegen die nukleare, sondern gegen die finanzielle Apokalypse kämpft. Soviel zum Thema prophetische Science Fiction...

Dessen ungeachtet wünscht das SfSFF allen Freundinnen und Freunden ein 2013 wie noch nie, das sich gewaschen hat, sich ordentlich zu benehmen weiß und sich sowieso nur von seiner besten Seite zeigen wird!

Nachdem das Jahr mit den Filmen Dredd und Argo endete, wobei letzterer einen überaus erstaunlichen Science Fiction-Bezug hat, bereitet sich das SfSFF-Kollegium auf den Besuch der Ausstellung Science Fiction in Deutschland im Bonner Haus der Geschichte vor.

Was erwartet uns filmisch 2013? Z. B. einen kahlköpfigen Matt Damon in Elysium.

P.S. Aus welchem Film ist das obige, leicht modifizierte Bild? Nein, nicht aus The Postman.

Freitag, November 30, 2012

In den Wolken lesen

Wunder müssen in der Ferne gesehen werden,
wenn man sie für wahr, so wie Wolken,
wenn man sie für feste Körper halten soll.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Epischer Mummenschanz? Überwältigungskino? Genre-Sampler? Episodenfilm über Jahrhunderte hinweg? Wolkiges Mysterienspiel? Humanitäre Heldensaga? Eins ist sicher, die Tykwer-Wachowski-Verfilmung des Romans Cloud Atlas von David Mitchell ist nicht leicht auf einen Nenner zu bringen und alles andere als klein oder unambitioniert.

Das Kollegium des SfSFF, samt Gästen, war sich einig, dass dieser Film unterhaltsam, bewegend, überwältigend, spannend und stellenweise sogar höchst komisch war. Allen in der Zeit verschlungenen Handlungsstränge und film- wie maskentechnischen Meisterstücken zum Trotz, scheint dieser Film mit seinem überzeugendem Schauspieler-Ensemble geradezu altmodischen Kinozauber zu entfalten.

Die Botschaft mag allzu vordergründig sein, doch haben wir es hier nicht mit einem pseudophilosophischen Wolkenkuckucksheim wie bei den letzten beiden Matrix-Teilen zu tun, sondern mit großem Kino, das nicht zuletzt den Freunden des Science Fiction-Genres faszinierende (und furchterregende) Blicke in die Zukunft bietet.

Mittwoch, November 21, 2012

Der letzte Gang des Stalkers

Das SfSFF trauert um einen der ganz großen Autoren der wissenschaftlichen Phantastik. 21 Jahre nach seinem Bruder Arkadi verstarb nun auch Boris Strugatzki, im Alter von 79 Jahren. Die beiden Brüder werden als prägendes Autoren-Duo der Science Fiction mit ihrem Werk in Erinnerung bleiben und haben auch im Genre des Science Fiction-Film ihre eindrucksvollen Spuren hinterlassen: Andreij Tarkowskis Stalker und Aleksandr Sokurovs Tage der Finsternis basieren auf literarischen Vorlagen bzw. Drehbuch. P.S.

Freitag, November 02, 2012

Robot & Frank & Eva

Roboter und Androiden gehören mittlerweile fast schon zum altmodischen Inventar des Science Fiction-Films. Die beiden Filme Eva und Robot and Frank nehmen sich dabei aus wie die leisen Alternativen zu solch krachigen Blockbustern wie A.I. oder I, Robot. Vermögen die beiden aktuellen Filme - Eva war in Deutschland nur im Rahmen des diesjährigen Fantasy Film Festivals zu sehen - dem Thema Künstliche Intelligenz neue Facetten abzuringen? Das vielleicht nicht unbedingt, aber beiden Filmen gelingt es, die Thematik auf originelle Weise in einen intimen Handlungsrahmen einzuweben.

Robot and Frank spielt in "naher Zukunft", verbindet die Robotik mit der Problematik des Alterns und entfaltet dabei eine angenehm behutsame Komik. Der spanische Film Eva entwirft eine Welt im Jahr 2041, in der die Robotik so weit gediehen ist, dass sich die Androiden kaum noch von Menschen unterscheiden. Hier ist die K.I. Teil einer tragischen Dreiecksgeschichte. Wer Action sucht, den werden diese beiden Filmen enttäuschen. Wer aber bereit ist, sich auf einen ruhigen Erzählfluss einzulassen, dürfte sich über die Abwechslung zum effekthascherischen Hollywood-Kino freuen.

Dienstag, September 25, 2012

Total Decal

Ist es ein Remake, ist es ein Update oder ein hochpolierter Abklatsch? Die Neuauflage von Paul Verhoevens Verfilmung von Philip K Dicks Kurzgeschichte We Can Remember It For You Wholesale besticht mit Schauwerten, insbsondere dem zukünftigen London, die Themse-Metropole wirkt wie mit einer Blade Runner-Architektur überwuchert. Der Mars ist in Len Wisemans Neuauflage nur ein toter, unbewohnter Planet. Stattdessen saust ein riesiger Aufzug durch die Erde hindurch bis nach Australien, das wie Großbritannien den Dritten Weltkrieg überstanden hat. Doch die Schauwerte trösten nicht darüber hinweg, dass die Geschichte an Komplexität verloren hat. Die verwirrten Wirklichkeiten von Quaid/Hauser verkommen gänzlich geerdet zu einer Realitäts-Matrjoschka.

