Donnerstag, März 26, 2020

Wie im Film?

Die Corona-Krise zeitigt schon den ersten Film, während die Realität auf die Katastrophe zusteuert, die am Anfang des Jahres noch undekbar schien. Solidarität wird überall gebraucht, auch im Bereich der nun bedrohten kommunalen Kinos, denen wir ein unersetzliches Programm verdanken. Die solidarische Video-on-Demand-Aktion von Grandfilm bietet hier die Möglichkeit, gute Filme zu sehen und damit die kommunalen Kinos zu unterstützen! Dazu möchte das SfSFF ausdrücklich aufrufen!

Sonntag, Februar 23, 2020

Sind wir die Roboter?

Das Team aus Captain Idüllüschön, Counselor Taramtam und Commander Lösel wagten eine Expedition in den Ruhr-Quadranten, um sich im Essener Museum Folkwang die beiden exzellenten Ausstellungen I was a Robot (mit Exponaten aus dem Maison d'Ailleurs) und Der montierte Mensch anzuschauen. Dort ließ sich nicht nur das sich wandelnde Bild des Roboters, der Androiden und Cyborgs in der Science-Fiction-Geschichte erkunden, sondern auch die Grenzen zwischen Mensch und Maschine ausloten: Was ist menschlich an der Maschine, was ist maschinenhaft am Menschen? Allen, die sich für diese tiefgreifenden Fragen interessieren, sei der Besuch der Ausstellungen, die noch bis 15. März zu sehen sind, sehr ans Herz gelegt.

Sonntag, Februar 02, 2020

Bemuttere mich!

Regisseurin Jessica Haussner ist mit Little Joe eine zeitgemäße Hybridisierung von Invasion of the Bodysnatchers und Little Shop of Horrors gelungen. Die unterkühlte, manchmal fast klinische Inszenierung erzeugt im Zusammenspiel mit der Klanggestaltung und dem Soundtrack mit Musik des den 1982 verstorbenen japanischen Komponisten Teiji Ito eine eher unterschwellige Spannung. Haussner seziert die heutige Sehnsucht nach Glück und Selbstentfremdung bei der Jagd danach. Das zieht sich wie ein im wahrsten Sinne des Wortes roter Faden durch den Film. Dabei erzeugt der Pollen von Little Joe vielleicht keinen Horror, aber einen verräterischen Heuschnupfen des Zeitgeistes.

Samstag, Februar 01, 2020

Those will be the times?

 
Die postapokalyptische Welt im Jahr 9177 in Tiempo después fühlt sich an, als ob Regisseur José Luis Cuerda die Peasent Scene (Text) aus Monty Python and the Holy Grail auf spanische Verhältnisse umgemünzt und zu einen abendfüllenden Spielfilm ausgebaut hätte. Der Film, der seine Deutschland-Premiere beim Fantasy Film Festival hatte und nun bei den Filmtagen des Mittelmeeres zu sehen war, besticht mit Kulisse und Ausstattung, für die auch Terry Gilliam Pate gestanden haben könnte, und rasanter hochtrabender Dialoge und Diskurse. Die Informations- und Anspielungsdichte ist hoch, der Grad an absurder gesellschaftspolitischer Satire auch. Ein mehrmaliges Anschauen lohnt sich für alle, die einen Zugang zu einem solchen Film finden ... Kikeriki!

The Race of Skywalker

Star Wars IX - The Rise of Skywalker ist ganz im Geist unserer heutigen Zeit: Man hat einfach keine Zeit mehr. Es gilt sich zu beeilen, um das behäbig agierende Böse zu überholen und währenddessen lose Plot-Fäden zu verknüpfen. Ein befriedigendes Ende muss her, koste es, was es wolle. Das Hyperraum-Stottern, mit dem Poe Dameron seinen Häschern entkommt ist ein vortreffliches Bild für die dargebotene erzähltechnische Hetzerei. Keinem der Charaktere wird die Muße gegönnt, um sich in den wie immer grandiosen Szenarien zu entfalten. Dejà vus und Cameos sorgen für Wohlfühlmomente für die Fanbasis.

Auch wenn ich sonst kein Freund von vierteiligen Trilogien bin, hätte ich mich über einen zweiteiligen Abschlussfilm gefreut, der aus den vielen Plot-Tupfern überzeugende Erzählstränge macht und den Protagonisten erlaubt, ihre Geschichte zu erzählen. Dann hätte aus Poe und Zori auch was werden können. Rey und Konsorten kann man jedenfalls durchaus mögen, aber das Böse ist wieder sowas von umständlich böse, dass aus der "dunklen Seite der Macht" doch wieder nur ein "Macht nix" wird. Und über den Inneneinrichtungsgeschmack von Herrn Palpatine lässt sich nur eins sagen: Mich hätte es nicht verwundert, wenn Frodo um die Ecke gebogen wäre.

Montag, Dezember 30, 2019

2020 im Vorhinein

Das Jahr 2019 war in jeder Hinsicht durchwachsen, auch im Bereich des Science-Fictions-Films. Immerhin haben wir den Monat des Blade Runner erreicht.

Doppelpunkte künden von einer schleichenden Versequelisierung des Kinoangebots. Es gab drei zweite Folgen, eine vierte, einen zwei-plus-x-ten Terminator-Film und einen Film mit sicherer Sequelerwartung, es gab gescheiterten Anspruch auf hohem Niveau („Ad Astra“), aber auch eine Perle wie „I am Mother“. Die Crew des SfSFF ist gespannt, ob 2020 die zu erwartende Klarsicht bringen wird, freut sich aber schon mit Macht auf die nächsten Sichttermine.

