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Sonntag, März 01, 2026

BewAIslastumkehr

Regisseur Timur Nuruachitowitsch Bekmambetov verdanken wir cineastische Highlights wie Abraham Lincoln Vampirjäger (2012) oder Ben Hur (2016). In Mercy konfrontiert er uns mit einem Plot, der sehr an Minority Report (2002) erinnert: Ein kerniger Ermittler kommt ins Fadenkreuz der eigenen Ermittlungs- bzw. Rechtsfindungsmodalitäten.
 
In diesem Fall sieht sich Chris Raven (Chris Pratt) der KI-Richterin Maddox (Rebecca Ferguson, bekannt als Mutter von Paul Atreides) gegenüber und darf sich im Jahr 2029 fixiert im Anklagestuhl mit Vollzugriff auf die Cloud der gänzlich überwachten Stadt Los Angeles von der Mordanklage befreien. Dafür hat er eine klassische Spielfilmlänge Zeit. Dass schafft ein zwingendes Spannungsmoment, bei dem die KI weniger spooky ist als der Gedanke, dass wirklich alle Aktionen der Bürger zugegriffen werden kann. 
 
Heraus kommt ein kompetent inszenierter Film, dem die Brisanz und philosophische Tiefe von Minority Report durch das überschaubare Setting und den vorhersehbaren Plot leider im Laufe des Verfahrens abhanden kommt. Wir plädieren daher auf befriedigend mit Bewährung.

Montag, Dezember 22, 2025

Der richtige Impuls

Exit Pangea - AI Evolution ist der Abschlussfilm von Tibor Baumann, ein waschechter Science-Fiction-Film, der seine Vorbilder wie eXistenZ oder Blade Runner nicht verleugnet, aber die Durchdringung der realen und virtuellen Welten viel überzeugender umsetzt als Tron:Ares. Das kleine Budget zwingt zu einem bodenständig-schäbigen Setting, das mit originellen Ideen wie den irritierenden "glitches" in der Virtualität aufwartet. Statt "Persistenz" sucht Entwicklerin Pouya für den entscheidenen Entwicklungssprung nach dem "Impuls". Was auch immer sich dahinter verbirgt, ist zu hoffen, dass Tibor Baumann dem im deutschen Film vernachlässigten Science-Fiction-Genre weitere Impulse geben kann!

Donnerstag, Januar 23, 2025

L`Empire contre-attaque

In einem kleinen Fischerdorf in Nordfrankreich bricht der Krieg der Sterne aus. Où d´autre? Zwei mächtige intergalaktische Zivilisationen, die „Nuller“ und die „Einser“ treten an der Côte d`Opal gegeneinander an, indem sie die dort lebende Bevölkerung infiltrieren, um ein für alle Mal auszumachen wo der Unterschied zwischen Gut und Böse liegt. Das schützt jedoch die Protagonisten nicht vor der „Amour foux“. Und schon gar nicht den Zuschauer vor dem köstlich, katastrophalen Humor dieses Films. Sehr unterhaltsam ist dabei auch die Arbeit der örtlichen Gendarmarie: „Voila, est le Voiture.“

Fazit: „Formidable!“

Sonntag, Oktober 13, 2024

If I had a T Square...

Es gibt Filme, die sind nicht am Reißbrett, sondern am Verreißbrett entstanden. Dazu gehört sicher Megalopolis von Francis Ford Coppola, dessen letzten großen Erfolge wohl so lange zurückliegen, wie er an die Realisierung seines aktuellen und vermutlich letzten Spielfilms dachte. Hat sich das Ringen und Warten gelohnt? Eher sollte man fragen: Wer oder was hat für dieses Wahnsinnsunterfangen Pate gestanden?

Klar ist: Coppola verkaufte einige seiner Weingüter und machte sich ein Angebot, dass er vielleicht besser hätte ablehnen sollen. Da er aber nicht nein sagen konnte, kollidierten Tomorrowland, Metropolis, die römische Republik sowie Allmachts- und Allmännerfantasien zum Megalon ... ähem, pardon Megalon, aus dem vermutlich die Reißschiene geschmiedet wurde, die Adam Driver auf dem Filmplakat wie bei einer Freimaurer-Zeremonie in die Höhe hält.

