Sonntag, März 31, 2019

Willst du zuviel, nimm Vril!

Iron Sky war sicherlich eine Überraschung: Komische Science Fiction, die Nazi-Spuk und groteske Verschwörungstheorien mit durchaus treffenden Satirespitzen gegen gegenwärtige politische Zustände zusammenbringt, finanziert über Crowdfunding und finnische, australische und hessische Geldgeber, das hatte es so noch nicht gegeben. Die visuellen Schauwerte bei kleinem Budget ließen gnädig über etwaige dramaturgische Defizite hinwegschauen., und Udo Kier als Wolfgang Kortzfleisch war allemal das Eintrittsgeld wert.

Der unerwartete Erfolg ließ ein Sequel unvermeidlich erscheinen. Leider haben sich die Macher im Universum der Versatzstücke völlig verlaufen und dabei ständig auf konfuse Art die Tonlagen gewechselt: platter Slapstick, epigonal-pythoneske Passagen, Anleihen aus der utopischen Literatur des 19. Jahrhunderts (allen voran das filmuntertitelgebende The Coming Race von Edward Bulwer-Lytton) versetzt mit Verschwörungstheorien sowie diesmal reichlich aufgesetzter Zeitgeistkritik. Unabhängig davon, ob das trashige Durcheinander gewollt war oder nicht, kommt der Film einfach nicht in Fahrt und verheddert sich letztlich im Zuvril (sic) der Zutaten. Daran kann auch die sympathisch taffe Obi Washington nichts ändern. Ihr Vorname entfaltet beim Gedanken an Bauhaus und Bauhaus allerdings schon eine gewisse Komik.

Montag, März 25, 2019

Große Augen machen

Alita: Battle Angel kommt daher wie eine Mischung aus Ready Player One und Ghost in the Shell, ein aufwändiges Spektakel mit vielen Versatzstücken von Metropolis bis Rollerball, die aber mit Bedacht in einem keinesfalls seelenlosen Film verbaut sind. Das Ganze krankt nur ein wenig daran, dass die Handlung mit zu vielen Showdowns aufwartet und viels wegen des unweigerlich zu erwartenden Sequel unaufgelöst bleibt.

In Unkenntnis des zugrundeliegenden Mangas ergibt so manches im Film keinen rechten Sinn. Die Geschichte der Zukunftswelt, in der Dr. Dyson Ido die Überreste von Alita findet, bleibt in vieler Hinsicht rätselhaft. Was passierte beim "Fall"? Wer lebt in der schwebenden Stadt? In welcher Beziehung stehen die Bewohner der Unter- zu denen der Oberstadt? Wieso kämpfte Alita auf dem Mond? Und warum muss ein Kampfandroide ein feingliedriges Mädchen mit übergroßen Augen sein?

Das alles wird sich vermutlich erst im Sequel (oder den Sequels?) zeigen, dem (oder denen) man eine Chance geben sollte. Alita ist schon eine starke Figur (ähnlich etwa Leeloo in The Fifth Element), und Christoph Waltz weiß in seiner Rolle, wo der Hammer hängt. Oder ist Dr. Ido am Ende Walter Keane?

Stückwerk

The Lego Movie 2 ist durchaus das erwartete zweite kunterbunte Stückwerk, das der erste Film erwarten ließ. Doch diesmal geht der Bauplan nicht so fröhlich auf. LEGO und das deutlich grobnoppigere DUPLO vertragen sich nicht so recht. Rettung gilt es im Weltraum zu suchen. Doch die erhoffte gehörige Portion Science Fiction stellt sich dabei genau so wenig ein wie die anarchische Unbekümmertheit (oder unbekümmerte anarchie?) des ersten Teils. Darüber kann auch die Reprise des unkaputtbaren Ohrwurms Hier ist alles super (Everything is aweseome) nicht hinwegtäuschen. Doch der zweite Lego-Film ist allemal ein besseres Antidot gegen trübe Winterstimmung als Transformers. Und nicht vergessen: They come in pieces!

