Samstag, Januar 17, 2015

Ein Rückblick aus dem Jahre 2015 auf 2014

Auch wenn es technische Kalamitäten derzeit nicht zulassen, den gewohnten Jahresrückblick der Aktivitäten des SfSFF in einer Amazon-Liste abzubilden, möchte ich auf diese Rückschau unseres umtriebigen Seminars nicht verzichten. Als Sichttermine sind (mit verstärktem Kollegium, herzlich willkommen an Bord Lt. Esmeralda Beate Skiwskibowski!) zu verbuchen:

Zero Theorem
Outer Space (Ausstellung)
I Origin
Eine äußerst abwechslungsreiche Mischung, die von Remakes, auf die keiner gewartet hat, über kompetentes Popcorn-Kino bis hin zu cineastischen Meisterstücken reicht. Und sogar zwei beeindruckende Trips ins Weltall sind im Programm enthalten, einmal theatralisch und einmal museal. Die allgegenwärtigen Mühen und Lasten des Alltags haben zum Ende des Jahres 2014 hin einige Lücken bei der Aufarbeitung der Sichttermine gelassen, die in nächster Zeit gestopft werden sollen. Möge 2015 trotz des traurigen Beginns ein zukunftsträchtiges werden!

Dienstag, Januar 06, 2015

Das Wurmloch im Bücherregal


Interstellar von Christopher Nolan war als Science Fiction-Film mit fast schon dokumentarischen Qualitäten angekündigt: Schwarze Löcher und Reisen durch Wurmlöcher sollten dort auf wissenschaftlich korrekt zu sehen sein. Die Vorschusslorbeeren verleiteten die Medien nach Filmstart dazu, sich hauptsächlich damit zu beschäftigen, ob der Film nicht doch einfach nur unrealistisch sei, was bis zum (ziemlich überheblichen) Nolan-Bashing führte.

Wurmlöcher, durch die man wahnwitzige Entfernungen in Nullkommanichts überbrücken kann, sind aber nur eine mathematische Denkmöglichkeit. Zwar kann man sich überlegen, wie die Raumzeit für eine solche kosmische Abkürzung zurechtgebogen werden müsste, doch die Sache hat einen Haken: Man benötigt dafür eine „negative Energie“, und die gibt es nun mal nicht. Zum Glück lässt sich im Film die Raumzeit mit einer anderen Kraft beliebig krümmen und verzerren: der Fantasie. Die nutzt Regisseur Christopher Nolan, um Menschen in gar nicht so ferner Zukunft in eine andere Galaxie zu senden. Dort sollen sie nach Alternativen für die vom Untergang bedrohte Erde suchen.

Interstellar verneigt sich mehrfach vor 2001: ASpace Odyssey. Doch während Kubrick (und Clarke) die Zuschauer mit einem kosmischen Mysterium konfrontieren wollten, nutzt Nolan die seltsamen physikalischen Aspekte von Zeit und Gravitation, um einen außergewöhnlichen Dialog der Generationen zu etablieren. Daher ist Interstellar alles nur keine physikalische Dokumentation. Der Film funktioniert als Meditation über unsere Heimat Erde und als Geschichte von Verantwortung und Liebe sowie – und das ist vielleicht das Ungwöhnlichste – als eine Art „physikalische Geistergeschichte“.

Es sei dahin gestellt, ob man um Christopher Nolan einen Kult basteln muss wie bei Kubrick, aber um es kurz zu machen: Selbst wenn in Interstellar einiges überambitioniert oder forciert wirkt, fesselt der Film, wenn man zur Suspension of Disbelief bereit ist.

Donnerstag, November 06, 2014

Per Mixtape durch die Galaxis

Guardians of the Galaxy ist die Filmversion eines hierzulande wohl eher unbekannten Marvel-Helden- bzw. besser Anti-Helden-Teams. Alles ist abgespaced, knallbunt, cool und schert sich nicht sonderlich um eine stringente Story. Die fünf "Guardians" mit all ihren Sprüchen, flapsigen Dialogen, Zankereien und Schrullen sind die Geschichte, und das vor einer galaktischen Kulisse, die jeder Space Opera zur Ehre gereicht, 3D wirklich verdient hat und die Welt des Wüstenplaneten wie ein Katzenklo aussehen lässt.

Die Message? Wenn Du schon gezwungen bist, die Galaxis zu retten, dann hab wenigstens Spaß dabei und hör coole Mucke. Erstaunlicherweise findet sich die auf dem Mixtape, das Peter Quill a.k.a. Star-Lord einst auf der Erde von seiner Mutter bekommen hat, bevor es ihn in die Weiten des Alls verschlug. Und genau so funktioniert der Film: Er ist wie ein überdrehtes Mixtape aus Fünf Freunde und das mysteriöse ArtefaktAuf dem galaktischen Highway ist die Hölle los und Star Wars - Die Rückkehr der Party-Ritter. Und das lässt sich durchaus vergnüglich anhören und -sehen. Ach ja: I am Groot.