Ergebnis ist ein Amalgam, das keiner stimmigen Dramaturgie oder kohärenten Bildsprache folgt, aber dafür erstaunlich kurzweilig ist. Wem der Film gefallen hat, dem empfehle ich Taxandria. Ansonsten lässt sich weitestgehend dem Urteil von Lt. Skiwskibowski folgen: "Das war einfach nur doof."

Would you like to know more?


Paul Verhoevens feinsinnige Zukunftssatire Starship Troopers war im Heidelberger Karlstorkino zu sehen. Es war eine Freude, Verhoevens subtile Bildsprache und fein ziselierten Plot, der von herausragenden Jungdarsteller:innen getragen wurde, nach 27 Jahren endlich einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Wollen Sie mehr wissen?

Sonntag, Mai 05, 2024

Ganz nah dran

 

Alex Garland hat als Regisseur hat mit Ex Machina und Annihilation zwei hochoriginelle Science-Fiction-Filme vorgelegt. Nun wagt er sich mit Civil War in eine nahe alternative Zukunft, in der in Amerika ein nicht näher erklärter Bürgerkrieg tobt, in dem sich vier Kriegsjournalist:innen auf eine weite Autorfahrt durch die Kriegsverheerungen machen, um ein (letztes) Interview mit dem US-Präsidenten zu führen - ein Trip in das Herz der Finsternis (der amerikanischen Seele?). Das erinnert in Teilen an The Road oder Children of Men beinhaltet schockierende Sequenzen, unmittelbare Kampfsequenzen und Meditationen über den Job einer Kriegsfotografin in Dialog wie Bild.

Der interessante kontrastierende (Lösel) bzw. unpassende (Idüllüschön) Soundtrack verstärkt bzw. schwächt die Wirkung des Films. Garland scheint sich auf keine irgendwie geartete Seite schlagen zu wollen. Sein gekonnt inszeniertes Nachdenken über Kriegsbilder bezieht sich wohl auch auf sein eigenes Metier, fast vermeint man zu spüren, dass der Regisseur sich bei all seinem Können unwohl in der eigenen Haut fühlt. In jedem Fall lässt er sein Publikum mit einer gewissen Ratlosigkeit zurück - positiv gewendet mit viel Stoff zum Nachdenken.

Montag, März 04, 2024

Der Paul grüßt des Volk der Fremen

Ihr lieben Leute, guten Tach!
Ich bin der Kwisatz Haderach,
Warum, ich weiß es net so recht,
Drum fühl ich mich zeitweise schlecht.

Ich bin ja nur e junge Bub,
Uffgewachse inner Stubb,
Doch spür ich hier in diesen Dünen,
Ich werd schon irgendwas hier sühnen.
 
E Stimmche hab ich, kerle kerle,
Die fällt Männer wie ne Axt die Erle.
Mach zum Kampf ne ernste Miene,
Beeindruckt is mei Konkubine.
 
Des Wasser fehlt, ich sach’s Euch ehrlisch,
Der wüste Wurm is arg gefährlich.
Schau’mer ma, was lässt sich reiße,
Wenn ich mich ins Messias-Sein verbeiße.
 
P.S.
Was ich da hab in meine Nase?
Wechen der trockne Luft, so läuft der Hase!
Die blaue Augen? Echt, kein Scheiß,
Die komme von dem viele Spice!

Dune 2, den schauten wir da.

Donnerstag, Dezember 29, 2022

Wasser marsch!

Ganze 13 Jahre musste nicht nur das SfSFF darauf warten, um ein weiteres Mal nach Pandora entführt zu werden.Was für einen Spiegel hält Cameron uns hier vor! Doch wir lassen uns diesen Spiegel gern vorhalten, denn damit bezahlen wir eine Reise in eine Wunderwelt, aus der wir nur ungern wieder auftauchen“, schrieb Kati Taramtam in ihrer damaligen Kritik. Und auch diesmal war die Vertreibung aus dem Paradies nicht nur Thema des Films, sondern auch die unvermeidliche Konsequenz des Abspanns.

