Montag, Dezember 10, 2018

Small Steps

Wer bei Damien Chazelles First Man eine explosive Heldensaga der Apollo-11-Mission erwartet hat, wird sicher enttäuscht und womöglich sogar gelangweilt das Kino verlassen haben. Weite Teile des Films zeigen ein eher nüchternes Zeitpanorama der USA in den Sechzigerjahren mit einem gefühlsreduziert von Ryan Gosling dargestellten Neil Armstrong. Dieses Panorama wird allerdings von meisterhaften Weltraum-Sequenzen unterbrochen, die den Zuschauer wirklich an einem X-15-Flug oder an Gemini 8 und Apollo 11 telhaben lassen.

Doch trotz dieser packenden Action macht Chazelle aus dem Mythos bemannte Mondlandung eine Reise in die Untiefen des Armstrongschen Seelenkraters, die keine patriotischen Untertöne kennt. Das ist eigenwillig und eine unerwartete Perspektive, die sich Mainstream-Vorgaben entzieht und darum hierzulande nur in kleinen Kinosälen zu sehen war. Sehesnwert ist das allemal, auch wenn Gosling es mit der Untertreibung etwas übertreibt. Claire Foy als Janet Armstrong ist die stärkste Figur inmitten des männlichen Raketenfutters. Wer über die emotionalen Aspekte hinaus die menschlichen, metaphysischen, kulturellen und technischen Höhen wie Abgründe von Apollo 11 genauer erkunden möchte, dem sei Norman Mailers meisterhafte Riesenreportage A Fire on the Moon (illustriert als Moonfire erschienen) empfohlen.

Mittwoch, Oktober 03, 2018

Predator - der Downgrade

Das Vorteilhafteste, was man von Predator - Upgrade sagen kann, ist, dass dort Laurence Fishburn keinen Gastauftritt hat. Der Beginn des Films lässt ein "explosives Sequel" erwarten, aber die Hoffnung zerbröselt spätestens, wenn eine Art A-Team der Bekloppten den Kampf mit den Predatoren aufnimmt. Der kleine Intelligenz-Bolzen mit Asperger vermag die zunehmende Arschlochhaftigkeit seines Vaters und dessen Kumpels nicht auszugleichen. Das Team um Dutch aus dem allerersten Predator-Film kommt im Vergleich dazu als ein Team geistreicher Charakterköpfe rüber.

Das Sequel krankt wie die späteren Folgen der Alien-Saga daran, dass die Charaktere überdreht, aber flach und zudem vollkommen unsympathisch bleiben. Dazu kommen die todesmutigen Waghalsigkeiten der Protagonisten, die den sicheren Sprung in den Tod oder zumindest der völligen Invalidität durch schiere Ignoranz überleben. Das CGI-Effektgewitter erzeugt weder Atmosphäre noch Spannung, und die Gentechnik im Film erreicht die Güteklasse Splice. Und das sollte uns allen Angst vor einem weiteren Predator-Sequel machen.

Predator - Upgrade, you're one... *ugly* motherfucker!

Verspult: Die vergeigte Chance

Eigentlich wollte er einen Science-Fiction-Film drehen, bekannte Regisseur Johannes Sievert, aber die Eigentümlichkeiten der deutschen Filmförderung boten nur die Möglichkeit, mit Rewind: Die zweite Chance einen Zeitreise-Krimi zu drehen. Der Film beeindruckt durch einen markanten Ermittler und die stylische Inszenierung der Stadt Köln. Der Krimi-Plot und das Polizei-Milieu sind kompentent inszeniert, doch im Physik-Labor wirkt dann alles, also ob Geld und Ideen ausgegangen wären. Zudem kommt die PhysikerDoktorandin blaß und blutleer rüber. Kein Wunder, dass der Komissar bei ihren physikalischen Ausführungen erst einmal auf den Absatz kehrt macht. Gewiss, Zeitreisen sind immer unrealistisch und unlogisch, aber wenn an altmodischen Oszilloskopen herumgefuddelt wird und die Zeitmaschine nicht mehr als ein leerer Raum ist, nützen auch alle quantenphysikalischen Erklärungen und Lichteffekte nichts, die inszenatorische Leerstelle des Films zu füllen. Doch Rewind kann für sich verbuchen, dass er fast die vollständige Besatzung des SfSFF erstmals zum Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gebracht hat.