Mittwoch, Oktober 08, 2014

I Alm Legend

Dank arte bestand (und online noch bis 13.10.14) die Gelegenheit Julian Pölslers ersten Kinofilm Die Wand wenigstens im Fernsehen zu sehen, wenn man ihn im Kino verpasst hat. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963 wird die Geschichte einer Frau erzählt, die sich in den Alpen plötzlich durch eine unsichtbare Barriere von der Außenwelt isoliert sieht. Sie fügt sich in ihr Schicksal und schlägt sich in Gemeinschaft mit einem Hund, einer Katze und einer Kuh mit Landwirtschaft und Jagd durch, wobei sie von Zeit zu Zeit ihre Gedanken über ihre isolierte Lage schriftlich niederlegt bis alles vorhandene Papier aufgebraucht ist.

Würde sich die Hauptperson der Geschichte, eindringlich von Martina Gedeck gespielt, darum bemühen, nach dem Grund für die Barriere zu forschen oder eine Möglichkeit zum Ausbruch zu finden, wäre Die Wand ein veritabler Science Fiction-Film - man denke an Stephen Kings Under the Dome (2009) und auch an Fredric Browns Kurzgeschichte Arena (1944). Doch ohne den Versuch einer rationalen Erklärung bleibt die Isolierung der Frau eine unheimliche existenzielle Extremsituation, die in der oft idyllischen Berglandschaft umso unheimlicher und beängstigender wirkt. Hat man es mit einer Metapher für einen psychologischen Extremzustand zu tun, mit einer One-Woman-Utopie, einem feministischen Statement? ... Für mich bleiben nach dem wirklich quälend fesselnden Film mehr Fragen als Antworten.

Dienstag, September 02, 2014

Under the Brain

Scarlett Johansson ist Science Fiction-Fans im Film Die Insel begegnet, und auch als schlagkräftige Superheldin war sie (in Avengers) zu bewundern. Dass Sie aber nun in kurzem Abstand Anlass für zwei Sichttermine des SfSFF war, ist dann doch erstaunlich, zumal die beiden Filme Lucy von Luc Besson und Under the Skin von Jonathan Glazer nicht unterschiedlicher sein könnten.

Besson schickt Scarlett als "Lucy, der Schrecken der Hirnforschung" auf einen Trip, der als Drogenthriller beginnt und als Intelligenzmonster-Zeitreise-Schöpfungsgeschichte endet. Ausgangspunkt ist die Behauptung Wir nutzen nur 10 Prozent unseres geistigen Potentials, das man von Scientology-Anzeigen kennt. Eine neuartige Droge verschafft Lucy nach und nach den Zugang zu 100 Prozent ihres geistigen Potentials, mit dem sie schließlich Raum und Zeit völlig aushebelt und sich zudem in eine neue Existenzform umwandelt. Dabei büßt sie ihr apartes Äußere und der Film seine wissenschaftliche Plausibilität ein. Da nützt es auch nicht, wenn sich Morgan Freeman noch so professoral gibt. Bessons Film ist kurzweilig inszeniert und gleichzeitig ein besonders krauses Garn, das Anklänge an Transcendence und offensichtliche Anspielungen an Kubricks 2001 bietet.

Under the Skin hält sich dagegen nicht mit Erklärungen auf. Warum Scarlett Johannson durch Schottland fährt, geht, läuft, stöckelt, stolpert, fällt, rennt bleibt bis zum Schluss mysteriös. Warum sie alleinstehende Männer aufgabelt und was sie mit ihnen macht auch. Jonathan Glazer mystisch-mysteriöses Kunstkino kommt mit sehr wenig Dialog aus, die extraterrestrische Enthüllung (im wahrsten Sinne des Wortes) kommt erst zum Schluss. Der Film lässt einen ratlos, aber nicht unbeeindruckt zurück und ist am ehesten noch vergleichbar mit The Man Who Fell to Earth von Nicholas Roeg.

Dienstag, August 19, 2014

Die Affen rasen durch die Stadt...


... und machen dort die Menschen platt. Wer hat Waffen und Munition geklaut? ... So könnte man den neuen Film der Planet der Affen-Reihe grob zusammenfassen. Planet der Affen: Revolution lässt die sich auf dem absteigenden Ast befindliche Rest-Menschenheit und die aufsteigende Affen-Zivilisation erst im Guten und dann im Kampf aufeinanderprallen. Die (sehr zeitgemäße) Energie-Frage bietet das Stroh, der Zündfunken kommt vom rachsüchtigen "Brutus" Koba, einst loyaler Gefährte des zum Führer der Affen erkorenen Caesar, der als erster Affe in Planet der Affen: Prevolution dank eines Alzheimer-Medikaments zu Intelligenz gekommen ist. 