Ohne die Mars-Exotik ergeht sich die Geschichte allzu sehr in Balkon-Springereien, futuristischen, aber nicht minder banalen "Auto"-Verfolgunsgjagden und einem ausgedehnten Zickenkrieg, ausgelöst durch die wild um sich herumballernde Lori Quaid (Kate Beckinsale). Hier vermisst man die von Sharon Stone so sexy zur Schau gestellte Durchtriebenheit und die von Michael Ironside so überzeugend verkörperte rücksichtslose Bösartigkeit. Farrell macht seine Sache ganz ordentlich, spielt den Kontrast zwischen Quaid und Hauser aber nie so gut aus wie Arnold Schwarzenegger. Die neu konzipierte Cohaagen-Verschwörung bleibt lahm. Trotz diverser Geschmacklosigkeiten ziehe ich Verhoevens Verfilmung, die noch ohne jedwede Computeranimation auskommt, dem Remake vor.

Montag, August 27, 2012

Source Recall

Heute werden die Mitglieder des SfSFF das Remake der ersten Verfilmung der Kurzgeschichte We Can Remember It For You Wholesale (1966) von Philip K. Dick begutachten. Das Plakat lässt zumindest den Hauch eines Zweifels daran aufkommen, ob nicht vielleicht ein anderer Film neu verfilmt wurde.

Montag, August 20, 2012

R.I.P. Tony Scott

Das SfSFF trauert um den Regisseur Tony Scott, der sich am 19. August 2012 das Leben nahm. Der jüngere Bruder von Ridley Scott machte sich mit rasanten Action-Filmen wie Top Gun, Crimson Tide und dem Science Fiction-Thriller Deja Vu einen Namen.

Außerdem trauern wir um den Special Effects-Spezialisten Carlo Rambaldi, dem wir die Modelle des Aliens und E.T. zu verdanken haben, sowie den Science Fiction-Schriftsteller und -Herausgeber Harry Harrison, der die Roman-Vorlage zum Film Solyent Green schrieb.

Montag, August 13, 2012

Entdecke die Möglichkeiten!

Meine geschätzte Kollegin Kati Taramtam liefert mit dem Titel dieses Posts eine mehr als treffende Einschätzung des neuen Films von Ridley Scott. Es ist ein bisschen so, als ob man ein Buch über Siebzigerjahre-Designermöbel erwartet und merken muss, dass man stattdessen einen IKEA-Katalog bekommen hat. Zunächst enthält Prometheus die "Geschüttelt, nicht gerührt"-Elemente der Alien-Saga: ein Android, dem der Kopf abgerissen wird, Gender- und Eltern/Kind-Problematik (mit religösen Implikationen zum Verhältnis Schöpfer und Geschöpf), die tragende Rolle des industriell-militärischen Komplexes (in origineller Ausprägung) und Ansichten eines altbekannten Raumschiffs etc. Statt eines Handlungsstranges werden Plot-Elemente geliefert, die man als Zuschauer selbst zusammenbauen darf. Die Schwierigkeit dabei: Der Bausatz ist nicht komplett, es fehlen tragende Elemente und durch das eine oder andere Logikloch gehen einige der Holzdübel und Schrauben, welche die Geschichte zusammenhalten könnten, verloren.

Gewiss, der Film bietet eine teilweise überwältigende Optik, eine Menge Denkanstöße, aber leider eine zumeist "unterwältigende" Protagonistenschar, die sich verhält als hätte man es hier mit "Fünf Freunde und die Dunklen Zeichen" zu tun. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der ganzen Handlung. Auch Alien hat Handlungslöcher, durch die der Wind pfeift, aber Setting und handelnde Personen sind so stimmig, der Spannungsaufbau so folgerichtig, dass dies nicht stört. Bei Prometheus wird man dagegen mit einer Entdecker-Naivität konfrontiert, die bei Jules Verne altmodischen Charme entfaltet, bei Ridley Scott jedoch einfach nur unnötig doof wirkt.

P.S. Wer wissen möchte, warum Peter O'Toole seine Schauspielerkarriere beendet hat, erhält in Prometheus eine Antwort.

Samstag, August 04, 2012

50/6/2001

Das British Film Institute hat kürzlich die Liste der nach Kritikermeinung 50 Greatest Films of All Times veröffentlicht. Man mag über Sinn und Unsinn solcher Listen streiten, aber für das SfSFF ist es natürlich von Interesse, welche Science Fiction-Filme sich in dieser Liste finden:

Platz 6: 2001: A Space Odyssey (Stanley Kubrick)

Platz 29: Stalker (Andrei Tarkovsky)

Platz 35: Metropolis (Fritz Lang)

In der Liste der Directors' Top Ten landet Kubricks 2001 übrigens auf Platz 2, gleichauf mit Citizen Kane von Orson Welles.

Stalker ist sicherlich kaum noch als Science Fiction-Film anzusehen, Metropolis hat vor allem die bombastische Ästhetik vieler moderner Science Fiction-Filme nachhaltig geprägt und 2001 dürfte sicherlich für lange, wenn vielleicht auch nicht für alle Zeiten, zu recht als der großartigste Science Fiction-Film gelten, nicht zuletzt dank HAL, der sich so auf eine Weise in den Dienst der Mission gestellt hat, die sicherlich auch Kubricks fanatischer Hingabe für das Filmdrehen entsprach: I am putting myself to the fullest possible use, which is all I think that any conscious entity can ever hope to do.