Russische Verfilmungen von Geschichten der Brüder Strugatzki machen es einem nicht leicht: In Andrei Tarkowskis Stalker (nach Picknick am Wegesrand) wird aus den Folgen einer rätselhaften Stippvisite von Außerirdischen auf der Erde eine schwermütige metaphysische Expedition. Tage der Finsternis (nach Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang) von Alexander Sokurov ist eine nichtapokalyptische Postapokalypse in spe vor turkmenischer Kulisse und Es ist schwer, ein Gott zu sein (nach dem gleichnamigen Roman) von Aleksei German ist ... ja, da wird es noch etwas schwieriger. Dieser Film ist eine geradezu körperliche Version des Buches, der einem mit immersiven Bildern in die Kloake eines extraterrestrischen Mittelalters hineinzieht, ja hineintaucht. Das ist beeindruckend, fordernd und anstrengend zugleich.
Sicher, der ersten Verfilmung des Romans durch Peter Fleischmann war kein Erfolg beschieden, weder kommerziell noch bei der Kritik, aber er ließ viel mehr der zugrundeliegenden Geschichte intakt. Aleksei German hat wirkmächtige bis verstörende Bilder gefunden, aber sein Stilwillen scheint die Romanvorlage zu zermalmen. Die Dialoge lassen sich oft nicht verorten oder einordnen, nur wenige Schlüsselszenen der Buchversion finden ihre Entsprechung im Film, die unbarmherzige Drastik der Bilder von Schmutz, Krankheit, Verstümmelung, Gewalt und Barbarei machen es schwer, die von German komponierten Tableaus wahrzunehmen und zu deuten. Um es mit Alexander Sokurov zu sagen: "Kunst ist kein Restaurant, hier gibt es keine Kellner, hier wird man nicht bedient." In Aleksei Germans Lokal wälzen sich zerrissene, kranke Gestalten auf dem verdreckten Boden, ein Eimer Schlamm ergießt sich über das Essen und ein Schwerthieb teilt den Tisch.
Mitteilungen des interdisziplinären, transregionalen und extrauniversitären Seminars für Science Fiction Film und Anverwandtes mit Zweigstellen in Marburg, Heidelberg, Stuttgart, Darmstadt und ehemaligen Zweigstellen in Singapur und Korbach.
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Montag, September 07, 2015
Mittwoch, November 21, 2012
Der letzte Gang des Stalkers
Das SfSFF trauert um einen der ganz großen Autoren der wissenschaftlichen Phantastik. 21 Jahre nach seinem Bruder Arkadi verstarb nun auch Boris Strugatzki, im Alter von 79 Jahren. Die beiden Brüder werden als prägendes Autoren-Duo der Science Fiction mit ihrem Werk in Erinnerung bleiben und haben auch im Genre des Science Fiction-Film ihre eindrucksvollen Spuren hinterlassen: Andreij Tarkowskis Stalker und Aleksandr Sokurovs Tage der Finsternis basieren auf literarischen Vorlagen bzw. Drehbuch. P.S.
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Montag, Februar 09, 2009
Zone 21 in Stuttgart?
Die Aufdietheaterbühnebringung von erfolgreichen Filmen gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der Spielpläne deutscher Schauspielhäuser. Der Regisseur Hasko Weber wagt es nun, Andreij Tarkowskis Film Stalker (1979, recht frei nach einem Drehbuch der Gebrüder Strugatzki, das auf deren Picknick am Wegesrand beruht) am Stuttgarter Staatstheater zu inszenieren. Kann das funktionieren? Fehlen da nicht die hypnotischen Bilder, die meditativen, fast schon quälend langen Bildeinstellungen Tarkowskis? Verwandelt eine Dramatisierung den faszinierenden Stoff am Ende nur in ebenso hochphilosophisches wie anstrengendes Diskurstheater? Und wird diese Inszenierung Schule machen? Die Vorstellung, dass Filme wie Tage der Finsternis oder gar 2001 - Odyssee im Weltraum ihrer hypnotischen Bilder beraubt auf deutschen Bühnen landen, empfinde ich als äußerst gruselig.
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Sonntag, November 26, 2006
Ausgerechnet Turkmenistan
Wie sagte es der Regisseur Aleksandr Sokurov während eines „Filmtalks“ am 18. November 2006 (im Rahmen des 55. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg) so pointiert im Hinblick auf den russischen Film: Kunst ist kein Restaurant, hier gibt es keine Kellner, hier wird man nicht bedient. Das gilt ganz sicherlich auch für Sokurovs ersten unter den Bedingungen der Perestroijka gedrehten Film Dni znatmenija – Tage der Finsternis, an dessen Drehbuch die russischen Science Fiction-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki mitgearbeitet haben (genaueres habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können): Ein junger russischer Arzt aus Nishnij Nowgorod ist in eine Provinzstadt in Turkmenistan versetzt worden. Es könnte genauso gut ein fremder Planet sein. Der blonde Russe ist offensichtlich fremd in dieser orientalisch geprägten Sowjetrepublik. Und doch scheint er sich hier nicht unwohl zu fühlen: „Leben kann man überall.“, sagt er zu seinem einzigen Freund, einem "Kriegsingenieur". Der Film bedient die Zuschauer tatsächlich nicht mit einer stringenten Handlung, erhellenden Dialogen oder einem raffinierten Spannungsbogen, sondern knüpft ein verwirrendes, offenes Beziehungsgeflecht aus rätselhaften Bildern: Zerfallene Bauten in einer Wüstenlandschaft, gänzlich in gelbes Licht getaucht, quälende Hitze, armselige, chaotische Wohnungseinrichtungen, ein Kind, das Sicherheitsnadeln verschluckt, ein Toter der plötzlich spricht, ein Miniaturdorf, das von Zeit zu Zeit im Film auftaucht und schließlich spurlos verschwindet, der Arzt an der Schreibmaschine, eine medizinische Studie, die Indizien dafür liefert, dass religiöse Menschen sich einer besonders guten Gesundheit erfreuen... Verrätselte, apokalyptische Filmkunst, am ehesten noch Tarkowskis Film Stalker (1979) verpflichtet.
Donnerstag, November 16, 2006
Tage der Finsternis
Beim diesjährigen Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg wird der russische Regisseur Aleksandr Sokurov als "Master of Cinema" ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird unter anderem sein Film Tage der Finsternis gezeigt, der auf einer Vorlage der russischen Science Fiction-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki beruht. Dabei handelt es sich um den Roman Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang (1976).
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