Das wird alles etwas langatmig erzählt (eine halbe Stunde weniger hätte es auch getan), die Dialoge zwischen Mensch und Affe bleiben arg einsilbig (Caesars Credo "Zuhause. Familie. Zukunft." gemahnt gar an ein CSU-Wahlplakat) und die Geschichte kann kein befriedigendes Ende haben. Den Anschluss zum allerersten Planet der Affen-Film mit Charlton Heston muss der dritte Film der Prequel-Reihe leisten. Was vom Autor Pierre Boulle als Satire à la Gullivers Reisen angelegt war, bedarf eigentlich keiner Erklär-Film-Trilogie. Das Korsett einer Sequel-Reihe verhindert auch, dass die eigentlich spannende Prämisse der Filme - neben dem Menschen entwickelt sich eine zweite intelligente Kultur - auf originelle Weise ausgereizt wird.

Aber: Während die menschlichen Charaktere erschreckend hölzern und bodenständig (im wahren Sinne des Wortes) bleiben, haben die Affen, zum einen Teil von Schauspielern verkörpert und zum anderen Teil mit Computerhilfe erzeugt, eine so unglaubliche Präsenz und überzeugende Lebendigkeit, dass man sich ihren halsbrecherischen Sprüngen durch die Baumwipfel am liebsten anschließen möchte. Allein diese filmtechnische Meisterschaft lohnt den Kinobesuch und macht dann doch neugierig auf den dritten Teil.

Sonntag, Juli 27, 2014

Studis hört das Signal

Kleines Budget, originelle Idee, diese Formel kann aufgehen, wie Duncan Jones mit seinem Erstlingswerk Moon bewiesen hat. Der junge Regisseur William Eubank (Jahrgang 1982) hat nun nach Love, der dem SfSFF bislang entgangen ist, mit The Signal seinen zweiten Film vorgelegt, der mit bescheidenen vier Millionen Dollar auskommt.

Das Ergebnis ist ein Film, der als Road-Movie beginnt und mit einer Enthüllung von kosmischem Ausmaß endet. Dabei fühlt man sich an Cube und Dark City erinnert und teilweise auch an The Andromeda Strain und The Blair Witch Project. Drei Studis finden sich nach der Verfolgung eines vermeintlichen Hackers in einer unterirdischen Forschungsstation wieder, wo ihnen der noch viel vermeintlichere Regierungsbeamte Damon (Laurence Fishburn) hochnotpeinliche Fragen stellt.

Eubank beweist ein Gespür für das Science Fiction-Genre, erzeugt Spannung und Atmosphäre, aber die Brüche im Plot führen nicht nur dazu, dass die Protagonisten ratlos bleiben, sondern auch das Kinopublikum. Große Fragezeichen müssen kein Nachteil sein, wie Kubricks 2001 eindrucksvoll bewiesen hat. Bei The Signal lässt sich am Schluss zumindest ahnen, welches Spiel Damon mit den Studis getrieben hat, aber es bleibt der Eindruck, dass der Regisseur es auf die Zuschauer abwälzt, die Lücken im Drehbuch zu fülllen. Sind wir am Ende nur das Versuchsobjekt von Eubank?

Donnerstag, Juni 19, 2014

Ätsch of Tomorrow


Der Plot ist kurz erklärt: Außerirdische greifen in naher Zukunft die Erde an, weil sie etwas von uns haben wollen. Was? - Das wissen die Aliens vermutlich selbst nicht. Doch sie gehen dabei äußerst intelligent vor, denn sie besetzen zuerst Europa und nicht die USA. Vielleicht, weil der durchschnittliche Europäer wohl weit weniger bewaffnet ist als der normale US-Amerikaner und beide aber auch in jedem Fall schlechter, als die zentralgesteuerten Tentakelroboter aus dem All, die den Schauspielern im Film das Leben zur Hölle machen.

Infolge dessen verfügt das US-Amerikanische Militär mit Großbritannien zusammen eine Invasion, die wohl nicht von ungefähr an den D-day vor 70 Jahren erinnert und zu einer Neuauflage der Schlacht in der Normandie führt. Die Alien-Tentakelroboter, die am dortigen Strand von der Menschheit zurück geschlagen werden sollen, sind dabei alles andere als stressfrei und irgendwie schon fast unangenehm.