Sonntag, Februar 10, 2019

Zimmer frei

In My Room von Ulrich Köhler ist ein deutscher Endzeitfilm mit dem klassischen "Last Man on Earth"-Motiv, der erkundet, was in der Hauptperson Armin steckt ... oder eben auch nicht. Köhler inszeniert Armins vorapokalyptisches Leben in einer unbarmherzigen glanzlosen Realitätsnähe und zeigt, wie lakonisch er das Verschwinden der anderen Menschen zur Kenntnis nimmt. Er nutzt die Gelegenheit, um sein bisheriges Leben zurückzulassen, trifft auf die letzte Frau auf Erden und wird damit konfrontiert, dass er den Ballast seiner Persönlichkeit nach wie vor mit sich umherträgt. In My Room wirkt so wie eine Ziviliationskritik, die auf den Gefühlshaushalt des Individuums abzielt. Armins kernige Doofheit, die Hans Löw bravourös verkörpert, regt einen geradezu auf, und die Vertreibung ins Paradies lässt einen nicht kalt.

Samstag, Dezember 29, 2018

2018 and beyond the infinite

2018 trafen die unerschrockenen Mitglieder des SfSFF auf solide Franchise-Kost (Solo: A Star Wars Story) und strunzdumme Sequels (Predator – Upgrade, Pacific Rim 2), aber auch auf innovative Filmkunst (A Quiet Place, Isles of Dogs) und fantasievolles Science-Fiction-Theater (WIR, X). Und 2018 war auch davon geprägt, einem unzerstörbaren Monolithen der Filmgeschichte Reverenz zu erweisen: 2001: A Space Odyssey! Einige Missionen wurden furchtlos allein unternommen, andere konnten mit fast kompletter Mann- und Frauschaftsstärke aufwarten. Das alles macht klar: Die Reise des SfSFF geht auch 2019 weiter!

Montag, Dezember 10, 2018

Small Steps

Wer bei Damien Chazelles First Man eine explosive Heldensaga der Apollo-11-Mission erwartet hat, wird sicher enttäuscht und womöglich sogar gelangweilt das Kino verlassen haben. Weite Teile des Films zeigen ein eher nüchternes Zeitpanorama der USA in den Sechzigerjahren mit einem gefühlsreduziert von Ryan Gosling dargestellten Neil Armstrong. Dieses Panorama wird allerdings von meisterhaften Weltraum-Sequenzen unterbrochen, die den Zuschauer wirklich an einem X-15-Flug oder an Gemini 8 und Apollo 11 telhaben lassen.

Doch trotz dieser packenden Action macht Chazelle aus dem Mythos bemannte Mondlandung eine Reise in die Untiefen des Armstrongschen Seelenkraters, die keine patriotischen Untertöne kennt. Das ist eigenwillig und eine unerwartete Perspektive, die sich Mainstream-Vorgaben entzieht und darum hierzulande nur in kleinen Kinosälen zu sehen war. Sehesnwert ist das allemal, auch wenn Gosling es mit der Untertreibung etwas übertreibt. Claire Foy als Janet Armstrong ist die stärkste Figur inmitten des männlichen Raketenfutters. Wer über die emotionalen Aspekte hinaus die menschlichen, metaphysischen, kulturellen und technischen Höhen wie Abgründe von Apollo 11 genauer erkunden möchte, dem sei Norman Mailers meisterhafte Riesenreportage A Fire on the Moon (illustriert als Moonfire erschienen) empfohlen.

Mittwoch, Oktober 03, 2018

Predator - der Downgrade

Das Vorteilhafteste, was man von Predator - Upgrade sagen kann, ist, dass dort Laurence Fishburn keinen Gastauftritt hat. Der Beginn des Films lässt ein "explosives Sequel" erwarten, aber die Hoffnung zerbröselt spätestens, wenn eine Art A-Team der Bekloppten den Kampf mit den Predatoren aufnimmt. Der kleine Intelligenz-Bolzen mit Asperger vermag die zunehmende Arschlochhaftigkeit seines Vaters und dessen Kumpels nicht auszugleichen. Das Team um Dutch aus dem allerersten Predator-Film kommt im Vergleich dazu als ein Team geistreicher Charakterköpfe rüber.