190 Minuten vergingen wie im Flug, nicht zuletzt wegen der unfassbaren Opulenz der Bilder, die Cameron auf der großen Leinwand entfaltete. Daneben nahm sich die Familiengeschichte doch sehr überschaubar aus, selbst mit einer spinnerten Verflechtung der Familien von Held und Erzfeind. Egal wie groß die Welt auch sein mag, am Ende kämpft Mann (sic!, zwar mit starker Frau, die nichtsdestotrotz hinter im steht) gegen Mann für seine Familie. Der Subplot der Zähmung der widerspenstigen Exo-Teenies nimmt manchmal arg überhand, die ökologische Botschaft hin zu einer ganzheitlichen Sicht bleibt prominent und hat auch trotz Kitschmomente ihre Berechtigung.

Der Umweltbotschafter James Cameron steht aber immer etwas ungelenk hinter dem visuellen Visionär, der wieder da angekommen ist, wo er sich am wohlsten fühlt: unter Wasser! So wie Walt Disney 1940 in Pinocchio erstmals eine überzeugende Unterwasserszene in der Zeichentrickwelt inszenierte, lässt uns Cameron vergessen, dass 90 Prozent des Wasser in zweiten Avatar-Film rein digitalen Ursprungs ist. Das Publikum strömt in diesen wahrhaft großen Film, der genug Fährten für die nächste Fortsetzung gelegt hat ... es sei denn ihm gelingt doch nur ein Waterworld 2 in 3D.

Dienstag, November 29, 2022

Was macht denn der Physiker hier?


Ein Wiedersehen von Arrival zeigt, wie gekonnt Denis Villeneuve die nicht wirklich als Filmvorlage geeignete Kurzgeschichte Story of Your Life von Ted Chiang fürs Kino adaptieren konnte. Aber in seinem anschließenden wissenschaftlichen Kommentar legt der Astrophysiker Matthias Bartelmann den Finger in die Wunde: Dadurch, dass Villeneuve die essenzielle physikalische Pointe der Kurzgeschichte opfert, bleibt die Rolle des Physikers, sympathisch gespielt von Jeremy Renner, letztlich auf die des Samenspenders beschränkt. Mit einem Quäntchen mehr Werktreue hätte aus dem hervorragenden Film ein überragender werden können.

Mittwoch, November 16, 2022

Nukleare Postapokalypse ... vor Tschernobyl

Die Filmreihe Apocalyptic Cinema des Käte-Hamburger Kollegs für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien (CAPAS) brachte mit dem Briefe eine toten Mannes (UdSSR 1986) eine veritable Rarität als 35mm-Archivkopie auf die Leinwand (die synchronisierte DEFA-Fassung findet sich hier). Die Welt nach der nuklearen Katastrophe, die Regisseur Konstantin Lopuschanski (geb. 1947) hier vor dem Tschernobyl-Unglück in Szene setzt (am Drehbuch wirkte Boris Strugatzki mit., lässt einen Film wie Tarkowskis Stalker geradezu idyllisch wirken. In Sepia- oder Blautönen entfaltet sich während des Briefwechsel eines alten Mannes mit seinem (verschwundenen? toten?) Sohn eine Welt, in der auch noch in der fast absoluten Hoffnungslosigkeit eine autoritäre Organisation wirkt. Der entkommen nur einige Kinder, die sich auf einen Marsch begeben, dessen Ziel offen bleibt. Schwere, aber beeindruckende Filmkost mit einer Ästhetik, wie man sie nur russische Regisseure kennt, man denke nur an Aleksandr Sokurovs Tage der Finsternis oder Aleksei Germans Es ist schwer ein Gott zu sein.

Sonntag, November 13, 2022

Auf der anderen Seite der Leinwand


Disneys ambitionierten Film Tron vierzig Jahre nach seiner Veröffentlichung auf der Leinwand sehen zu können, macht ihn nicht plausibler, aber die innovativen Bildwelten, eine clevere Mischung aus klassischer Tricktechnik und Computernaimationen, entfalten erst dort ihre Wirkung. Möglich machte dieses Erlebnis das Filmfestival Mathematik–Informatik.

Mittwoch, Oktober 19, 2022

He was back!

Erst die große Leinwand zeigt, wie meisterhaft James Cameron geringem Budget einen wirkungsvollen Action-Film komponiert, der auch nach fast vier Jahrzehnten immer noch mitreißt. In Terminator (1984) agieren echte Menschen glaubhaft in einem Setting, das mit seinen gewagten Zeitschleifen (die Stiefschwippschwägerin des Großvater-Paradoxons?) einiges Stirnrunzeln verursacht, dass jedoch von einem Arnold Schwarzeneggers mit dem charme eines ungebremsten Lastwagens adäquat über den Haufen geschossen wird.