Dienstag, Juni 26, 2018

2001 zum 50sten

Stanley Kubricks Meisterwerk 2001 - A Space Odyssey konnte kürzlich den 50. Jahrestag seiner Premiere feiern. Aus Anlass dieses Jubiläums kommt der Film wieder in die Kinos und zwar sogar in einer originalen analogen 70mm-Kopie, sofern das Kino die dafür nötige Vorführtechnik besitzt. Wie es der Zufall wollte, kam ich in den Genuss einer solch exklusiven Vorführung und zwar im Savoy-Kino in Hamburg. Danke, Christopher Nolan!

Donnerstag, Juni 14, 2018

Komm zu einem Hund

Wes Anderson ist die Pippi Langstrumpf unter den Autorenfilmern. Er baut sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Diesmal erschafft er in Isle of Dogs ein zukünftiges Japan, das bereits in der Vergangenheit liegt, grob in den 2000er-Jahren, gesehen aus der Perspektive der Siebziger- und das gefilmt in altmodischer Stop-Motion-Technik. Hunde sind die Opfer des rücksichtslosen Bürgermeisters von Megasaki, der die Haustiere zu Sündenböcken erklärt und auf eine Müllinsel verbannt. Atari, Mündel des Bürgermeisters, fliegt auf die Insel, um seinen Hund Spot zu suchen. Eine Hunde-Gang hilft ihm bei dieser Suche...

Anderson bleibt sich in seiner retrofuturistischen Japan-Hommage treu, aber ihm gelingt bei all der detailversessenen Ästheitk eine Fabel über Intoleranz, Ausgrenzung und Hetze, die mit einem hoffnungsvollen Ende aufwartet. Das erreicht vielleicht nicht unbedingt die Größe von George Orwells Animal Farm, das auch als Zeichentrickfilm überzeugte, aber Andersons Film ist mehr als ein visuelles Kunststück. Hunde sind auch nur Menschen. Vier Beine gut, zwei Beine ... nicht ganz so schlecht.

P.S. Der Titel dieses Posts ergab sich durch Rückübersetzung der japanischen Übersetzung von "auf den Hund kommen" im Google-Translator.

Donnerstag, Mai 31, 2018

Solo von Solo? Schon voll ok!

Hat jemand nach einem Star-Wars-Film verlangt, der erzählt, wie aus dem Einzelgäner Han Solo das unschlagbare Duo Solo / Chewbacca dicke Freunde wurden? Nein? Funktioniert Solo: A Star Wars Story von Regie-Altmeister Ron Howard trotzdem? Ja, denn genau wie bei Rogue One macht es mittlerweile mehr Spaß ins Star-Wars-Weltraummärchen einzutauchen, wenn der "Macht-Ballast" nicht mit an Bord ist. Solo fehlt die angenehm unerbittliche Konsequenz von Rogue One, aber besitzt trotzdem dir richtige Mischung aus sprücheklopfendem Buddy-Movie und überdrehter Action. Nur finanziell war der Film wohl ein Desaster, aber weltanschaulich ist Solo definitiv ein Film zur rechten Zeit, denn mit L3-37 führt er eine starke weibliche Figur ein, die sich endlich mal für gleiche Rechte für Droiden stark macht.

Montag, Mai 14, 2018

Memories are made of X

Der junge britische Dramatiker Alistair McDowall wagt sich mit seinem Stück X (2016) hinaus in die Außenregion unseres Sonnensystem. X erlebte jetzt am Nationaltheater in Mannheim seine deutschsprachige Uraufführung. Die Crew einer Forschungsstation auf Pluto hat die Verbindung zur Erde verloren und klammert sich an Routinen, Erinnerungen und die Uhrzeit, bis auch die ihren Geist aufgibt. Ohne ein Koordinatensystem aus festen Zeiten und einem verlässlichen Informationsausstausch mit der Außenwelt gerät nicht nur das Leben auf der Station aus den Fugen, sondern auch die Szenenfolge in der Dalli-Dalli-Kulisse. Der normale Zeitverlauf ist ausgehebelt, Erinnerungen wandern von Person zu Person, Sprache reduziert sich bis zum zischend ausgesprochenen Platzhalter X. Das ist bis auf einige repetitive Längen spannend inszeniert, intellektuell anregend und durchaus Science Fiction. Eine distanzierende Äußerung des Autors wie "X ist nicht wirklich Science fiction, das ist nur eine Maske" kaschiert nur, dass sich für das eine oder andere Versatzstück von X gut erkennbare Vorbilder in Werken wie Stanislaw Lems Solaris, Kurt Vonneguts Slaughterhouse Five und John Carpenters Dark Star finden lassen. Aber vielleicht täuscht da auch nur meine Erinnerung. Fang nochmal an...