WIR (Theater)

Montag, November 18, 2019

Gardinenpredigt mit Äkschn

Braucht die Welt einen sechsten Terminator-Film? Nicht unbedingt, aber wenn er ausfällt wie Terminator: Dark Fate, dann gibt es auch keinen Grund über Gebühr zu klagen. Hochtourige Äkschn paart sich mit augenzwinkerndem bis grimmigen Humor und einer genderkorrektiven "Drei Teufelsweiber für Arnie"-Konstellation. Das anfängliche Setting in Mexiko lässt sich zudem als politischer Kommentar in Richtung Mr. Dump deuten.

Überraschend ist sicher, das der Film an den unübertrefflichen Terminator 2 andockt und die Gechichte alternativ von einem nie stattgefundenen "Judgement Day" in die heutige Gegenwart weiter spinnt. Sarah Connor hat sich all die Jahre als freischaffende Terminatorenexekutorin verdingt und muss sich mit einer alternativen Zeitschleife und zwei weiteren starken Frauen arrangieren.

Sarahs Begegnung mit einem geläuterten Terminator, der ihren Sohn John auf dem Gewissen hat, und das Auftauchen eines neuen ultragnadenlosen Terminators aus der Zukunft kulminieren nach zünftigen Verfolgungsjagden in einer Keilerei im Riesenstaudamm. Vom bloßen Zuschauen vermeint man, blaue Flecken und Muskelkater davonzutragen. Ist das alles zwingend und tiefschürfend? Nein, aber durchaus unterhaltsam.

Dienstag, November 12, 2019

Donnerstag, Oktober 03, 2019

Pappa ante Neptun

Ad Astra von James Gray macht es einem nicht leicht. Großartige Weltraum-Schauwerte wechseln mit introspektiven Sequenzen der Hauptfigur Roy McBride (Brad Pitt) ab, für die mir das Wort „morose“ passend erscheint. Die „nahe Zukunft“, in welcher der Film zeitlich angesiedelt ist, dürfte in einer Parallelwelt spielen, in der die Apollo-Ära mit ungebremstem Optimismus in Richtung Mars und äußeren Planeten des Sonnensystems aufbrechen konnte. Routine, Kommerz und Misstände wie „Mondpiraten“ durchziehen die ambitionierten Raumfahrtunternehmungen der „nahen Zukunft“.

Roys Vater Clifford (Tommy Lee Jones) ist 30 Jahre zuvor zum Neptun aufgebrochen, um dort (bzw. von dort aus) nach außerirdischen Intelligenzen zu suchen, gilt aber als verschollen, nachdem jeder Funkkontakt abgebrochen ist. Schließlich deuten gigantische elektromagnetische Entladungen und Nachrichten darauf hin, dass Clifford McBride noch am Leben ist und irgendwelche Antimaterie-Experimente für die zerstörerischen „Wellen“ verantwortlich sind.

Der emotionale Kontakt zwischen Roy und seinem Vater scheint bereits länger abgebrochen, sofern er überhaupt einmal bestanden hat. Ebenfalls unfähig, tiefere Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen, bricht Roy zu einer geheimen Mission auf, die das Schicksal seines Vaters klären, die Quelle der Zerstörung deaktivieren und das Verhältnis zu seinem Vater klären soll. Diese interplanetare Odyssee verdankt viel Filmen wie Gravity, Interstellar oder First Man, ohne jedoch deren Intensität zu erreichen und den Zuschauer wirklich mitfühlen zu lassen. Um philosophische oder metaphysische Dimensionen des Film zu erkennen, fehlt mir nach einmaligem Anschauen wohl die richtige Antenne, übrig bleiben vor allem „family matters in space“. Warum Roy seine emotionale Katharsis ausgerechnet am Neptun erleben muss, wo aus dem Vater ein griesgrämiger Space Öhi geworden ist, wäre eine Frage, die ich Regisseur James Gray und seinen Ko-Drehbuchschreiber Ethan Gross gerne stellen würde.

Sonntag, September 22, 2019

Mama KI

I am Mother ist der erstaunliche Erstlingsfilm des australischen Regisseurs Grant Sputore, der auch für die zugrundeliegende Geschichte verantwortlich zeichnet. Ihm ist ein atmosphärisch dichtes Science-Fiction-Kammerspiel voller überraschender Wendungen gelungen, das an Ex Machina denken lässt. Doch die robotische Mutter-Tochter-Geschichte in einer postapokylptischen Welt erhält eine zusätzliche transzendente Note, weil sich die Mutter eben nicht nur auf den (genial durch einen Menschen animierten) Roboter beschränkt, sondern wie eine omnipräsente Urmutter einer neuen, perfektionierten Menschheit agiert.

Mutterliebe und Maschinenlogik geraten in Konflikt, als eine verwundete Frau aus der Außenwelt in die hermetische geschützte Welt von Robotermutter und Menschentochter eindringt (und mit ihrer Marien-Verehrung eine religiöse Dimension hineinbringt). Die Geschichte erhält ihre Spannung nicht aus explosiver Action, sondern daraus, dass die Ratio, nach der die Robotermutter handelt, nach und nach enthüllt wird und sich die individuelle Wärme, die sie zu Beginn ausstrahlt, in unmenschlich konsequente Kälte wandelt.