In der Story soll Major Bill Cage (Tom Cruise) den Invasoren entgegentreten, um diese zu stoppen, obwohl er das eigentlich gar nicht will. Herr Thomas Kruse beginnt dabei zunächst als ein feiger Antiheld – ganz anders als in Oblivion – und kommt als unbeholfener Drückeberger oft zu Tode, und das aufgrund einer erstaunlichen Gabe, immer und immer wieder, wobei er bei dem Versuch zu desertieren auch mal von einem Lastwagen überfahren wird.

Aber dank der lebenden Legende Rita Vrataski (Emily Blunt), die mit einer ziemlich fetten Klinge Jeanne d’Arc den Rang abläuft (oder besser abschlägt), kann er sich in einer nicht enden wollenden Endlosschleife im Nahkampftraining zum Berserker mausern, und sich dabei Fähigkeiten aneignen, die ihn dann doch zum heldenhaften Kämpfer werden lassen. Er hat dafür aber auch beliebig viele Versuche und außerdem auch noch eine knallharte Lehrerin.

Emily Blunt spielt ihre Rolle in diesem nicht enden wollenden Memory-Spiel so gnadenlos gut, dass sie es sich erlauben kann sexy auszusehen ohne dabei auch nur von jemandem angesprochen zu werden. Und wenn doch, knallt sie ihren Filmpartner auch gerne mal ab wie ein lahmendes Pferd. Er kommt ja bald wieder. - Denn täglich grüßt das Sturmgewehr!

Nach vielen Toden unter Kampfkameraden, spielt der in echt etwas zu klein geratene Tom Cruise seine Rolle aber ganz groß und mit Humor. Das Finale führt ihn schließlich in die Alien-Zentrale im Pariser Louvre. Wo auch sonst? – C`est la vie, extraterrestre.

Sonntag, Juni 15, 2014

Real Humans 2.0

Die schwedische Science Fiction-Serie Real Humans ist ils "Kommissarin Lund trifft Blade Runner" charakterisiert worden. Das ist mehr als treffend, denn in ihren mittlerweile zwei Staffeln à zehn Folgen haben es die Macher der Serie verstanden, das Thema "künstliche Menschen" im Rahmen einer schwedischen Krimiserie zu behandeln, ohne an inhaltlicher Tiefe zu verlieren.

Vielmehr fächert Real Humans die Palette der Androiden-Problematik viel weiter auf als das ein Kino-Film kann. Egal ob praktisch-technische, zwischenmenschliche, sexuelle, rechtliche, politische, moralische oder religiöse Aspekte, Akta Manniskor lässt nichts aus und bietet reichlich Gedankenfutter. Dabei verzichtet die Serie auf gängige Hollywood-Action, erzeugt aber durch Atmosphäre und gekonnt entworfene Handlungsstränge wirkungsvolle Spannung.

Das SfSFF freut sich auf die dritte Staffel und empfiehlt das Interview mit Drehbuchautor Lars Lundström. Und: Wie wäre es mit einem eigenen Klon?

Montag, Juni 02, 2014

Gutzilla?



Dass Godzilla nach dem eher verunglückten Film von Roland Emmerich noch einmal eine Chance in Hollywood erhalten würde, das hat wohl niemand so recht erwartet. Ausgerechnet Gareth Edwards, der mit seinem erstaunlich ruhig inszenierten Film Monsters debütierte, wurde mit der Aufgabe betraut, den in die Jahre gekommenen Dinosaurier des Monsterkinos wiederzubeleben.

Godzilla ist seit 1954 enorm gewachsen und tritt im neuen Film gleich mehrfach ambivalent auf: Mit jedem Schritt zerstört er etwas, aber indem er das Liebesspiel der MUTOs (Massive Unidentified Terrestrial Organisms) mit seiner ihm ureigenen kraftvollen Rhetorik stört, wird er zur Macht, welche das Ungleichgewicht der Natur wieder ins Lot bringt. Die zweite Ambivalenz ist visuell: Zur Gänze computeranimiert erweckt der neue Godzilla erstaunlicherweise den Eindruck, es könnte sich doch um einen Menschen im Echsenkostüm handeln - eine bewußte Verneigung vor den wackeren Männern im Godzilla-Kostüm, allen voran Haruo Nakajima, die eine wahrhaft schweißtreibende Leistung vollbracht haben?

Aber für was steht diese ganze Monsterparade? Haben wir es hier mit einem Blockbuster-Diskurs zur Problematik der Endlagerung nuklearer Abfälle zu tun? Ist es gar eine Dreiecks-Geschichte im Monsterformat, quasi eine schauspielerisch überzeugendere Version von Pearl Harbor? Vermutlich nichts von alledem: Godzilla steht in diesem Film höchst überzeugend für sich selbst - etwas, dass er sich in seiner sechzig Jahre währenden Karriere verdient hat. Und: Mit der "Halo Jump"-Sequenz hat Gareth Edwards ein Moment von fast schon kubrickscher Intensität geschaffen.