Donnerstag, August 04, 2022

Watch Barbarella do her thing!

 

 Barbarella, ba-Barbarella
Mmm, dazzle me with rainbow colors
Fade away the duller shade of living!



Sonntag, Juni 05, 2022

Mit der Steuererklärung ins Multiversum

Dass ein Haufen Belege einer Steuererklärung eine chinesische Einwanderin, die mit ihren Mann eine Wäscherei führt, in fantastische Existenzen in parallelen Universen katapultiert, klingt nach einer Idee, die Philip K. Dick entsprungen sein muss. Dass sich die Möglichkeiten wie Unmöglichkeiten in den Parallelwelten als Ausgeburten verkorkster familiärer Beziehungen entpuppt, ist ein weiterer Dreh, der Everything, Everywhere All at Once zu einem Schleudergang der Fantasie macht, deren visuelle Überfülle, die einen an Gilliamsche Welten denken lässt, beim einmaligen Schauen kaum zu erfassen ist. Jamie Lee Curtis spielt nicht zuletzt im Wurstfinger-Episode die Rolle ihres Lebens in einer anderen, windschiefen Dimension von Hollywood. Das überrascht, macht Freude, ist aber aber ein paar Schleudergänge zu lang geraten, denn nach normaler Spielfilmlänge hat man den Dreh raus und fürchtet, dass das schräge Garn flusig und fusselig an den Rändern wird. Trotzdem: Eine respektable Kochwäsche der Fantasie, die auch hartnäckige Flecken der Konvention wirkungsvoll entfernt!

Freitag, Mai 20, 2022

Buena vista ciencia ficción club

 

U.F.O.s, sind diese nicht auch immer ein Ausdruck UnerFüllter Ojekte der Begierde oder eine herbeigesehnte Möglichkeit für eine Himmelfahrt weg aus dem irdischen Jammertal? Letzteres nimmt der geerdete kubanische Science-Fiction-Film El viaje extraordinario de Celeste Garcia des Regisseurs Arturo Infante mit einer sehr sympathischen Leichtigkeit ernst, wobei sich komödiantische wie dramatische Elemente die Waage halten. Aber haben sich die Außerirdischen vom Planeten Gyriok wirklich in Havanna unter die Bevölkerung gemischt und kommen sie mit ihrem Raumschiff, um Celeste Garcia, die im Planetarium arbeitet, mit an Bord zu nehmen? Wer das erfahren möchte, sehe sich diesen Film an, der auch ohne Effektspektakel funktioniert, weil er versteht mit dem Grundstoff der Science Fiction zu arbeiten: Ideen!

...in the year 2022

 

Selten kam eine Wiederaufführung eines Films so zur rechten Zeit wie Soylent Green bzw. … Jahr 2022 … die überleben wollen, wie der punktuelle fragwürdige deutsche Verleihtitel lautet. wie hellsichtig war diese "kannibalisierte" Verfilmung des Romans von Harry Harrison, der übrigens im Jahr 1999 spielt? Das heutige New York ist bei Weitem nicht so überbevölkert wie im Film, doch die Temperaturen, wie auch der Meeresspiegel. Und Harrisons Kritik an der amerikanischen bzw. westlichen Ressourcenverschwendung war noch nie treffender als jetzt. Aus heutiger Perspektive scheint besonders die lemmingartige Schicksalsergebenheit der Bevölkerung besonders hellsichtig. Wehe, es droht Mangel an Soylent Green (oder Klopapapier), schon fallen alle zivilisatorischen Schranken...

Dienstag, März 01, 2022

Mondfallera


Niemand ahnte es ja wohl,
Unser Mond ist innen hohl!
Und nun fällt er auf uns zu,
Viel Radau gibt es statt Ruh.
Roland Emmerich, der Schlingel,
Hofft wohl auf Kassengeklingel.
Doch der Film ist leider übel
Und schon gar nicht sehr plausibel,
Das Prädikat, so sag ich mal,
Ist größtenteils katastrophal.
Für Filmfans - richtig coole -
Mein Tipp: Geht in die Häschenschule!

Montag, Januar 10, 2022

Ach sie schon wieder, Mister Anderson!