Montag, April 30, 2018

Psssst!

Silence is golden ... und überlebenswichtig, das macht A Quiet Place von John Krasinski eindringlich klar, der das zugegebenermaßen unwahrscheinliche Szenario einer von äußerst geräuschempfindlichen Außerirdischen eroberten Erde präsentiert, in der eine Familie gezwungen ist, mucksmäuschenstill zu sein. Man fühlt sich an ähnlich klaustrophobisch-extraterrestrische Begegnungen wie in Signs oder Spielbergs War of the Worlds erinnert.

Wem der Science-Fiction-Plot zu dünn ist (Wer um alles im Universum, der seine Ruhe liebt, sollte ausgerechnet die lärmende Erde erobern?), der kann sich vielleicht eher mit der märchenhaften Situation und Logik einer Familie in einem dunklen Wald umgeben von höchst leichthörigen Dämonen anfreunden. Doch das spielt keine Rolle, denn in diesem packenden Film erlebt man endlich mal wieder richtige Menschen, mit denen man mitfiebert, Spannung, die im besten Sinne hintergründig ist, und ein durchladendes Gefühl der Befreiung am Ende des Films, der nur an einer Stelle den Nagel nicht auf dem Kopf trifft. Und es beschleicht einen insgeheim der Wunsch, die Außerirdischen würden sich die Popcorn-Raschler direkt in der Reihe hinter einem im Kino schnappen.

Mittwoch, April 25, 2018

Das Realitäts-Rätsel

"Nur die Realität ist real", diese magere Erkenntnis und letztlich tautologische Aussage steht ausgerechnet am Schluss von 140 Minuten verfilmten Virtual-Reality-Eskapismus von Ready Player One, in dem Stephen Spielberg die futuristisch-nostalgische Retro-Zukunft des Romans von Ernest Cline für die große Leinwand inszeniert. Gewiss, Steven Spielberg hat ein Händchen für Science Fiction und junge Hauptfiguren, doch überladene Detailverliebtheit reicht nicht, um aus der Erinnerungsrumpelkammer eines tranigen und ungeküssten Supernerds eine dichte und überzeugende Filmgeschichte zu machen. Selbst 3D kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die "virtuelle" Achtzigerjahre-Fete flach ist und der "realen" Zukunft jede Tiefe und Plausibilität abgeht. Eine Eighties-Schnitzeljagd ist nicht abendfüllend, und die tröstende Wirkung von popkulturellen Eskapismus hat Ben Folds in seinem Song Underground in vier Minuten stimmiger abgehandelt. Fazit: Achtzigerjahre-Nostalgie stellt sich am besten bei Filmen aus den Achtzigerjahren ein, bei denen man unwillkürlich den Wunsch verspürt, nach Hause zu telefonieren. Und: Nur die Virtualität ist virtuell.
Da, wo Ready Player One, überladen daherkommt, ist Das Zeiträtsel auf merkwürdige Weise "unterladen". Der Film beruht auf dem 1962 erschienenen Kinderbuch A Wrinkle in Time von Madeleine L'Engle. Ava DuVernay, die erste afroamerikanische Frau, der die Regie eines Big-Budget-Films anvertraut wurde, punktet mit einem hübschen, (positiv) politisch korrekten Einstiegsszenario. Das driftet aber durch das Auftreten dreier aufgedonnerter Feen in Science-Fantasy-Gefilde ab, die sich in Buchform vermutlich überzeugender umsetzen lassen. Durch Tessern erreichen Meg, ihr jüngerer Bruder Charles Wallace und Nachbarsjunge Calvin knallbunte, aber aseptisch-leere Planeten. DuVernay kommt dabei über einen "Alice in Oz"-Verschnitt nicht hinaus, der oft arg gefühlsduselig gerät. Dennoch hat Das Zeiträtsel trotz seiner Fehlstellen mehr Charme als der überladene Ready Player One. Beide Filme eint,dass sie von weniger Computeranimation und besserem Drehbuch profitiert hätten. In beiden Fällen wäre es ein interessantes Gedankenspiel, was ein wagemutigerer Regisseur wie Captain Chaos aus den Stoffen gemacht hätte.

Pacific Rim 2: Der größte Krampf ...


... noch größerer Blödsinn!