Das Sequel krankt wie die späteren Folgen der Alien-Saga daran, dass die Charaktere überdreht, aber flach und zudem vollkommen unsympathisch bleiben. Dazu kommen die todesmutigen Waghalsigkeiten der Protagonisten, die den sicheren Sprung in den Tod oder zumindest der völligen Invalidität durch schiere Ignoranz überleben. Das CGI-Effektgewitter erzeugt weder Atmosphäre noch Spannung, und die Gentechnik im Film erreicht die Güteklasse Splice. Und das sollte uns allen Angst vor einem weiteren Predator-Sequel machen.

Predator - Upgrade, you're one... *ugly* motherfucker!

Verspult: Die vergeigte Chance

Eigentlich wollte er einen Science-Fiction-Film drehen, bekannte Regisseur Johannes Sievert, aber die Eigentümlichkeiten der deutschen Filmförderung boten nur die Möglichkeit, mit Rewind: Die zweite Chance einen Zeitreise-Krimi zu drehen. Der Film beeindruckt durch einen markanten Ermittler und die stylische Inszenierung der Stadt Köln. Der Krimi-Plot und das Polizei-Milieu sind kompentent inszeniert, doch im Physik-Labor wirkt dann alles, also ob Geld und Ideen ausgegangen wären. Zudem kommt die PhysikerDoktorandin blaß und blutleer rüber. Kein Wunder, dass der Komissar bei ihren physikalischen Ausführungen erst einmal auf den Absatz kehrt macht. Gewiss, Zeitreisen sind immer unrealistisch und unlogisch, aber wenn an altmodischen Oszilloskopen herumgefuddelt wird und die Zeitmaschine nicht mehr als ein leerer Raum ist, nützen auch alle quantenphysikalischen Erklärungen und Lichteffekte nichts, die inszenatorische Leerstelle des Films zu füllen. Doch Rewind kann für sich verbuchen, dass er fast die vollständige Besatzung des SfSFF erstmals zum Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gebracht hat.

Dienstag, Juni 26, 2018

2001 zum 50sten

Stanley Kubricks Meisterwerk 2001 - A Space Odyssey konnte kürzlich den 50. Jahrestag seiner Premiere feiern. Aus Anlass dieses Jubiläums kommt der Film wieder in die Kinos und zwar sogar in einer originalen analogen 70mm-Kopie, sofern das Kino die dafür nötige Vorführtechnik besitzt. Wie es der Zufall wollte, kam ich in den Genuss einer solch exklusiven Vorführung und zwar im Savoy-Kino in Hamburg. Danke, Christopher Nolan!

Donnerstag, Juni 14, 2018

Komm zu einem Hund

Wes Anderson ist die Pippi Langstrumpf unter den Autorenfilmern. Er baut sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Diesmal erschafft er in Isle of Dogs ein zukünftiges Japan, das bereits in der Vergangenheit liegt, grob in den 2000er-Jahren, gesehen aus der Perspektive der Siebziger- und das gefilmt in altmodischer Stop-Motion-Technik. Hunde sind die Opfer des rücksichtslosen Bürgermeisters von Megasaki, der die Haustiere zu Sündenböcken erklärt und auf eine Müllinsel verbannt. Atari, Mündel des Bürgermeisters, fliegt auf die Insel, um seinen Hund Spot zu suchen. Eine Hunde-Gang hilft ihm bei dieser Suche...

Anderson bleibt sich in seiner retrofuturistischen Japan-Hommage treu, aber ihm gelingt bei all der detailversessenen Ästheitk eine Fabel über Intoleranz, Ausgrenzung und Hetze, die mit einem hoffnungsvollen Ende aufwartet. Das erreicht vielleicht nicht unbedingt die Größe von George Orwells Animal Farm, das auch als Zeichentrickfilm überzeugte, aber Andersons Film ist mehr als ein visuelles Kunststück. Hunde sind auch nur Menschen. Vier Beine gut, zwei Beine ... nicht ganz so schlecht.

P.S. Der Titel dieses Posts ergab sich durch Rückübersetzung der japanischen Übersetzung von "auf den Hund kommen" im Google-Translator.