 


Der vierte Teil einer Trilogie, deren zweiter und dritter Teil schon keine gute Idee waren, kann eigentlich nicht gelingen. Aber das wiederbelebte Matrix-Franchise bot in seiner geerdeten virtuellen Desorientierung immerhin ein paar Seitenhiebe gegen das Franchise-Unwesen und ließ Neo und Trinity wie Freunde erscheinen, die man seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat und zufällig wieder trifft. "Macht doch mal wieder die alten Tricks!", sagt man dann und schon windet sich Neo zwischen zeitlupigen Kugelhagel hindurch. Okay, das ist nicht mehr so aufregend wie beim ersten Film und wirkt schwerfälliger, aber erzeugt einen wohligen nostalgischen Schauer. Genauso wie Neos Aufglimmen seiner vergessenen Romanze mit der würdig gereiften Trinity. Doch der psychoanalytische Dreh, den der Therapeut (Neil Patrick Harris) mit in den Film trägt, bewirkt nur die Erkenntnis, dass man das alles trotz allen Effektgewitters eigentlich lieber auf der heimischen Couch erlebt hätte. Vorschlag für das nächste Rebootquel: "Matrix Recreation".

Montag, September 27, 2021

Lawrence von Arrakis


Denis Villeneuve hat gezeigt, dass er neue Tonlagen und einen eigenen, reduzierten visuellen wie inszenatorischen Stil ins Science-Fiction-Genre einbringen kann, opferte allerdings in Arrival unnötigerweise die Pointe der zugrundliegenden Kurzgeschichte und in Blade Runner 2049 die kluge Reduktion des originalen Blade Runner zugunsten einer gewissen Verschwurbelung.

Mit Dune ist ihm auf den ersten Blick eine kompetente Verfilmung eines ersten Teils von Frank Herberts Dune gelungen, die man gern und ohne sich zu langweilen anschauen kann. Auf den zweiten Blick ist der Film allerdings eher ein zeit(geist)gemäßer, dafür aber viel weniger faszinierender Neuaufguss des Films von David Lynch, der mit exotischen, befremdlichen und auch grellen Bildern punktete. Die Figuren sind bei Lynch aus Fleisch und Blut, bei Villeneuve in 3D. Zudem lässt Villeneuve die Wüste wie einen blassen Riesensandkasten wirken, deren Bedrohung und Ökologie zwar immer wieder beschworen, aber nie nachvollziehbar wird. Kurzum: Man gerät weder ins Schwitzen noch Dürsten, es fehlt einfach die Wüstenmacht.

Die Anleihen bei Lawrence von Arabien und Apocalypse Now sind nett, aber eben auch nicht originell. Dazu kommt, dass Hans Zimmers Soundtrack oft als dröhnendes Ungetüm daherkommt, in den Varianten recht laut, ganz laut und zu laut. Dennoch bin ich auf den (hoffentlich!) zweiten Teil gespannt, der vielleicht einiges wett macht, mag aber die Verfilmung von David Lynch weiterhin viel lieber, da sie auch gescheitert gescheiter wirkt.


 

Hier ist kein Mensch


Ich bin dein Mensch von Maria Schrader schließt mit seiner Herangehensweise an die Themen Künstliche Intelligenz und Androiden konsequent an Filme wie Eva oder Her und Serien wie Real Humans an. Dabei führt die Geschichte von Alma und Androiden Tom noch konsequenter ins Zwischenmenschliche und die Problematiken, die sich in einer Gegenwart von Parship & Co ergeben. Der Film mag auf der Seite der technischen Realisierbarkeit etwas schwachbrüstig sein, verfällt aber trotz urkomischer wie gefühliger Momente weder in Slapstick noch in reines Wohlfühlkino.

Angebot und Nachfrage, Simulation und Akzeptanz, Menschen- und Selbstbild, Bedürftigkeit und Souveränität, Realität und Träume ... all das verhandelt Maria Schrader in ihrem unterhaltsamen Film, der immerhin Deutschlands Einreichung für den "Besten fremdsprachigen Film" bei den 94. Oscar-Verleihungen 2022 ist.Ob es dafür langt, muss sich zeigen. Eine kleine Unwucht hat der Film mit den unmotivierten Hologrammen zu Beginn und einer etwas übersimplifizierten Darstellung akademischer Arbeit.